https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/giessener-forscher-melden-erfolg-gegen-multiresistente-keime-16496501.html

„Neues Antibiotikum in Sicht“ : Erfolg für Hochschul-Forscher im Kampf gegen Problemkeime

Erregend: Krankheitskeime in der Petri-Schale – so mancher ist gegen Antibiotika unempfindlich Bild: © Broadview Pictures

Forscher aus mehreren Ländern, darunter Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen, melden einen Erfolg auf der Suche nach neuen Wirkstoffen gegen Problemkeime. Die Rede ist von einem neuartigen Antibiotikum.

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          Weit mehr als zwei Millionen Menschen in Europa infizieren sich jährlich mit sogenannten Krankenhauskeimen, gegen die herkömmliche Antibiotika nicht richtig oder gar nicht helfen. In solchen Fällen müssen Ärzte zu Reserve-Antibiotika greifen, die bisweilen aber erhebliche Nebenwirkungen haben. Künftig aber könnten Mediziner ein neuartiges Mittel an die Hand bekommen: Darauf lässt eine Meldung der Justus-Liebig-Universität Gießen hoffen. Demnach haben internationale Forscher, darunter Wissenschaftler der mittelhessischen Hochschule, einen Forschungserfolg im Kampf gegen sogenannte multiresistente Keime erzielt.

          Thorsten Winter
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Die Rede ist von einem neuartigen Wirkstoff. Dieser Wirkstoff bekämpfe sogenannte gramnegative Bakterien. Solche Keime verfügen über eine äußere Membran, die sie schwer angreifbar für herkömmliche Arzneien macht, wie die Hochschule in einer Mitteilung erläutert. Diese Hülle verwehre einem Wirkstoff den Weg hin zu der Stelle, an der er den Keim außer Gefecht setzen könnte. Typische Krankenhauskeime sind Escherichia coli und Klebsiella pneumoniae, erläutert die JLU.

          „Kandidat für neue Antibiotika-Klasse“

          Nun aber sei dem Forscherteam mit Wissenschaftlern aus den Vereinigten Staaten, Deutschland und der Schweiz, gelungen, eine Substanz zu isolieren. Diesen Stoff haben sie Darobactin genannt. Darbactin störe den Aufbau der schützenden Membran der Bakterien. Es handele sich um eine Substanz aus sieben Aminosäuren und wirke auf Zellen nicht giftig – „eine Voraussetzung für den Einsatz als Antibiotikum“.

          Pseudomonas aeruginoa-Bakterien können zu schweren Infektionen führen. Häufiger Ansteckungsort sind Krankenhäuser.
          Pseudomonas aeruginoa-Bakterien können zu schweren Infektionen führen. Häufiger Ansteckungsort sind Krankenhäuser. : Bild: Picture-Alliance

          Und: „Besonders interessant ist, dass dieser bislang unbekannte Angriffspunkt außen liegt und Substanzen ihn einfach erreichen können“, zitiert die Hochschule Till Schäberle, Professor vom Institut für Insektenbiotechnologie der JLU und Projektleiter am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), dessen Arbeitsgruppe an der Entdeckung beteiligt sei.

          „Seit den sechziger Jahren ist es nicht gelungen, eine neue Klasse an Antibiotika gegen gramnegative Bakterien zu entwickeln, aber dies könnte jetzt ein Kandidat dafür sein“, gibt Schäberle zu bedenken.

          Darobactin habe in Versuchen „eine hervorragende Wirkung bei Infektionen mit sowohl Wildtyp- als auch antibiotikaresistenten Pseudomonas aeruginosa-, Escherichia coli- und Klebsiella pneumoniae-Stämmen“ gezeigt. Für die Weltgesundheitsorganisation habe der Kampf gegen Problemkeime Priorität. Dies zeige, wie dringlich die Entwicklung neuer Antibiotika sei.

          2016 schätzten deutsche Forscher die Zahl der hierzulande mit Krankenhauskeimen infizierten Patienten auf 500.000 im Jahr. Dadurch komme es geschätzt bis zu 15.000 Todesfällen.

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