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Getränkekonzern Hassia : Mehr Geld mit weniger Wasser

Premium läuft besser: Hassia verkaufte im vergangenen Jahr 778 Millionen Liter Getränke. Bild: Wolfgang Eilmes

Der Getränkekonzern Hassia setzt auf Premiummarken und Expansion: Im Osten ist seine Cola schon Marktführer, nun soll im ganzen Bundesgebiet eine Biolimonade für steigende Umsätze sorgen.

          Ein olympisches Schwimmbecken auszutrinken kann eine Weile dauern – erst recht, wenn es 207 sind. Diese Wassermasse würde in etwa der Menge entsprechen, die die Bad Vilbeler Hassia-Gruppe im vergangenen Jahr in Flaschen abgefüllt hat und an Durstige verkaufen konnte: 778 Millionen Liter. Das war, berichtete der Getränkekonzern, zwar etwas weniger – ungefähr ein Schwimmbecken – als im Jahr zuvor, dennoch nahm der Konzern zugleich etwas mehr ein: Der Jahresumsatz stieg leicht auf 246 Millionen Euro. Hassia begründet dies mit der strategischen Konzentration auf Premiummarken. Damit entwickelt sich das Unternehmen kaum besser als die gesamte Branche, deren Absatz im vergangenen Jahr stagnierte. Der Gewinn wurde nicht veröffentlicht.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Das in fünfter Generation geführte Familienunternehmen ist nach eigenen Angaben auf dem zweiten Platz im nationalen Ranking der Mineralwasser-Anbieter, von denen es bundesweit 193 gibt. Das Unternehmen, das 1864 den ersten Mineralwasserbrunnen in Bad Vilbel anlegte, beschäftigt mittlerweile 1200 Mitarbeiter und besitzt 21 Marken.

          Erfolgreich auch in Ostdeutschland

          Besonders erfolgreich ist der Konzern nicht mehr nur in Hessen (unter anderem mit Rapp’s, Bizzl, Elisabethen-Quelle und Blauer Bock), sondern vor allem in Ostdeutschland: In Thüringen und Sachsen sind Thüringer Waldquell und Lichtenauer (bei Chemnitz) jeweils Marktführer, was die Unternehmensleitung auch auf ein neues Format für Glas-Mehrwegflaschen zurückführt, das besonders nachgefragt werde. In Mecklenburg-Vorpommern ist die Marke Glashäger weiterhin Marktführer, dort ging der Absatz jedoch leicht zurück. Das führt man auf die kühle Witterung während der Hauptreisezeit in dem touristischen Bundesland zurück.

          Der Konzern will immer stärker in die ganze Bundesrepublik expandieren. Dazu erwarb er im vergangenen Jahr die Marken Ti Erfrischungstee sowie Bionade. Die Bad Vilbeler hatten die beiden Marken von der Radeberger Gruppe übernommen, die ihren Sitz in Frankfurt hat und zum Oetker-Konzern gehört. Im Laufe des ersten Halbjahres sollen die Marken in den Vertrieb, die Logistik und das Marketing der Gruppe integriert werden. Vor allem auf Bionade ruhen viele Hoffnungen. Die in kleine Flaschen abgefüllte, weniger süße Biolimonade wurde von Ende der Neunziger an zu einem begehrten Getränk in vielen Clubs und Straßencafés, später war sie auch den meisten Bioläden, Drogerien und Supermarktketten erhältlich. Zwischenzeitlich wurden jährlich mehr als 200 Millionen Flaschen verkauft. Doch weil nationale und regionale Konkurrenten ähnliche Brausen auf den Markt brachten und Radeberger zugleich die Preise für die Limonade anhob, ging der Absatz in den vergangenen Jahren stetig zurück. Dennoch ist sie immer noch sehr weit verbreitet und bekannt sowie in vielen Geschäften und Gastronomiebetrieben in ganz Deutschland erhältlich – im Gegensatz zu den meist regional plazierten Produkten der Hassia-Gruppe.

          Vita-Cola und stilles Mineralwasser beliebt

          Bereits eine der wichtigsten Marken für den Konzern ist Vita-Cola: Die ostdeutsche Koffeinbrause mit Zitronengeschmack war eins der beliebtesten alkoholfreien Getränke in der DDR und gehört seit 2005 zum Hassia-Konzern. Im Osten verkauft sich Vita-Cola besser als Pepsi und in Thüringen sogar besser als Coca-Cola. Von ihr wurden im vergangenen Jahr 82 Millionen Liter abgesetzt, knapp drei Prozent mehr als im Vorjahr – obwohl die Cola-Nachfrage insgesamt sank. Vita-Cola ist für ein Zehntel des Hassia-Absatzes verantwortlich. Mittlerweile gibt es sie sogar als Energydrink.

          Fortgesetzt hat sich der Trend zu stillem Mineralwasser. Bundesweit stieg der Absatz von kohlensäurefreien Getränken um mehr als sieben Prozent. Davon profitierten bei Hassia das Bio-Mineralwasser der Marke Elisabethen-Quelle mit einem Wachstum von 4,6 Prozent und die Premiummarke Rosbacher,mit einem Wachstum um drei Prozent. Bei den Limonaden konnte Bizzl leicht zulegen. Miz ihren Premium-Limonaden liege man in Hessen auf dem dritten Platz. Auf einem insgesamt rückläufigen Fruchtsaftmarkt konnte der hessische Marktführer Rapp’s aus Karben zulegen, der Trend zu Premiumprodukten, wie sie Rapp’s anbiete, gelte auch für dieses Segment, heißt es.

          Investitionen in neue Technik und Anlagen

          Wie schon in den zurückliegenden Jahren will Hassia in diesem Jahr viel Geld investieren: Mehr als 25 Millionen Euro fließen in moderne Abfüllanlagen und neue Produktionstechnik an mehreren Standorten. Dabei geht es auch um Eigenentwicklungen, etwa bei der Digitalisierung von Waschmaschinen für Glasflaschen.

          In Bad Vilbel entsteht ein weiteres vollautomatisches Regallager für sechs Millionen Euro, das neben 5000 Palettenstellplätzen noch Platz bietet für Rohstoffe. Damit wird Hallenfläche frei für die Installation zusätzlicher Abfüllanlagen. Hassia wolle dadurch dem Wunsch vieler Kunden Rechnung tragen, zu jedem Anlass die passende Menge parat zu haben – von der kleinen 0,5-Liter-Flasche für die Handtasche über die 0,75-Liter-Größe fürs Auto oder das Fitness-Studio bis zu Flaschen mit bis zu anderthalb Liter für zu Hause.

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