https://www.faz.net/-gzg-8uxkr

Kommentar zu Opel : Die Unsicherheit ist zurück

Wie lange noch Seit´ an Seit´? Opel-Chef Neumann und GM-Konzernchefin Barra Bild: AP

Wusste Opel-Chef Neumann frühzeitig von den Verkaufsgesprächen, wurde aber von der Mutter in Detroit zum Schweigen verdonnert? Falls nicht, nährte dies die hässliche These, Opel sei wieder einmal nur Spielball.

          Humor kann gerade in schwierigen Zeiten helfen. Vielleicht hat sich Mary Barra das gedacht, als sie ihre Botschaft an die Opelaner formulieren ließ: Die Mitarbeiter in Rüsselsheim wie an den anderen Standorten der Marke mit dem Blitz sollten sich durch die Nachricht von den Gesprächen über einen möglichen Verkauf ihres Arbeitgebers bitte nicht von ihrem Tagwerk ablenken lassen, meint die Vorstandsvorsitzende der Opel-Mutter General Motors. Sie sollten vielmehr weiterhin voll konzentriert und im Sinne der Kunden arbeiten. Solch eine Aussage mag einem komisch vorkommen angesichts der wieder aufgeflammten Unsicherheit, was aus der Marke mit dem Blitz wird. Wie viele Opelaner über die Worte Barras gelacht haben, ist eine ganz andere Frage.

          So manchem Mitarbeiter ist seit der Nachricht von den Verkaufsgesprächen, die die Belegschaft am Dienstag wie der Blitz aus heiterem Himmel traf, eher nicht nach Lachen zumute. Behalte ich meinen Arbeitsplatz, falls Opel an die Franzosen verkauft wird? So lautet die Kernfrage. Dass sie auch Politiker im Bund, im Land und in Rüsselsheim beschäftigt, liegt auf der Hand. 15.000 Männer und Frauen arbeiten für Opel am Stammsitz - so viele dürfen es gerne bleiben.

          Ob das der Fall sein wird, ist mehr als ungewiss. Einerseits sind Opel und PSA in Europa Konkurrenten. Andererseits könnten die Franzosen mit den Südhessen auf Märkten, auf denen die Marke mit dem Blitz bisher nicht vertreten ist, zusätzliche Autos verkaufen. Das gilt für Lateinamerika ebenso wie für Nordafrika und den Wachstumsmarkt China.

          Die sich um dieses Thema rankenden Fragen werden sich erst einige Zeit nach dem möglichen Verkauf klären lassen. Deutlich früher sollten die Opelaner und die Öffentlichkeit erfahren, ob Vorstandschef Karl-Thomas Neumann frühzeitig von den Verkaufsgesprächen wusste und von der Mutter in Detroit zum Schweigen verdonnert worden war. Falls nicht, nährte dies die hässliche These, Opel sei wieder einmal nur Spielball großer Player. Das würde aber dem agilen Vorstandschef, unter dem Opel trotz roter Zahlen viele Fortschritte erzielt hat, nicht gerecht. Und der Belegschaft schon gar nicht.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Endlich im Tor

          Eintracht Frankfurt : Endlich im Tor

          Gegen Lazio Rom kehrt Frederik Rönnow in die Startelf zurück. Für den Eintracht-Keeper ist es eine Bewährungsprobe, auf die er lange gewartet hat.

          1,70 Euro runter, 6.000 rauf, 30 im Sinn

          FAZ.NET-Hauptwache : 1,70 Euro runter, 6.000 rauf, 30 im Sinn

          Ein Ausflug mit Bus und Bahn in das schöne Offenbach ist seit Sonntag deutlich günstiger. Und weil Frankfurt weiter wächst, könnten die Bahnen demnächst noch voller sein. Das und was sonst noch wichtig ist in Rhein-Main steht in der FAZ.NET-Hauptwache.

          Topmeldungen

          Ein Brite protestiert gegen den Brexit.

          FAZ Plus Artikel: Angst vor Brexit : Geht London der Blumenkohl aus?

          Viele Obst- und Gemüsehändler in der Markthalle von New Spitalfields, dem größten Umschlagplatz für frische Lebensmittel in der britischen Hauptstadt, fürchten sich vor dem Brexit. SIe bereiten sich schon jetzt auf den Mangel vor.
          Unser Sprinter-Autor: Carsten Knop

          FAZ.NET-Sprinter : Hätte, wollte, dürfte

          Eigentlich sollte am Dienstag das Brexit-Votum stattfinden. Eigentlich wollte Frankreichs Präsident Macron keine Zugeständnisse machen. Eigentlich dürfte die CDU keine politische Gestaltungsverweigerung mehr üben. Eigentlich.
          Der französische Präsident Emmanuel Macron während seiner Ansprache an die Nation.

          Protest der „Gelbwesten“ : Macrons Kehrtwende

          Er sei kein Weihnachtsmann, hatte der französische Präsident Emmanuel Macron zuvor gesagt. Doch fast ein Monat mit teils gewalttätigen Protesten zeigt jetzt Wirkung: Zum 1. Januar gibt es in Frankreich Geldgeschenke.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.