https://www.faz.net/-gzg-9jz0a

Krankmeldungen : Zahl der Grippefälle steigt

Ständiger Begleiter: Ohne Taschentücher geht momentan bei vielen Leuten gar nichts mehr. Bild: Wolfgang Eilmes

Neben echten Grippen haben derzeit viele Arbeitnehmer mit Infekten zu kämpfen. Die Arztpraxen füllen sich mit Patienten. Droht eine Krankheitswelle?

          „Ist krank“, so lautet derzeit immer öfter die Antwort, wenn man nach einem bestimmten Ansprechpartner fragt. In der Praxis des Hausarztes bleibt kein Stuhl im Wartezimmer lange frei. Die Mitarbeiterin eines Chemieunternehmens berichtet, in der vergangenen Woche habe sich ein Drittel ihres Teams krankgemeldet. In anderen Büros kommen die Arbeitnehmer bewaffnet mit Taschentüchern, Nasenspray und Hustentee zum Dienst, und es werden am Kaffeeautomaten Tipps für schnelleres Gesundwerden ausgetauscht. Eine echte Grippewelle sehen die Fachleute aber noch nicht.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen hat noch keine konkreten Informationen zu vermehrten Erkältungskrankheiten im Allgemeinen. Eine Sprecherin berichtet jedoch: „Man hat über Telefonate mit den Arztpraxen den Eindruck, dass die Zahl der Grippekranken langsam ansteigt, über das normale Maß scheint es aber derzeit nicht hinauszugehen.“

          Keinen Grund zur Besorgnis

          Das Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt registriert aktuell immerhin einen deutlichen Anstieg von Grippefällen. Nach Angaben von Amtsleiter René Gottschalk wurden in der vergangenen Woche 250 Fälle von Neuinfektionen mit dem Influenzavirus gemeldet. In der Woche davor waren es noch 200. Damit seien die Zahlen um 25 Prozent höher als in der gleichen Woche des Vorjahres. Gottschalk, Fachmann für Infektiologie, schätzt aber, dass noch deutlich mehr Frankfurter unter der Krankheit leiden. „Wenn die Symptome nur schwach sind, gehen viele Leute nicht zum Arzt und wissen daher oft gar nicht, dass sie Grippe haben.“ Außerdem testeten viele Ärzte ihre Patienten nicht auf das Influenzavirus. Trotz der hohen Zahlen sieht Gottschalk aber keinen Grund zur Besorgnis. „Das ist die ganz normale Grippewelle, die wir jeden Winter feststellen können.“

          Das bestätigt die Statistik der Arbeitgemeinschaft Influenza. Demnach hat es in Hessen im Januar weniger akute Atemwegserkrankungen gegeben als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Die Fallzahlen sind aber inzwischen stark gestiegen und liegen jetzt etwa ebenso hoch wie jene aus den beiden Vorjahren. Während sie 2017 in der achten Kalenderwoche aber schon wieder abfielen, erreichten sie im vergangenen Jahr erst in der zehnten Woche ihren Höhepunkt. Es war von einer gravierenden Grippewelle die Rede, und es wurde darüber diskutiert, ob die Entscheidung der Krankenkassen, auf einen Dreifachimpfstoff zu setzen, richtig gewesen sei. Für die aktuelle Wintersaison wurde darum der Vierfachimpfstoff empfohlen.

          Noch Impfstoff vorrätig

          Der habe auch in ausreichendem Maß zur Verfügung gestanden, heißt es von Seiten der Kassenärzte. „Die ausgelieferte Gesamtmenge in Deutschland lag im Herbst 2018 ein Vielfaches über der Vorjahresmenge“, teilte eine Sprecherin mit. „Laut Aussage des Paul-Ehrlich-Instituts standen mit 15,7 Millionen Dosen über eine Million Impfdosen mehr in Deutschland zur Verfügung, als im letzten Jahr verimpft wurden“, berichtet sie. Wie eine Sprecherin des Herstellers Sanofi Pasteur sagte, hat der Großhandel noch Impfstoff vorrätig. Für ältere und chronisch Kranke sei eine Impfung auch jetzt noch sinnvoll.

          Mehr als die echte Grippe machen derzeit grippale Infekte Patienten, Ärzten und Personalverantwortlichen zu schaffen. Allzu groß sind die Sorgen aber bisher nicht. „Die Zahl von Krankmeldungen ist höher, als das normalerweise der Fall ist, das ist aber im ersten Quartal eines Jahres immer so“, sagte eine Sprecherin der Commerzbank. Auch beim Flughafenbetreiber Fraport und der Messegesellschaft entsprechen die Zahlen bisher den Erwartungen. Genauere Zahlen kann auch die AOK Hessen nicht bieten, denn Krankmeldungen kämen oft erst mit Verzögerung.

          Wie die Sprecherin der Kassenärzte sagt, scheinen die üblichen Erkältungen in diesen Wochen tatsächlich etwas schwerer zu verlaufen als üblich. Das sei allerdings nur der persönliche Eindruck einzelner Mitglieder der Kassenärztlichen Vereinigung. Ähnlich sieht es der Apothekerverband. Verlässliche Marktdaten seien kurzfristig zwar nicht verfügbar, doch die Mitglieder meldeten, dass die Apotheken voll seien.

          Bewahrheiten sich die Wetterprognosen, und es bleibt weiterhin frühlingshaft, rechnet der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts damit, dass die Zahl der Infizierten bald zurückgehen werde. „Grippe breitet sich vor allem dann aus, wenn sich Leute viel drinnen aufhalten, gehen sie raus an die frische Luft, sinkt auch das Infektionsrisiko.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.