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Gesundheit : Kassen versprechen stabile Beitragssätze zum neuen Jahr

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Die Betriebs- und Ersatzkrankenkassen in Hessen werden nach Angaben ihrer Verbände die Beiträge zum neuen Jahr nicht anheben. "Keine Hinweise auf Erhöhungen", sagte Stefan Eckerlein vom Landesverband der Betriebskrankenkassen am Mittwoch auf Anfrage.

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          Die Betriebs- und Ersatzkrankenkassen in Hessen werden nach Angaben ihrer Verbände die Beiträge zum neuen Jahr nicht anheben. "Keine Hinweise auf Erhöhungen", sagte Stefan Eckerlein vom Landesverband der Betriebskrankenkassen am Mittwoch auf Anfrage. "Keine Beitragssatzänderung zum 1. Januar 2006", versicherte der Sprecher der Ersatzkassenverbände, Meinhard Johannides. Am Dienstag war bekannt geworden, daß die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) Hessen ihren Beitragssatz von derzeit 13,9 Prozent vermutlich anheben wird; im Gespräch sind 0,5 Prozentpunkte. Die endgültige Entscheidung wird der Verwaltungsrat am 13. und 14. Dezember treffen.

          Die Sätze der übrigen Ersatzkassen in Hessen liegen derzeit zwischen 11,9 und 13,8, die der Betriebskassen zwischen 11,9 und 13,7 Prozent. Sie sollen stabil bleiben. Drei der zehn Ersatzkassen - Deutsche Angestellten Krankenkasse, Barmer und die Krankenkasse Eintracht - haben laut ihrem Verband darüber hinaus schon jetzt garantiert, ihre Sätze im gesamten nächsten Jahr nicht zu erhöhen.

          Über die Gründe für die wahrscheinliche Erhöhung des Beitragssatzes bei der AOK läßt sich nur spekulieren, denn Sprecher Riyad Salhi machte auch am Mittwoch kaum Angaben zur Entwicklung der Ausgaben. Er verwies lediglich auf das bundesweite Phänomen von Mehrausgaben bei den Arzneimitteln. In Hessen gingen die gesetzlichen Krankenkassen für 2005 von einer Überschreitung des Arzneimittelbudgets um rund 160 Millionen Euro aus. "Das hat es in dieser Größenordnung noch nie gegeben", sagte Salhi. In Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) müsse noch geklärt werden, für welche Summe die Kassen aufkommen müßten und ob beziehungsweise in welcher Höhe die Honorare der niedergelassenen Ärzte gekürzt würden.

          Weil das Arzneimittelbudget für dieses Jahr nach Angaben der KV Hessen schon seit Anfang November ausgeschöpft ist, wollen Ärzte in ihren Praxen am Donnerstag von 16 Uhr an ihre Patienten im Schummerlicht behandeln und sie über die erwartete Verschlechterung der medizinischen Versorgung informieren. Wie viele Ärzte sich an der Aktion unter dem Motto "In Hessens Praxen wird es dunkel" beteiligen, konnte KV-Sprecher Karl Roth am Mittwoch nicht sagen. Er teilte mit, daß die Ausgaben für Medikamente nach Hochrechnungen in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr um voraussichtlich 14 Prozent auf rund 1,5 Milliarden Euro ansteigen würden. So seien allein bei Antipsychotika und Antidepressiva Zuwächse um 22 Prozent zu verzeichnen. Als Begründung gab Roth an, daß neue, nebenwirkungsärmere Medikamente auf den Markt gebracht worden seien, die jedoch wesentlich teurer seien.

          Unter diesem Phänomen freilich haben alle Kassen in Hessen zu leiden. Damit bleibt die Frage unbeantwortet, warum die AOK, anders als die Konkurrenz, ihre Beiträge Anfang 2006 offenbar erhöhen will. Johannides vermutet, daß "der AOK-Versicherte vielleicht stärker auf Medikamente angewiesen ist". Eckerlein mutmaßt, die AOK Hessen müsse möglicherweise Ortskrankenkassen anderer Bundesländer entschulden.

          An höheren Verwaltungskosten liegt die zu erwartende Erhöhung offenbar nicht. Diese Ausgaben seien gleich geblieben, sagte Salhi. Zur Mitgliederstruktur der AOK führte er aus, die 1,7 Millionen Versicherten bildeten die hessische Bevölkerung ab - vom Spitzenverdiener über den Arbeitslosen bis zum Rentner.

          Grundsätzlich muß jede gesetzliche Krankenversicherung jeden Bürger aufnehmen. Lediglich ein Wechsel von einer privaten Kasse zu einer gesetzlichen ist so gut wie unmöglich, es sei denn, der Versicherte unterschreitet die Beitragsbemessungsgrenze, wird arbeitslos oder war wesentlich länger Kassenmitglied als Privatpatient. (rig./trö.)

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