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Gewalt : Schlechte Ausrüstung, zu wenig Personal

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So friedlich ist es nicht immer am Frankfurter Hauptbahnhof. Bild: Hoang Le, Kien

Die Bundespolizei verzeichnet eine zunehmende Aggressivität gegenüber ihren Beamten. Ein Brennpunkt ist der Frankfurter Hauptbahnhof.

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          Die Bundespolizei verzeichnet eine zunehmende Aggressivität gegenüber ihren Beamten. Vor allem auf Einsätzen im Bahnverkehr am Frankfurter Hauptbahnhof litten Bundespolizisten unter der Gewaltbereitschaft vieler Reisender, teilt Josef Scheuring, der für die Bundespolizei zuständige Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GDP), in dieser Woche mit.

          Die Angriffe auf Bundespolizeibeamte erreichten laut Gewerkschaft 2011 Höchstwerte. 1377 Angriffe wurden gezählt, das waren zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt habe sich die Zahl der Übergriffe in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Die Bundespolizeidirektion Koblenz, in deren Zuständigkeitsbereich Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland fallen, meldet die höchsten Fallzahlen. Der Großteil der Angriffe erfolgte während Einsätzen der Polizei in den Zügen. Neben der Sicherung der Grenzen und des Luftraums gehört die Sicherheit von Reisenden und Bahnanlagen zu den Aufgaben der Bundespolizei.

          Eintracht-Spiele sind immer heikel

          „Wir machen uns große Sorgen um das Leben unserer Kollegen“, berichtete Josef Scheuring. Nicht nur die Zahl, sondern auch die Intensität der gewalttätigen Übergriffe habe zugenommen. Während 2010 nur ein Angriff mit Schusswaffen erfolgt sei, wurden im vergangenen Jahr 23 gezählt. Vermehrt meldeten Bundespolizisten auch Bisse, Faustschläge und Steinwürfe von häufig angetrunkenen Bahnreisenden. Zunehmend würde auch Pyrotechnik gegen die Beamten eingesetzt. Scheuring zeigte sich besonders besorgt über die steigende Gewaltbereitschaft der Täter schon bei Routineaufgaben: Sogar eine Identitätsüberprüfung führe immer häufiger zu spontaner Gewalt.

          Der Frankfurter Hauptbahnhof stelle dabei einen dramatischen Brennpunkt dar, sagte Scheuring. Er sei für viele Fußballfans eine Anlaufstelle auf dem Weg zum oder vom Stadion. Dies bestätigte Reiner Bieker, Vorsitzender der Kreisgruppe Frankfurt der GDP. Fahrten zu Spielen der Frankfurter Eintracht könnten nur noch mit der Unterstützung von „Kollegen von außen“ bewältigt werden, berichtete Bieker. Zudem sei die Zahl der Beamten gesunken: 2012 gebe es 400 Polizisten weniger als vor drei Jahren.

          Mehr Wertschätzung gefordert

          Neben dem Personalmangel sei vor allem die schlechte Ausrüstung der Bundespolizisten alarmierend, bemängelt Bieker. Nur 70 Körperschutzausstattungen, die Beamte im Einsatz vor Angriffen schützen sollen, seien für die knapp 150 Beamten der Dienstgruppe Frankfurt vorrätig. Ferner müsse ein Verbot von Alkoholkonsum in öffentlichen Verkehrsmitteln, wie dies in Städten wie München und Hamburg bereits durchgesetzt werde, auch in Frankfurt diskutiert werden. „Wir stehen unter Druck“, sagt Josef Scheuring, die Beamten seien überlastet, für den Dialog mit der Bevölkerung bleibe kaum Zeit. Die Dauerbelastung habe Konsequenzen: „Eine permanent angegriffene Polizei wird sich verändern“, glaubt Scheuring. Laut Bundespolizei finden es bereits 90 Prozent der Beamten bei einem solchen Arbeitsalltag unmöglich, Beruf und Familie erfolgreich miteinander zu vereinbaren. Nur noch 40 Prozent der Beamten würden sich noch einmal für den Beruf des Bundespolizisten entscheiden.

          Scheuring und seine Kollegen fordern mehr Wertschätzung der Politik und der Bevölkerung. Es müsse genug Zeit für die Beamten geben, den Kontakt zu den Menschen zu pflegen. Der Beruf des Bundespolizisten dürfe nicht als „zentrales Feindbild“ wahrgenommen werden. Nur wenn es für den Bundespolizisten sicherer würde, seine Arbeit zu erledigen, könne sein Beruf wieder attraktiver werden.

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