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Gesunkene Nachfrage von Solarfirmen : Ausbau des schnellen Internets hilft Heraeus

Zugeneigt: Jan Rinnert und Frank Heinricht (rechts), der künftige und der scheidende Heraeus-Chef. Bild: Rüchel, Dieter

Der Hanauer Familienkonzern Heraeus spürt die gesunkene Nachfrage von Solarfirmen. Dafür laufen Produkte für den Breitbandausbau gut. Zudem dürften in Rhein-Main nicht so viele Stellen wegfallen wie zunächst angekündigt.

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          Nach zwei Jahren stürmischen Wachstums legt der Technologiekonzern Heraeus eine Pause ein. Im vergangenen Jahr hat das Familienunternehmen mit Sitz in Hanau vor allem aufgrund der gesunkenen Nachfrage aus der Photovoltaikbranche nach Silberpaste für Solarzellen einen Umsatzrückgang hinnehmen müssen. Der Gewinn ist auch gesunken. Gleichwohl hat Heraeus kräftig in neue Produkte und Verfahren investiert und sich finanziell weiter gestärkt. Der Konzern hat 280 Millionen Euro mehr auf der hohen Kante, als er Schulden hat. Der Erlös in Höhe von 450 Millionen Euro aus dem Verkauf des Dentalgeschäfts mit Standorten in Hanau und Wehrheim im Taunus ist in dieser Summe nicht einmal eingerechnet, wie der scheidende Vorstandschef Frank Heinricht und Finanzchef Jan Rinnert in Frankfurt gestern bei der Vorlage der Jahresbilanz 2012 erläuterten.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für den weiteren Jahresverlauf äußerte sich Rinnert, der zum 1.Juni Heinricht nachfolgen wird, vorsichtig optimistisch. Zwar gehen dem Konzern durch den Verkauf der Dentalsparte an den japanischen Konzern Mitsui rund 150 Millionen Euro an Umsatz verloren. Allerdings erfreuen sich die in Bitterfeld hergestellten Quarzglas-Rohlinge einer weiter steigenden Nachfrage, wie Heinricht sagte. Aus diesem Material werden jene Glasfasern gezogen, die für den Ausbau des schnellen Internets nötig sind. Vor allem China sei ein wesentlicher Nachfragetreiber auf diesem Gebiet. Aber auch aus der Solar- und der Halbleiterindustrie mehrten sich Anzeichen der Erholung. Angesichts dessen will Heraeus in Bitterfeld weiter aufbauen und weltweit insgesamt 180 Millionen Euro in diesem Jahr investieren.

          Arbeitsplätze sollen abgebaut werden

          Die Dentalsparte soll laut Rinnert im Laufe des Sommers an Mitsui übergehen. Der Chemiekonzern hat zugesagt, alle verbleibenden Mitarbeiter einschließlich des Managements zu übernehmen und den Sitz dieser Firma in Hanau zu belassen. Heraeus hatte im Herbst den Abbau von jeweils 29 Stellen in diesem Segment in Hanau und in Wehrheim angekündigt. Im Gegenzug solle ein Standort in Rumänien aufgebaut werden, hieß es. Die Hanauer begründen den Verkauf mit einem Wandel der Dentalbranche: Sie verarbeite weniger Edelmetalle als früher und entferne sich vom Kerngeschäft von Heraeus; zudem herrsche hoher Kostendruck.

          Arbeitsplätze abbauen wird Heraeus im heimischen Raum auch in der Sparte Materials Technology, die zum Beispiel Bond-Drähte aus Edelmetallen für Auto- und Mikroelektronik herstellt und haarfeine Platinnetze für die Erzeugung von Düngemitteln produziert. Allerdings wird das Unternehmen laut Heinricht, anders als noch Anfang März angekündigt, bis Ende 2014 keine 260 Stellen in Hanau und Kleinostheim streichen. Da sich der Konzern bemühe, Mitarbeiter an andere Standorte zu versetzen, werde die Zahl faktisch geringer ausfallen. Gleichzeitig will Heraeus in dieser Sparte weitere Stellen in Asien schaffen, da dort die meisten Kunden sitzen, wie Rinnert und Heinricht ausführten. In Hanau hat Heraeus 3685 und in Kleinostheim 636 Kräfte.

          In Asien erwirtschaftet der Konzern auch anteilig den meisten Umsatz. 2012 erlöste Heraeus dort 2,2 Milliarden Euro oder 52 Prozent des Gesamtumsatzes. Die größten Länder nach Erlösen sind laut Rinnert China, Deutschland und die Vereinigten Staaten, wobei Heraeus im Inland auf 606 Millionen Euro kommt. Unter den Geschäftsfeldern leisten die Edelmetall- und die Materials-Technology-Sparte die größten Beiträge; sie kommen jeweils auf gut ein Drittel aller Erlöse, gefolgt vom Sonden-Hersteller Electro-Nite und Heraeus Medical, einem Produzenten von Knochenzement für künstliche Gelenke. „Diese Umsatzverteilung ist für uns eine günstige Struktur“, sagte Rinnert und hob den Grundsatz hervor, aus einer soliden Position heraus zu wirtschaften. Die Edelmetallbestände für das operative Geschäft hat das Unternehmen zuletzt aufgestockt, wie er hinzufügte.

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