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„Get Well Soon“ in Wiesbaden : Raus aus der Klause, ran an die Herzen

Hoffnung der deutschen Indie-Pop-Szene: Konstantin Gropper von „Get Well Soon” Bild: Thomas Brill

Vor anderthalb Jahren erschien der deutschen Indie-Pop-Szene ihr Wunderheiler. Nun war Konstantin Gropper mit „Get Well Soon“ im Schlachthof Wiesbaden. Mit Musik für die Seele, nicht für Bauch, Beine und Po.

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          Vor anderthalb Jahren erschien der deutschen Indie-Pop-Szene ihr Wunderheiler. Der Mann aus dem Oberschwäbischen, der das Heilsversprechen sogar im Namen seines Projekts Get Well Soon trägt, sollte endlich jenes Kaliber besitzen, das auch im Ausland für Aufsehen sorgt. Das ist dem Biberacher Konstantin Gropper mit seinem äußerst souveränen Debüt „Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon“ zwar gelungen, doch hat er sich ansonsten allen überdrehten Erwartungen entzogen.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Weder veröffentlichte er, von den sieben Songs der Sammlung „Songs Against The Glaciation“ einmal abgesehen, neues Material, noch ging er extensiv auf Tournee. Lieber tüftelt er bis auf weiteres in aller Ruhe an den Stücken für sein zweites Album, das erst dann erscheinen soll, wenn es von ihm als gut genug befunden worden ist.

          Perfekte Arrangements

          Konzerte wie jenes in der sehr ordentlich besuchten Räucherkammer des Schlachthofs Wiesbaden sind für Gropper wahrscheinlich willkommene Ausflüge aus der Klause, die er aber nicht dazu nutzt, neue Ideen vorzustellen, sondern eher als Qualitätsprüfung des Bewährten zu verstehen scheint. Die Wiesbadener Prüfung bestätigte die Perfektion von Groppers Arrangements, die er im Schlachthof mit Hilfe einer Band, unter deren fünf Mitgliedern sich auch seine Schwester Verena befand, und der Könnerschaft seiner bewährten Kräfte am Mischpult umsetzte.

          Es zeigte sich während des fast anderthalb Stunden langen Auftritts aber auch, dass Get Well Soon bei all ihrer Klasse wohl doch nicht die Welt erobern werden. Die vor Ideen nur so funkelnden Songs mit ihrer großen orchestralen Anmutung zielen auf die Seele und den Kopf, wo sich die Musik zu Bildern formen kann, die für jeden Hörer einen eigenen Film ergeben.

          Ein Multiinstrumentalist

          Bauch und Po spart Gropper hingegen eher aus, obwohl die genialische Version des Underworld-Hits „Born Slippy“ oder auch das zwischen Kinderchor und schrägem Tango hin und her schlingernde „If This Hat Is Missing I Have Gone Hunting“ durchaus in die Beine gehen. Doch Eingängigkeit ist nicht Groppers Hauptziel.

          Der akademisch ausgebildete Multiinstrumentalist will Musik machen, die von der Norm abweicht. Deshalb die Schlenker, die Reminiszenzen an so unterschiedliche Einflüsse wie Leonard Cohen und Nick Cave, an Beirut und Calexico, die Trompeten, das Glockenspiel oder auch Verenas französische Gesangseinlage bei „Good Friday“.

          Das alles ergibt Kunst-Pop auf höchstem Niveau, der in Wiesbaden noch immer genügend Emotionalität transportiert, um das begeisterte Publikum bei „Tick Tack! Goes My Automatic Heart“ zu einer A-cappella-Einlage hinzureißen. Als charismatischer Rasputin jedoch muss ein anderer als Gropper ausgesucht werden.

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