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Getreideernte : Schneiden, dreschen, häckseln

  • -Aktualisiert am

Volles Rohr: Der Mähdrescher darf nicht stillstehen, sondern pumpt die Ernte in ein Begleitfahrzeug, wenn sein Körnertank voll ist. Bild: Kretzer, Michael

10,50 Meter breit zieht Landwirt Thomas Kunz Schneisen in die Weizenfelder. Sein Mähdrescher fasst zehn Tonnen Körner. Stillstand wird ihm nicht gegönnt.

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          Der Bauer denkt, die Maschine lenkt. Zumindest für ein kurzes Stück übernimmt auf dem Weizenfeld bei Algenroth im Untertaunus der Laserpilot das Steuer. Er tastet dank aufwendiger Optik den Feldrand ab und korrigiert die Hinterachse des Mähdreschers so, dass das Schneidwerk exakt entlang der äußersten Ähren geführt wird. Thomas Kunz bleibt am Steuer dennoch konzentriert. Auf einem Display liest er fortlaufend die Ernteerträge und den Feuchtigkeitsgehalt des Weizens ab. Der Heidenroder Landwirt ist zufrieden. Auf dieser Parzelle nahe der hessisch-rheinland-pfälzischen Grenze liegt die Feuchtigkeit bei Werten um 15 Prozent. Das erlaubt den Verzicht auf ein aufwendiges und teures Trocknen der Weizenkörner, ehe sie in einem der vielen Silos des Bauernhofes am Ortsrand von Niedermeilingen eingelagert werden können.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Der Claas Lexion 600 ist eine imposante Maschine mit einem 16-Liter-V8-Motor. Fast 600 Pferdestärke treiben das grün-weiß lackierte Monstrum an, dessen Vorderachse Raupen statt Reifen hat. Mit vollem Korntank wächst das Gewicht auf rund 30 Tonnen an. Auf einer Arbeitsbreite von 10,50 Metern rollt der Mähdrescher mit vier bis acht Stundenkilometern durch das in der Sonne leuchtende Weizenfeld. Der Name Mähdrescher verweist auf die kombinierte Arbeit: Erst schneidet er die Weizenhalme, dann werden im Dreschwerk die Körner vom Pflanzenrest getrennt, der anschließend gehäckselt und wie feiner Staub auf einer Streubreite von neun Metern wieder auf den Stoppeln verteilt wird.

          Kunz ist einer der Großen der Branche

          Es dauert keine zehn Minuten, da flackert das gelbe Blinklicht auf dem Dach auf und signalisiert, dass der zwölf Kubikmeter fassende Korntank des Mähdreschers fast voll ist. Doch Kunz unterbricht die Arbeit nicht. Ein Traktor mit Anhänger reiht sich parallel zum Mähdrescher auf, und über ein vom Großmähdrescher ausgefahrenes Rohr werden bis zu zehn Tonnen Weizenkörner auf dem Anhänger abgeladen, ohne dass Kunz das Tempo merklich verringern muss. Eine elegante Methode, um die Effizienz des Mähdreschers zu erhöhen. Jeder Stillstand kostet Geld. Wer mit vollem Korntank immer erst den Feldrand ansteuern muss, um einem bereitstehenden Lastwagen die Ernte zu übergeben, verliert Zeit.

          Kunz gehört zu den Großen seiner Branche in dieser Region. Er verfügt über drei moderne Mähdrescher und übernimmt die Ernte für zahlreiche Berufskollegen mit. Rund 1300 Hektar eigene und fremde Felder in den drei Landkreisen Main-Taunus, Rheingau-Taunus und Rhein-Lahn hat er in der Verantwortung.

          Satellitengesteuerte Mähdrescher

          Eine Knochenarbeit für Kunz und sein Team. Mindestens bis Mitternacht wird der Mähdrescher an diesem Tag auf den Feldern unterwegs sein. Vor zwei Wochen ging es los mit der Wintergerste, gegenwärtig holt Kunz abwechselnd Weizen und Raps von den Feldern. Und die Zeit drängt, denn bis Ende August sollte auf den abgeernteten Weizenfeldern schon der in der Fruchtfolge nachfolgende Raps ausgesät sein. Ganz ohne Pflug, denn längst hat sich die pfluglose Landwirtschaft durchgesetzt, bei der der Oberboden nicht mehr gewendet, sondern durch Egge oder Grubber nur angerissen und aufgelockert wird. Das sei schonender und rege das Bodenleben an, beschreibt Kunz die Vorteile der sogenannten Mulchsaat.

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