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Pressesprecher Wilhelm Busch : Lehrer ohne Pfeifchen

Frohe Botschaften: Davon gibt es aus dem hessischen Kultusministerium derzeit eine Fülle (Symbolbild). Bild: dpa

Aus dem Hause des hessischen Kultusministers Alexander Lorz (CDU) kommen derzeit frohe Botschaften. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bleibt dagegen argwöhnisch. Eine Glosse

          Einmal angenommen, Wilhelm Busch wäre Pressesprecher des hessischen Kultusministeriums. Dann könnten die Mitteilungen vom Wiesbadener Luisenplatz in diesen Tage so beginnen: „Wonach du sehnlich ausgeschaut, es wurde dir beschieden.“ Die Verse aus dem Busch-Gedicht „Niemals“ sind wie gereimt für die frohen Botschaften, die derzeit aus dem Hause von Alexander Lorz (CDU) kommen.

          Unter anderem gewährt das Land endlich eine Ausgleichsstunde für Mentoren, die Referendare betreuen. So, wie es Lehrerverbände lange gefordert hatten. Auch der Wunsch nach einer Entlastung der Schulleitungen durch Verwaltungskräfte geht in Erfüllung – wenn zunächst auch nur in den Pilotregionen Kreis und Stadt Fulda sowie dem Main-Kinzig-Kreis.

          Unser Busch in der Pressestelle würde freilich erwarten, dass die hessische Lehrerschaft angesichts solcher Wohltaten gebührende Dankbarkeit zeigt. „Du triumphierst und jubelst laut: Jetzt hab ich endlich Frieden!“, antizipiert der Dichter die Reaktionen. Doch da kennt er den Bezirksverband Frankfurt der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) schlecht. Der besteht nämlich nicht aus braven und biederen Lämpels, die es sich von Dankbarkeit erfüllt im Lehnstuhl bequem machen. Sie wissen genau, dass einem sonst das Pfeifchen mit einem Pulverblitz um die Ohren fliegen könnte.

          Lehrergewerkschaft ist skeptisch

          Und so argwöhnt die GEW Frankfurt, die Ankündigungen aus Wiesbaden stünden wohl in Zusammenhang mit den bevorstehenden Landtagswahlen. Noch vor ein paar Wochen habe das Kultusministerium in der Mentoren-Causa darauf beharrt, dass sich – wie in der freien Wirtschaft auch – erfahrene Kräfte nun einmal um die Ausbildung des Nachwuchses zu kümmern hätten, ohne dass sie dafür eine Belohnung erwarten dürften.

          Der GEW kommt der ministerielle Sinneswandel etwas plötzlich: „Last-Minute-Wahlgeschenke können eine verfehlte (Bildungs-)Politik auch nicht mehr retten“, heißt es in einer Mitteilung. Doch nicht nur der Termin der Zugeständnisse missfällt den Pädagogen: Eine Stunde weniger Unterricht je auszubildendem Referendar sei auch viel zu wenig, mindestens zwei Stunden müssten je Woche angerechnet werden.

          An der Aufstockung des Verwaltungspersonals kritisiert die Gewerkschaft, dass diese nur erprobt werde, und selbst das nur regional begrenzt. Dabei sei doch längst bekannt, dass mehr Stunden für die Arbeit in den Schulsekretariaten sinnvoll wären. Statt überflüssige Modellprojekte aufzulegen, solle das Kultusministerium es einmal damit versuchen, „unnötige Zusatzarbeit zu finden und zu streichen und für die notwendige Arbeit zusätzliche Personen an allen hessischen Schulen einzustellen“.

          Unser Wilhelm Busch in der Pressestelle wird ob solcher Impertinenzen geradezu ungehalten: „Ach, Freundchen, rede nicht so wild, bezähme deine Zunge“, stutzt er die bösen Buben und Mädels von der Gewerkschaft zurecht. Und stößt dann, zu seinem Minister gewandt, einen Seufzer über so viel Undank aus: „Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.“

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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