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Gewerbegebiet Quellenpark : Chinesen kommen doch nach Bad Vilbel

Auf dem Gebiet des Gewerbeparks Quellenpark in Bad Vilbel wollen chinesische Investoren ein Handelszentrum errichten. Bild: picture alliance / Frank Rumpenh

Kurz vor Fristablauf kaufen chinesische Investoren doch noch das Areal für ein Handelszentrum. Der Kaufpreis beträgt rund 45 Millionen Euro. Doch damit ist erst ein Teil der reservierten Fläche bezahlt.

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          Mit dieser Wende hat wohl keiner mehr gerechnet. Der Bau eines chinesischen Handelszentrum in Bad Vilbel kann doch realisiert werden. Wie der für das Ansiedlungsprojekt zuständige Stadtrat Klaus Minkel (CDU) sagte, haben die Investoren aus dem Fernen Osten das Grundstücksangebot der Stadt kurz vor Ablauf der Frist doch noch angenommen. Dabei geht es zunächst um den ersten Abschnitt eines rund 27 Hektar großen Areals im Gewerbegebiet Quellenpark am Rande der Kernstadt. Das Teilstück umfasst gut die Hälfte des gesamten Grundstücks. Der Kaufpreis beträgt laut Minkel rund 45 Millionen Euro.

          Wolfram Ahlers
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Die gesamte, 2012 von den Chinesen reservierte Fläche soll knapp 94 Millionen Euro kosten. Am Montag – der Tag, an dem die Frist auslief – wurde der Kaufvertrag nach Angaben von Minkel unterzeichnet. Von chinesischer Seite nahm ein Bevollmächtigter des Investors Changqing Lu an dem Notartermin teil. Bis zum Ende des Jahres soll das Geld überwiesen werden. Für den Kauf der restlichen Fläche sei den Chinesen eine Frist bis Ende September 2014 eingeräumt worden.

          Für Vorzüge des Areals geworben

          Wie berichtet, hatte in der vergangenen Woche der Magistrat das Großprojekt noch für beendet erklärt, nachdem von chinesischer Seite eine Fristverlängerung gefordert worden war. Dem hatte die Stadt mit Blick auf Beschlüsse der Gremien, nach denen das Angebot nach dem 30.September erlischt, nicht zugestimmt. Eine länger geplante Reise nach China, die Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) zusammen Minkel antreten wollte, um über Details der Ansiedlung zu sprechen, wurde storniert.

          Nach Auskunft von Minkel, der auch Leiter des für Immobiliengeschäfte zuständigen Eigenbetriebs der Stadtwerke ist, kam am Wochenende doch noch Bewegung in die Angelegenheit. Die Stadt hat dem Vernehmen nach den Chinesen noch einmal die Vorzüge des Quellenpark dargestellt, etwa die Lage Bad Vilbels in einem der prosperierendsten deutschen Wirtschaftszentren und die Nähe zum Frankfurter Flughafen. Den Chinesen wurde zudem bedeutet, dass auch andere größere Unternehmen auf das Areal vor den Toren Frankfurts aufmerksam geworden seien. An der Frist für die Reservierung ließ die Stadt den Informationen zufolge nicht rütteln. Dies habe die Chinesen offenbar beeindruckt.

          Unternehmer Lu reservierte das Gebiet

          Den Plänen zufolge soll auf dem Gelände des Quellenparks, eines der größten Bauareale im Rhein-Main-Gebiet, ein chinesisches Handelszentrum entstehen. Bürohäuser, Restaurants und Wohnungen sieht das Konzept vor. Dem Vernehmen nach geht es um einen Betrag von mehreren hundert Millionen Euro, den die Chinesen investieren wollen. Der Schwerpunkt der Investoren liegt auf dem Großhandel.

          Die Flächen hatte sich der Unternehmer Lu reservieren lassen, der nach Angaben aus dem Rathaus zu den finanzkräftigsten und einflussreichsten Persönlichkeiten der privaten Wirtschaft in China zählt und mehreren Dutzend Unternehmen vorsteht. Schon im vergangenen Jahr hatte der 51Jahre alte Lu den Sitz seines Investmentunternehmens BCT International von Leipzig nach Bad Vilbel verlegt, und zwar in ein Bürogebäude der Stadtwerke. Minkel hatte sich Anfang 2012 mehrmals mit chinesischen Unternehmern und Politikern getroffen. Auch eine Bad Vilbeler Delegation mit dem Bürgermeister an der Spitze reiste nach China. Dabei ging es nicht allein um die Ansiedlung chinesischer Firmen. Gesprochen wurde auch über Möglichkeiten für eine Städtepartnerschaft zwischen Bad Vilbel und der Millionenstadt Linyi.

          Stöhr erfreut Engagement der Chinesen

          Rathauschef Stöhr bezeichnete das Zustandekommen des Geschäfts als große Chance für die rund 32000 Einwohner zählende Stadt, zum Schaufenster für die prosperierende chinesische Wirtschaft in Deutschland zu werden. Zugleich sprach er von einem besonderen Erfolg bei der Vermarktung der Quellenparks, auf dem sich schon Autohäuser und Firmen aus der IT-Branche befinden. Er ist zudem Standort eines Modellprojekts für den Wohnungsbau: In einer kleinen Siedlung mit gut einem Dutzend Häuser wird mit Hilfe innovativer Technologien mehr Energie erwirtschaftet als die Häuser verbrauchen. Im nördlichen Teil des Quellenparks will das Unternehmen Segmüller außerdem ein Einrichtungszentrum errichten, dessen Nebensortiment allerdings umstritten ist. Auch als Kämmerer zeigt sich Stöhr über das Engagement der Chinesen erfreut: Der Grundstücksverkauf an die Chinesen ermögliche es der Stadt, beinahe ihre gesamten Schulden zu begleichen.

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