https://www.faz.net/-gzg-7o90q

Geschmackstest : Ein Ei ist nicht wie das andere

Ein schönes Dotter macht noch keinen guten Geschmack Bild: dpa

Ostern naht, der Eierbedarf steigt und damit die Kosten. Schmeckt denn ein Ei für 50 Cent besser als eines für 10? Der Verbrauchertest enttäuscht, und doch gibt es Unterschiede.

          3 Min.

          Eier aus Boden- und Freilandhaltung, konventionell und bio - das ist das Angebot im Supermarkt. Wir haben einmal quer bei Rewe, Aldi und dem Basic-Supermarkt in Frankfurt eingekauft, Verpackungen und Eier-Codes studiert und zum Schluss je ein Musterexemplar in den Kochtopf gelegt, um anschließend zu probieren.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Ergebnis: Große Unterschiede zwischen konventionell und bio haben vier Testpersonen, die nicht im Bilde waren, welche Kategorie Ei sie da gerade auf dem Teller hatten, nicht herausgeschmeckt. Allenfalls ließ sich übereinstimmend ein kleiner Qualitätssprung beim Geschmack zwischen Eiern aus Boden- und Freilandhaltung ausmachen.

          Bio-Eier mit blässlichem Dotter

          Wäre es allein nach der Optik gegangen, hätten sich die Mehrzahl der Tester für die konventionellen Eier der Testserie entschieden, da diese appetitlicher und einladender aussehen, die Eidotter haben eine schöne, kräftige Farbe (siehe Foto oben). Das hat einen einfachen Grund: Bei konventioneller Legehaltung werden oft farbgebende Stoffe wie etwa Paprikamehl zugefüttert, die für einen kräftigen Farbton beim Eigelb sorgen. Dagegen machen Bio-Eier mit ihrem blässlichen Dotter geradezu einen mickrigen Eindruck. So kann man sich täuschen.

          27 Cent: Ei aus Bodenhaltung, gekauft bei Rewe (“Gutes aus Hessen“) Bilderstrecke
          10 Eier im Verbrauchertest : Ein Ei ist nicht wie das andere

          Überzeugte Öko-Verbraucher und Tierschützer legen dennoch gerne mehr Geld für ein Bio-Ei auf den Tisch, weil die Hühner nach den Regeln der Bio-Landwirtschaft im Stall mehr Platz haben, draußen Gras und Sträucher picken und im natürlichen Tag-und-Nacht-Rhythmus leben dürfen. Auf den vorbeugenden Einsatz von Antibiotika wird verzichtet, das Futter ist überwiegend bio - bei Bio-Verbänden wie Bioland und Demeter zu 100 Prozent -, und auf Gentechnik wird verzichtet.

          Ein Code, der die Herkunft verrät

          „Verbraucher differenzieren inzwischen“, sagt Burkhard Klein, Eierproduzent aus Eschenburg in Hessen, der nach eigenen Angaben schon auf alternative Tierhaltung setzte, als in Hessen noch 95 Prozent der Hennen in Käfigen gehalten wurden. Die herkömmliche Käfighaltung ist sei 2012 in der EU verboten, in Deutschland endete sie bereits 2009. Übergangsweise wurden die Haltung von Kleingruppen in Käfigen erlaubt. Landwirt Klein ist froh über seine Entscheidung. „Wir haben es geschafft, uns zu etablieren“, sagt der Landwirt, der über die Gesellschaft Westerwald Bio GmbH auch die Eier anderer Legehennenbetriebe vermarktet.

          Das alles erfährt, wer im Internet auf Recherche geht. Jedes lose Ei, das in Deutschland den Handel kommt, muss mit einem Code gestempelt werden, dessen letzte Ziffern verraten, aus welchem Betrieb und welchem Stall das Ei stammt. Möglich macht dies der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen, kurz Kat, über die Internetsuchfunktion: www.was-steht-auf-dem-ei.de. In Deutsch kontrolliert der Verein nach eigenen Angaben rund 95 Prozent der Eier, die an den Handel geliefert werden, europaweit sind es 70 Prozent. Eier aus Direktverkäufen oder von Wochenmärkten nehmen nicht am Kat-System teil, auch nicht alle Betriebe der Bioverbände sind registriert.

