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Getreideernte : Frühreif und nicht so prall wie gewünscht

Trockenheit und Hitze des Sommers schaden der Ernte. Bild: Wolfgang Eilmes

Selbst am Nordrand der Wetterau ernten Landwirte schon ihre Wintergerste. Nicht nur dieses Getreide ist in diesem Jahr viel zu früh dran. Das hat mehrere Gründe.

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          Heinz-Christian Bär kann sich nicht erinnern, so etwas schon einmal erlebt zu haben. Bereits am 16. Juni haben Landwirte in der südlichen Wetterau die Wintergerste gedroschen, wie Bär gerade am Rande des Bauerntags in Wiesbaden berichtet hat. Wenn er das bemerkenswert findet, dann hat das Aussagekraft. Ist der Ehrenpräsident des hessischen Bauernverbands doch vom Fach. Im südhessischen Ried sind die Mähdrescher mit der Wintergerste sogar schon seit einigen Tagen durch, kann ein Sprecher des Bauernverbands mit Sitz in Friedrichsdorf ergänzen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das hat zwei Gründe: Das Ried genießt in der Regel höhere Temperaturen als etwa die Wetterau. Zudem speichern die leichten Böden dort weniger Feuchtigkeit als jene in der hessischen Kornkammer nördlich von Frankfurt. Kommen Wärme und Trockenheit zusammen, reife das Getreide früher ab als üblich, wie der Verbandssprecher erläutert. Genau dieser Wettermix hat den Mai und den Juni geprägt. Beide Monate haben vielerorts mit Niederschlägen gegeizt. Das wiederum hat sich nachteilig auf das Pflanzenwachstum ausgewirkt.

          Im September ausgesät

          Dabei könnten sich einige Landwirte noch glücklich schätzen, weil Wintergerste meist im September ausgesät wird und von der recht guten Wasserversorgung in der kalten Jahreszeit zehren konnte, wie es beim Bauernverband weiter heißt. Überdies kommt dieser Getreidesorte nicht die ganz große Bedeutung zwischen Kassel und dem Odenwald zu. Landwirte nutzen sie vor allem als Viehfutter. Unter Brauern ist Wintergerste als Rohstoff für Bier weniger beliebt als Sommergerste. Allerdings bauen die Landwirte sie häufiger an als die Sommerversion. Wintergerste steht nach Angaben des Branchendienstes „Agrar heute“ hessenweit auf 66.000 Hektar Ackerland. Insgesamt steht Gerste auf 87.000 Hektar.

          Zum Vergleich: Weizen säen Bauern auf einer annähernd doppelt so großen Fläche aus. Er ist im wahren Wortsinne das Butter-und-Brot-Getreide. So erklärt sich leicht, weshalb Bauern an allen möglichen Orten in Hessen derzeit mit Stirnrunzeln auf ihre Weizenfelder schauen. Denn selbst Laien können erkennen: So manches Weizenfeld leuchtet schon Goldgelb. Und das viel zu früh. „Normalerweise müsste der Weizen noch sattgrün sein“, gibt der Verbandssprecher zu bedenken. Wegen der Trockenheit und der Wärme reift auch dieses Getreide früher als üblich. Es drohe wie im Falle der Gerste eine um zwei Wochen vorgezogene Drusch. „Im Ried werden die Bauern wohl schon nächste Woche damit beginnen und im Rhein-Main-Gebiet dann Mitte Juli“, orakelt der Sprecher.

          Trockenheit schadet den Pflanzen

          Anhaltende Trockenheit und Wärme im Frühsommer schadet den Pflanzen, weil sie die Phase der Kornfüllung durchkreuzen. In der Folge wird das Wachstum frühzeitig gebremst, es leidet die Qualität, die Körner fallen kleiner aus. „Wir werden hier Abstriche machen müssen“, heißt es bei der Bauernlobby. In welchem Ausmaß die Güte der Körner gelitten hat, wird sich erst nach der Analyse der Inhaltsstoffe zeigen.

          Überdies sieht es auch in ein und derselben Region nicht auf jedem Acker gleich unbefriedigend aus. Platzregen hat mancherorts die Böden auch im Mai und Juni noch gut gewässert worden, bisweilen nur ein paar Kilometer weiter tendieren Pflanzen fast zum Kümmerkorn. „Das ist extrem“, heißt es beim Bauernverband.

          Sein Sprecher rechnet damit, dass die Wintergerste auch in den Mittelgebirgslagen wie dem Odenwald und dem Vogelsberg, dem Knüll und dem Kurhessischen Bergland schon in der nächste Woche geerntet wird. Und das, obwohl diese Lagen höhenbedingt sonst mehrere Wochen später dran sind.

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