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Eine Woche mit Stefan Majer : Tagebuch eines Entscheiders

Stefan Majer mit Fahrrad vor der Feuerwehrzentrale in Frankfurt, Bild: Wolfgang Eilmes

Krisensitzungen, Besprechungen, Entscheidungen - und dazwischen kaum Zeit, um durchzuatmen. Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) gibt Einblick in seinen Terminkalender in Zeiten der Coronakrise.

          6 Min.

          Normalerweise gehört für den Theologen Stefan Majer der Gottesdienstbesuch zum Sonntagsprogramm. Doch an diesem Sonntag, 15. März, muss er als Personaldezernent gemeinsam mit dem Amtsleiter eine Dienstanweisung für die 13.000 Beschäftigten der Stadtverwaltung zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus auf den Weg bringen. Es geht dabei auch um die Frage, wie man den Eltern die Kinderbetreuung ermöglichen kann, denn von Montag an sollen Kitas und Schulen weitgehend geschlossen bleiben. Um 14 Uhr trifft sich Majer mit den hauptamtlichen Magistratsmitgliedern; gemeinsam beschließen sie, alle städtischen Dienstleistungen auf ein Minimum herunterzufahren.

          Montag, 16. März: Leere Regale

          Ingrid Karb
          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Morgen wird im Dezernat die zweite Sitzung des Verwaltungsstabs vorbereitet. Am Freitag hatte Majer den Krisenstab, der „unverzichtbare Teile der Stadtverwaltung zusammenfasst“, zum ersten Mal in der Corona-Krise einberufen, um das an der Belastungsgrenze arbeitende Gesundheitsamt zu unterstützen. „In der dynamischen Lage“ werden dort notwendige Entscheidungen für die Stadt getroffen. Schon im Flüchtlingsmanagement hat sich das Instrument seiner Meinung nach bewährt. Bevor der Dezernent am Nachmittag mit dem Rad zur Feuerwache 1 in Eckenheim aufbricht, wo der Krisenstab tagt, stimmt er am Telefon mit den Magistratskollegen Uwe Becker (CDU) und Mike Josef (SPD) anstehende Sitzungen ab. Unterwegs empfindet er „Befremden über die dicht gedrängten Schlangen vorm Eiscafé“. Der Krisenstab berät über die vielen am Flughafen gestrandeten Passagiere. Noch sind die Grenzen nicht geschlossen, doch wegen Reisebeschränkungen der asiatischen Fluglinien sitzen nach dem Umsteigen viele Menschen in Frankfurt fest und müssen untergebracht werden. Weitere Themen des Stabs, dessen Beschlüsse „absolut vertraulich“ sind, sind die überlaufenen Corona-Testcenter der Kassenärztliche Vereinigung und der Ansturm auf die im Gesundheitsamt untergebrachte Landes-Hotline. Die Freude ist groß, als die Leiterin der schon geschlossenen Stadtbücherei, Sabine Homilius, ankündigt, Mitarbeiter dafür zur Verfügung zu stellen. Auf dem Heimweg bemerkt Majer, dass die Regale im Supermarkt „erschreckend leer“ sind.

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