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Otto-Waalkes-Schau in Mainz : Glanzvolle Preise, abgetragene Klamotten

Mit Flügelhut, Pferd und Ottifanten: Selbstporträt von Otto Waalkes Bild: Marcus Kaufhold

Zu sehen gibt es die Ottifanten, alte Gitarren, Grafiken und Gemälde: In Mainz ist die Schau „Sein Lebenswerk“ von Otto Waalkes zu sehen.

          Das von Otto Waalkes dereinst geschaffene Porträt „Junges Mädchen mit Schal und Pelzmütze“, das Anfang der siebziger Jahre sein Zimmer geschmückt hat, ist erstmalig in Mainz zu sehen - allerdings unverkäuflich. Ganz im Gegensatz zum neuesten Mal-Werk des vielseitigen Künstlers: ein „Ottifant mit Narrenkapp’“, der als Geschenk an die Bürger der Fastnachtshochburg gedacht ist; und im Zuge der gestern Abend eröffneten Otto-Ausstellung im Alten Postlager bis auf weiteres für 435 Euro das Stück und in limitierter Auflage von nur mehr 150 Grafiken angeboten wird.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz.

          Die als Weltpremiere beworbene Schau mit dem Untertitel „Sein Lebenswerk“ kann bis Ende August in Mainz besucht werden. Sie befindet sich in direkter Nachbarschaft zur „Körperwelten“-Ausstellung des umstrittenen Plastinators Gunther von Hagens, die gleichfalls in den leeren Hallen am Westeingang des Hauptbahnhofs, Mombacher Straße 11-15, untergekommen ist. Und in gewisser Weise kehrt ja auch der bekannte Ostfriese für seine Fans sein Innerstes nach außen.

          Waalkes lässt mit Hilfe von mehr als 300 Exponaten die eigene Karriere gerne noch einmal Revue passieren: angefangen bei seiner ersten eigenen Gitarre, die er im Alter von zwölf Jahren in Händen halten konnte, über die früheren Auftritte, die letztlich dadurch immer besser geworden seien, dass sein Programm dem Wunsch des Publikums folgend „aus immer längeren Ansagen und entsprechend kürzeren Songs“ bestanden habe.

          Und so gelang es ihm, als Blödelbarde seit den siebziger Jahren eine Szene maßgeblich zu prägen, die sich heute „Comedians“ nennt. Wie ideenreich das Multitalent aus Emden, das in Hamburg Kunst studiert hat, bisher schon zu unterhalten wusste, zeigen die zahlreichen Bücher, Platten, Fernsehsendungen und Kinofilme, die Otto in den vergangenen vier Jahrzehnten realisiert hat. Bereits im Juli soll sein neuestes Filmprojekt mit dem Titel „Kartoffelsalat“ anlaufen.

          Treue Begleiter waren ihm, ob auf der Bühne, vor der Kamera oder an der Staffelei, stets seine früh erfundenen Ottifanten, die sich seit gestern denn auch im Alten Postlager tummeln: Einige reichen dem Betrachter bis ans Knie, andere fast bis zur Taille, manche sind groß wie Hunde, einzelne stattlich wie ein Pferd. Dabei weiß niemand so genau, ob es für die aus Bleichstift- und Pinselstrichen bestehenden Kultfiguren überhaupt eine Normalgröße gibt; und ob Ottifanten eigentlich irgendwann erwachsen werden.

          Zumindest darin scheinen sie ihrem Schöpfer, der als Künstler und Komiker auf prall gefüllte Vitrinen voller „Ehrenpreise für rätselhafte Verdienste“ verweisen kann, nicht unähnlich zu sein. Am Ende des Rundgangs stellt sich dann nurmehr die Frage, warum sich Otto für die Weltpremiere ausgerechnet Mainz ausgesucht hat: „Wenn du es in Mainz schaffst, dann schaffst du es überall“, sagte er gestern - im Scherz.

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