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Erfolgreiche Gießen 46ers : Viel Heu im Speicher

  • -Aktualisiert am

Koloss im Kollektiv: John Bryant hat ein Händchen für gute Entscheidungen. Bild: dpa

Die Gießen 46ers sind flink, variabel und haben mit John Bryant einen Koloss, der mit seiner Masse und seiner Spielintelligenz nach wie vor Maßstäbe setzt.

          Spitzenspiel! Das hat der Gießener Basketball-Geschäftsführer Heiko Schelberg schwarz auf weiß in dieser Woche in einer Vorausschau lesen können. Von der Tabelle her ist das Aufeinandertreffen der 46ers auswärts mit den Bambergern ja auch ein Bundesliga-Duell auf Topniveau. So messen an diesem Sonntag von 15 Uhr an der aktuell Dritte Gießen (10:2 Punkte) und der Fünfte aus Oberfranken (8:2) die Kräfte miteinander. Trotzdem stört sich Schelberg pflichtbewusst beim Bremsen der Begeisterung an dem Begriff „Spitzenspiel“. Weil die Spielzeit vor dem siebten Spieltag nicht weit fortgeschritten ist, bildet für ihn die fast makellose Bilanz nur eine erfreuliche „Momentaufnahme, mehr nicht“. Aber: „Alles, was wir an Heu in der Scheune haben, steht uns gut zu Gesicht“, sagt der ehemalige Fußballmanager über den im Spätherbst erstaunlich prall gefüllten Speicher in Mittelhessen.

          Der deutsche Meister Bayern München (Rang eins), Alba Berlin (2), Oldenburg (4) und Bamberg wurden im Kampf um die Krone oben erwartet, die 46ers bestimmt nicht. In der Vorsaison Elfter, wollen sie diesmal besser abschneiden und sich im gehobenen Mittelfeld behaupten. Das war die vorsichtige Vorgabe von Trainer Ingo Freyer und Schelberg. Höhere Ansprüche verbieten auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Mittelhessen. Wird der Bamberger Gesamtetat als zweitstärkste Finanzmacht der Liga hinter den Bayern auf bis zu 15 Millionen Euro geschätzt, müssen die Gießener mit nur gut drei Millionen Euro bescheiden haushalten. „Wir haben mehr Geld als in der vergangenen Saison zur Verfügung – aber nicht wesentlich mehr“, sagt Schelberg.

          „Verlieren ist keine Option“

          Aus dem bisschen Mehr haben die Verantwortlichen viel gemacht. Sie haben mit Brandon Thomas, der momentan mit 15,8 Punkten pro Spiel der zehntbeste Erstliga-Werfer ist, und Larry Gordon (viertbester Rebounder) zwei erfahrene und finanzierbare Stützen für sich gewinnen können. Beide bewiesen schon, dass sie in schwierigen Spielsituationen Herr der Lage sind. Und mit dem 2,11 Meter großen und 127 Kilo schweren Center John Bryant haben die 46ers in ihrem starken Kollektiv einen Koloss, der mit seiner Masse und seiner Spielintelligenz nach wie vor Maßstäbe setzt: Platz eins bei den Rebounds, Platz zwei bei den Blocks und Platz fünf im Kreis der besten Bundesliga-Schützen mit 18,3 Punkten pro Spiel. Mit diesen Topwerten ist der 31-Jährige als Gießener Leuchtturm der Profi mit der effektivsten Leistung in der höchsten Klasse. „Bryant ist der Dreh- und Angelpunkt im Spiel der 46ers.“ Es sei „extrem schwer, ihn zu kontrollieren“, sagte der Oldenburger Trainer Mladen Drijencic bereits vor der 88:97-Niederlage am vergangenen Wochenende in Gießen. Dessen Kollege Freyer ist es gelungen, sein Team auch mit dem Schwergewicht Bryant schnell spielen zu lassen. Flink zum Abschluss zu kommen ist ein Markenzeichen der Mittelhessen. Wie es zu ihren Stärken zählt, enge Spiele – zum Beispiel beim 92:91 in Ulm – für sich zu entscheiden. Hilfreich ist ihnen dabei die Hoheit bei den Rebounds; hinter Berlin sind die 46ers die zweitstärkste Kraft beim Sich-Schnappen der Bälle.

          Von Relevanz sind für Freyer die Siege, wie sie zustande gekommen seien, ist auch seiner Sicht zweitrangig. „Verlieren ist keine Option“ – das ist die Kernbotschaft an seine Spieler. Und die konnten das Motto bis auf die unglückliche 87:89-Niederlage gegen Bremerhaven bisher bestens umsetzen. „Mentalität ist das entscheidende Schlagwort bei uns“, sagt Schelberg. Die besondere Schlagkraft der Gießener machen auch deren Unberechenbarkeit und Variabilität auf dem Spielfeld aus. In der Begegnung gegen Oldenburg trumpfte Max Landis mit 32 Punkten (fünf von sechs Dreiern) auf. Leistet sich ein Mitspieler Schwächen, fing das bislang ein anderer Kollege auf. Und die Optionen könnten für Freyer noch besser werden. Dann, wenn demnächst der Aufbauspieler David Bell von seinem Brustmuskelriss genesen ist und der befristete Vertrag mit Thomas verlängert werden kann. Dafür müsste Bryant deutscher Staatsbürger werden, was bereits beantragt wurde. Auf dem richtigen Weg sind die 46ers auch beim munteren Aufmischen der Liga. „Wir machen es ganz gerne, die Großen zu ärgern“, sagt Schelberg.

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