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Das Verbraucherthema : Die Postbank steht nicht allein

Nicht nur der Empfänger, sondern auch die Bank bekommt Geld: Eine Überweisung per Formular aus Papier kostet für viele Girokonten-Modelle extra. Bild: dpa

Die Aufregung ist groß, weil die Postbank künftig von ihren Girokonto-Kunden Geld verlangt, falls sie Überweisungen noch auf Papier erledigen. Doch sie ist damit in guter Gesellschaft. Das Verbraucherthema.

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          Die Verbraucherschützer waren gleich ganz aufgeregt. Postwendend stellte die Stiftung Warentest in der vergangenen Woche einen Musterbrief zum Protestieren ins Internet, nachdem bekanntgeworden war, dass die Postbank von April an 99 Cent haben möchte, wenn ein Girokonto-Kunde eine Überweisung noch schriftlich erledigt, also mit einem Formular, das er dann an die Bank schickt oder dort einwirft. Solche Gebühren seien womöglich rechtswidrig, teilte die Stiftung mit und riet den Kunden, sich eine Rückforderung solcher Gebühren vorzubehalten, bis deren Zulässigkeit höchstrichterlich geklärt sei.

          Manfred Köhler
          Ressortleiter der Rhein-Main-Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Bei der Postbank zeigte man sich ungerührt. Von Rechtswidrigkeit könne keine Rede sein, hieß es in der Zentrale des Kreditinstituts, in der man die neue Gebühr mit dem hohen Aufwand bei solchen Überweisungen begründete. Angesichts der niedrigen Zinsen könne man dies nicht mehr unentgeltlich anbieten.

          Versteckte Gebühren loswerden

          Was der Sprecher der Postbank auch noch hätte sagen können: Das Kreditinstitut steht mit seiner Gebühr für diejenigen, die gerne am Althergebrachten festhalten, keineswegs allein. Sparkassen und Volksbanken im Ballungsraum Frankfurt etwa verlangen längst Gebühren, falls jemand noch nicht zum Telefon- oder Online-Banking gewechselt hat und statt dessen nach alter Väter Sitte für eine Überweisung ein Formular zur Hand nimmt. Weitgehend verlangen sie sogar mehr als 99 Cent.

          Die Aufregung wirft vielmehr einmal mehr ein Schlaglicht auf die Konditionen von Girokonten, die längst eine Wissenschaft für sich sind. Seit vor Jahren einige Kreditinstitute mit vermeintlich unentgeltlichen Girokonten nach vorne preschten, ist der Markt unübersichtlich geworden. Jede Bank bietet mehrere Girokonten-Modelle an, und Kunden sollten einige Zeit darauf verwenden, das Kleingedruckte zu studieren, bevor sie sich für ein Kreditinstitut entscheiden.

          Bild: F.A.Z.

          Wer sich aufs Online-Banking beschränkt, zahlt generell weniger, wie eine Stichprobe bei einigen großen Häusern der Region zeigt (siehe Grafik). Die anderen Kunden müssen überschlagen, ob sich für sie eher ein Kontomodell mit hoher Grundgebühr lohnt, bei der dann aber alle Leistungen im Preis enthalten sind. Oder eines mit niedrigerer Pauschale, jedoch weiteren Gebühren für einzelne Leistungen. Das Problem dürfte sein, dass für die meisten Menschen das Girokonto überhaupt nicht zur Disposition steht, weil der Aufwand für einen Wechsel zu einer anderen Bank beachtlich wäre - dabei bieten Kreditinstitute Neukunden durchaus an, ihnen die leidige Arbeit abzunehmen, Lastschriften und Daueraufträge zu ändern. Zumindest aber sollte man einmal bei seiner Bank nachfragen, ob sich nicht der Wechsel zu einem anderen Girokonten-Modell innerhalb des Hauses lohnt. Von sich aus wird dies der Berater kaum ansprechen - versteckte Gebühren bei Girokonten zählen zu den wenigen verbliebenen kalkulierbaren Einnahmequellen der Häuser.

          Kaum noch Papier-Überweisungen

          Allen Gebührenmodellen ist jedenfalls anzusehen, dass es auch in den Häusern der Region lieber gesehen wird, wenn die Kunden Online-Banking machen, weil das wenig Arbeit in den Kreditinstituten selbst verursacht. Wer sich aber einmal für ein preisgünstiges Online-Modell entschieden hat, muss eben zahlen, wenn er ausnahmsweise ein Überweisungsformular nutzt - 1,50 Euro bei der Nassauischen Sparkasse, 2,50 Euro bei der Taunus-Sparkasse und sogar 2,56 Euro bei der Frankfurter Volksbank. Wer hingegen bei diesen Häusern jeweils das teurere Girokonto mit All-inklusive-Charakter gewählt hat, kann so viele Überweisungsformulare an die Bank schicken, wie er will.

          Die Aufregung bei der Postbank resultiert auch daraus, dass sie weder eine klassische Direktbank ist noch ihr Konto „Giro Plus“ ein genuines Online-Modell. Langjährige Kunden der einstigen Postscheckämter mögen daher irritiert sein, dass sie zunehmend so behandelt werden, als hätten sie sich fürs Online-Banking mit allen Vor- und eben auch Nachteilen entschieden.

          So oder so verliert das Überweisungen mit Formularen an Bedeutung. Bei der Frankfurter Sparkasse werden nur 15 Prozent der Überweisungen mit Formularen erledigt, bei der Taunus-Sparkasse nicht einmal zehn Prozent. Hier wie dort heißt es, der Anteil sinke stetig. Könnte also gut sein, dass sich das Thema, das gerade so viel Wirbel macht, eines Tages von selbst erledigt.

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