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Elvis als Ampelmännchen : Der King of Rock ’n’ Roll gibt das Zeichen

Gitarre inklusive: Seit neuestem gibt es Elvis in Bad Nauheim auf Ampeln. Bild: Wolfgang Eilmes

Bisher hat nur Friedberg eine Elvis-Ampel gehabt – das ließ den Nachbarn in Bad Nauheimer keine Ruhe. Und dann gibt ja noch Trier mit seinem ganz besonderen Ampelmännchen.

          Mit einem seiner vielen Evergreens auf den Lippen über die Straße: Dazu könnte sich künftig mancher Passant animiert fühlen, wenn die Ampel an der Parkstraße in Bad Nauheim grünes Licht gibt. Denn die Symbolfiguren dieser Lichtzeichenanlage zeigen fortan den Umriss des 1977 verstorbenen Popstars Elvis Presley. Wer bei Rot warten muss, schaut auf das Konterfei eines stehenden Elvis mit Gitarre. Springt die Ampel auf Grün, zeigt das Signal den Kultmusiker im Bühnenschritt, und seine Fans werden dabei die Handbewegungen vor Augen haben, mit denen Elvis seinen typischen fetzigen Rhythmus auf dem Instrument anschlug und dabei das Publikum in Ekstase versetzte.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Im benachbarten Friedberg regeln schon seit 2018 gleich drei Fußgängerampeln mit Elvis-Symbol den Verkehr. Allerdings mit anderem Motiv: Dort erscheint der King of Rock’-n-’Roll mit Mikrofon in der Hand. Dass Bad Nauheim gleichgezogen hat, kommt nicht von ungefähr. Denn das Idol einer Generation war der prominenteste Soldat der amerikanischen Streitkräfte, der je seinen Wehrdienst hierzulande ableistete. Von 1958 bis 1960 war Elvis in den Friedberger Ray Barracks stationiert.

          Elvis fast überall

          Einquartiert hatte er sich hingegen in Bad Nauheim, dessen mondänes Kurortflair ihm mehr zu bieten hatte. In beiden Städten wird das Andenken an Elvis gebührend gepflegt. Besonders beim Elvis-Festival in Bad Nauheim, ein Event mit Konzerten, Shows und Rundgängen auf seinen Spuren, zu dem in jedem Sommer Fans aus dem In- und Ausland anreisen. In Friedberg wiederum erinnert eine fünf Meter hohe Stele an Elvis in der Wetterau, gleich neben seiner damaligen Kaserne.

          Fortschrittlich: In Trier darf Karl Marx ein Grüner sein Bilderstrecke

          Ob und wie viele Besucher wegen der Elvis-Ampeln nach Friedberg kommen, darüber gibt es zwar keine Erhebungen. Es fällt aber auf, dass immer wieder Passanten mit Kameras vor diesen Lichtzeichenanlagen stehen. Und Postkarten, T-Shirts, Turnbeuten, Frühstücksbrettchen und Kaffeetasse mit dem Motiv der Elvis-Ampeln, welche die Stadt als Reaktion auf die große Resonanz herstellen ließ, verkaufen sich bestens.

          Burgpforte und Plattencover

          Mit der Elvis-Ampel noch mehr für Bad Nauheim werben zu können, das verspricht sich denn auch Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos). Wobei er Wert auf die Feststellung legt, dass er keinen Neid hege, dass Friedberg Bad Nauheim zuvor gekommen ist, und die Nauheimer Ampel sei auch keineswegs als Konkurrenz zu Friedberg zu verstehen. Konzipiert ist die Elvis-Ampel nach den Worten des Rathauschefs als weiterer Mosaikstein in der Pflege des Elvis-Erbes, von dem Bad Nauheim mehr noch als Friedberg vorzuweisen hat. An der Burgpforte etwa entstanden die Aufnahmen für das Plattencover des Hits „A Big Hunk O’ of Love“, im Hotel Grunewald, wo Elvis sich zuerst einquartiert hatte, ist sein Zimmer wieder im Original eingerichtet worden, und vor dem Haus befindet sich eine kleine Gedenkstätte, an der Fans regelmäßig Blumen niederlegen.

          Es bedurfte eines mehrmonatigen Vorlaufs bis zur Freischaltung. Nicht weil viel Geld aufzutreiben war. Auch die Wahl des Motives bereitete kein Kopfzerbrechen, Elvis mit Gitarre hat schließlich den gleichen Wiedererkennungseffekt wie Elvis mit Mikrofon. Es galt aber, Vorschriften zu beachten und die Entwürfe mit Polizei und Verkehrsbehörde abzustimmen, um sich das Plazet erteilen zu lassen. Dafür war sogar eine Testphase erforderlich.

          Haftungsrisiko bei Unfällen

          Denn nach der Straßenverkehrsordnung müssen Lichtzeichen für jeden auf den ersten Blick klar zu erkennen und zu verstehen sein. Für Fußgänger heißt das, dass im roten Leuchtfeld das Sinnbild eines stehenden, im grünen das einer schreitenden Fußgängers gezeigt werden muss. Sofern von den einheitlichen Gestaltungsvorgaben für das Ampelmännchen abgewichen wird, liegt das Haftungsrisiko bei Unfällen bei der Kommune. Schwierig ist es insbesondere mit Tiersymbolen. In Emden etwa, Heimatstadt des Komikers Otto Waalkes, nahm man von dem Plan Abstand , dessen „Ottifanten“ auf die Ampel zu schicken. Nun ist Otto selbst zu sehen.

          Der rote Karl als Grüner

          Trotz solcher Hürden entwickelte sich in vielen Städten in den vergangenen Jahren ein regelrechter Trend zu Ampelmotiven. An der Konstablerwache in Frankfurt leuchten seit einem Jahr fünf Männer- und fünf Frauenpärchen, damit will die Stadtverwaltung im Wortsinne signalisieren, dass sie sich verpflichtet sieht, die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare durchzusetzen. In Mainz weisen leuchtende Mainzelmännchen den Weg, in Worms hat man in Erinnerung an den standhaften Auftritt Martin Luthers beim Reichstag eine Ampel mit Motiv des Reformators geschaltet.

          In Augsburg, Heimat der Puppenkiste, ging eine Ampel mit dem schwäbischen Kasperle in Betrieb. In der Ruhrgebietsstadt Duisburg wiederum erinnern Männchen mit Grubenlampen an die Bergmannstradition, mit der es nun zu Ende gegangen ist. Und in Trier kann der rote Karl Marx auch ein Grüner sein. In seiner Geburtsstadt weist der Vordenker des Sozialismus den Weg voran mit einem Buch unter dem Arm, was sicherlich sein wohl berühmtestes Werk symbolisieren soll, „Das Kapital“.

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