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Gewerbesteuerzahler in Frankfurt : Wer Frankfurt finanziert

Industrieunternehmen zahlen in Frankfurt die meisten Gewerbesteuern. Bild: F.A.Z.

Es sind nicht die Banken, die den Löwenanteil der für die Stadt wichtigen Gewerbesteuern zahlen, sondern Industrieunternehmen. Doch dass die Industrie vorn liegt, ist mehr als nur eine Momentaufnahme.

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          Sie fristet im Wortsinne ein Randdasein in Frankfurt: Die Industrie findet sich nicht mitten in der Stadt, im Gegensatz zu den Banken mit ihren glänzenden Türmen. Vielmehr sitzen Industriebetriebe vor allem in Höchst, Griesheim, Fechenheim und im Ostend. Doch andererseits spielt das verarbeitende Gewerbe in Frankfurt anhaltend die Hauptrolle: wenn es ums Zahlen geht. Wie die jüngste Statistik aus der Kämmerei ausweist, haben Industrieunternehmen zuletzt 347 Millionen Euro an Gewerbesteuern überwiesen. Die deutschen Banken, die in Frankfurt vertretenen ausländischen Kreditinstitute und die sonstigen Geldinstitute wie Fondsgesellschaften brachten es dagegen zusammen lediglich auf 281 Millionen Euro. Das Interessante dabei ist: Unter den 100 größten Unternehmen in der Stadt, auf die sich diese Zahlen beziehen, sind viel weniger Industriebetriebe vertreten als Banken. Während das verarbeitende Gewerbe nur neun Prozent an diesem Kuchen ausmacht, nehmen die Geldhäuser 41 Prozent ein.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mit Blick auf die Anteile an dem für die Kommune so wichtigen Gewerbesteueraufkommen verschieben sich die Verhältnisse aber deutlich: Die Industrie steuert 39 Prozent bei, von den Banken kommen 31 Prozent. Selbst wenn man die Versicherungen hinzuzählt, bleiben die Geldhäuser hinter dem verarbeitenden Gewerbe zurück. In den Reihen der Industrie gilt der Arzneimittelhersteller Sanofi, in dem 1999 die Hoechst-Pharmasparte aufging, als der mit Abstand größte Gewerbesteuerzahler. Sanofi stellt in Höchst Arzneien für Zuckerkranke her und in Gestalt des Langzeitinsulins Lantus den Exportweltmeister unter den Medikamenten aus Deutschland.

          Industriestadt Frankfurt: der Pharmakonzern Sanofi im Industriepark Höchst, der dort 7000 Mitarbeiter hat.

          Und das alles ist beileibe keine Momentaufnahme: Auch vor Jahresfrist hatte die Industrie die Nase vorn, wenn auch nur leicht, mit 34,4 zu 34,3 Prozent. Dieser Befund mag erstaunen, da sich zum Beispiel die in der Finanzkrise mit Staatsgeldern gerettete Commerzbank zusehends erholt, was sich auch am zuletzt kräftig gestiegenen Aktienkurs zeigt. Er liegt um die Hälfte höher als noch vor Jahresfrist, während die Notiz der von teuren Rechtsstreitigkeiten geplagten Deutschen Bank kaum vom Fleck gekommen ist. Einen Blick lohnt auch der dünne hellblaue Balken in der Grafik. Das sind die Zahlungen der in der Stadt vertretenen Handelsunternehmen - sie geben einen Hinweis auf die schmalen Gewinnspannen in dieser Branche. Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) weiß schon, weshalb er die Industrie seit geraumer Zeit umgarnt.

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