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CDU-Spitzenkandidat : Schlag-den-Raab-Sieger will Mainzer Oberbürgermeister werden

Stefan Raab konnte er bereits schlagen. Kann Nino Haase nun auch den Mainzer Oberbürgermeister bezwingen? Bild: dpa

Vor fast zehn Jahren konnte Nino Haase in einem mühsamen Fernsehduell Stefan Raab bezwingen. Nun soll der parteilose Unternehmer den Posten des Oberbürgermeisters in Mainz erringen.

          Die Führungsriege der Mainzer CDU hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, mit einem unabhängigen Kandidaten, dem 35 Jahre alten Nino Haase, in den Oberbürgermeisterwahlkampf zu ziehen. In den nächsten Tagen soll der vom Kreisvorstand auserkorene Hoffnungsträger, der in Mainz vor allem als Sprecher der Bürgerinitiative gegen den „Bibelturm“ bekannt geworden ist, der Basis in zwei Gesprächsrunden vorgestellt werden. Der Nominierungsparteitag ist für den 4. Februar im Kurfürstlichen Schloss anberaumt.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Es sei nicht so, dass es der Mainzer CDU an eigenen Kandidaten gemangelt habe, sagte die Kreisvorsitzende Sabine Flegel bei der Vorstellung des parteilosen Bewerbers, der am 27. Oktober Amtsinhaber Michael Ebling (SPD) besiegen soll. Der Coup, der seit August im Stillen vorbereitet worden war, jedoch bis Montagabend geheim gehalten werden konnte, sei vielmehr ein deutliches Signal an die Bürger, dass die CDU neue Wege gehen wolle, um „frischen Wind ins Rathaus zu bringen, verkrustete Strukturen aufzubrechen und parteiübergreifend Menschen aus allen Generationen für unsere Ziele und Konzepte zu gewinnen“.

          Explizit wurden zudem weitere Fraktionen aufgefordert, sich ebenfalls hinter Haase zu stellen und den ehemaligen Sprecher der Bürgerinitiative Gutenberg-Museum, die den von der Stadt auf dem Liebfrauenplatz als Erweiterungsbau geplanten „Bibelturm“ im April 2018 mit Hilfe eines Bürgerentscheids verhindert hat, im Wahlkampf zu unterstützen. Es gehe darum, „die vielfältigen Probleme in Mainz zu lösen“, sagten Flegel und der Fraktionsvorsitzende Hannsgeorg Schönig. Es gehe um „einen Neustart“ für die Stadt. Das Postengeschachere und die Hinterzimmerpolitik der seit 2009 regierenden Ampelkoalition müssten beendet werden. Konkret verfolge die CDU zwei Ziele: die Kommunalwahl am 26. Mai zu gewinnen und im Herbst den „Oberparteimeister“ Ebling abzulösen. Damit dies gelinge, müsse die Union Mut beweisen, sich etwas trauen und auch mal neue, unkonventionelle Wege beschreiten.

          Haase schließt Parteieintritt aus

          Einen baldigen Parteieintritt schloss der 35 Jahre alte Chemiker Haase allerdings aus, der in Mainz studiert hat und dabei ist, seine Doktorarbeit zu vollenden: „Ich bin ein politischer Mensch, aber kein Parteisoldat.“ Gleichwohl habe man in den bisherigen Gesprächen viele inhaltliche Übereinstimmung gefunden, sagte der ehemalige Rugby-Spieler, der früher auch schon fürs Radio tätig war und zeitweise ein eigenes Start-up-Unternehmen führte. Bundesweit bekannt wurde der mit seiner Partnerin in der Altstadt lebende Haase, Vater eines elf Jahre alten Sohnes, durch seinen fast zehn Jahre zurückliegenden Auftritt in der Pro-Sieben-Spielshow „Schlag den Raab“. Damals gelang es dem im hessischen Obertshausen geborenen Allrounder in einem mehrstündigen Wettkampf den TV-Moderator Stefan Raab zu bezwingen, was ihm einen Gewinn in Höhe von drei Millionen Euro und damit auf einen Schlag große wirtschaftliche Unabhängigkeit bescherte.

          In Mainz fehlt es seiner Meinung nach aktuell an vielem: An einem Verkehrskonzept etwa, das genügend Radwege sowie Park-and-ride-Plätze vorsehe, und an einem funktionierenden Baustellenmanagement, damit die City nicht länger „unbefahrbar“ bleibe. Es fehle aber auch an Absprachen zwischen den Dezernaten, an der Ausweisung neuer Wohn- und Gewerbeflächen sowie nicht zuletzt an Nähe zu den Bürgern. Noch dazu vermisst Haase eine Vision. Bis 2030, so seine Vorstellung, sollte die eigentlich mit viel Potential ausgestattete Universitätsstadt zum Beispiel bei der Ansiedlung innovativer Unternehmen eine führende Rolle im Rhein-Main-Gebiet einnehmen. Den Verantwortlichen im Rathaus wirft er vor, „nur auf Sicht zu fahren“ und sich am liebsten mit der Verwirklichung teurer Prachtbauten, wie der Rathaus-Sanierung, zu beschäftigen. Dafür müsse sein Sohn heutzutage ins Spaßbad nach Rheinhessen fahren, weil die lange Zeit vernachlässigte Mainzer Einrichtung marode sei.

          Haase ärgert, dass Oberbürgermeister Ebling die Bürgerinitiative gegen den Bibelturm auch nach der Entscheidung immer wieder von oben herab „abgewatscht“ habe. Das könnte ein wesentlicher Grund dafür sein, dass der in Verwaltungsangelegenheiten unerfahrene Haase den Chefsessel im Rathaus erobern möchte.

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