          Bäume für ein „angstfreies“ Leben

          Die Recherche über den Stempel auf dem Ei ist interessant, weil sich der Kunde, im Internet Bilder aus den Ställen ansehen und einiges über die Legehennenbetriebe nachlesen kann. Ein Hühnerei ist im Gegensatz zu verarbeiteten Eiern in Backwaren, deren Herkunft nicht gekennzeichnet werden muss, wie Verbraucherschützer kritisieren, ein sehr transparentes Lebensmittel.

          Der Code eines 33-Cent-Eis der Eigenmarke vom Biosupermarkt Basic etwa führt zum Hof Alpermühle, der im Oberbergischen, in Nümbrecht in Nordrhein-Westfalen steht und Mitglied einer Erzeugergemeinschaft mit mehreren Höfen bildet. Die Bilder im Internet zeigen Bilder mit Hühnern, die in idyllischer Umgebung leben. Auf Nachfrage am Telefon wird versichert, in den Ställen von der Alpermühle sehe es orginal so aus.

          Noch verführerischer ist der Online-Auftritt der Legegemeinschaft „Die Biohennen“, die bei Basic Bergkräuter-Eier aus Bayern und Baden-Württemberg verkaufen und auf ihrer Internet-Seite hervorheben, dass sie für ihre Hühner Bäume pflanzen und somit „für angstfreies, Habicht sicheres Spazieren im Grünland“ sorgen. Und auch das ist wohl eine beruhigende Nachricht für manchen Kunden: Dass die Dame, die man auf der Verpackung im „feschen Dirndl“ mit einem Korb Eiern auf dem Schoß abgedruckt sieht, „echt“ ist. Das sei die Biohennen-Bäuerin Christine Epp aus dem Allgäu, heißt es.

          Alles eine Sache der Haltung

          Alles eine Sache der Haltung In der Eierproduktion wird bei der Art und Weise der Haltung unterschieden zwischen

          Bodenhaltung: Die Legehennen leben ausschließlich im Stall. Maximal neun Tiere teilten sich einen Quadratmeter. Vorgeschrieben ist eine Teilfläche zum Scharren. Der Einfall von Tageslicht ist nur in neueren Ställen obligatorisch, ansonsten werden Tag-und-Nacht-Rhythmus mit Hilfe von Kunstlicht simuliert. Kennzeichnung auf dem Ei ist die Ziffer 2.

          Freilandhaltung, konventionell: Hier gelten die Kriterien der Bodenhaltung, allerdings haben die Hennen tagsüber Auslauf. Dieser muss direkt vom Stall erreichbar sein. Vorgeschrieben sind mindestens vier Quadratmeter je Huhn. Kennziffer 1.

          Freiland bio: Die Legehennen bekommen vorwiegend Bio-Futter und haben tagsüber Auslauf. Im Stall haben sie mehr Auslauf. Statt neun müssen sich nur sechs Hühner einen Quadratmeter teilen. Der Einsatz vorbeugender Antibiotika ist nicht erlaubt, verfüttert wird Bio-Futter, und auf Gentechnik wird verzichtet. Zu erkennen an der Kennziffer 0.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Fertigungsstrecke von Geely in der chinesischen 6-Millionen-Einwohner-Metropole Ningbo.

          Autos aus Fernost : Chinas Einheitsfront gegen VW und Tesla

          Wie von Peking gewünscht, knüpft Milliardär Li Shufu ein Netzwerk mit chinesischen Technologiegiganten, um das Auto der Zukunft zu bauen. Auch Daimler darf helfen beim Projekt Welteroberung.
          Demonstranten auf dem Puschkin-Platz in Moskau am Samstag

          Demonstrationen für Nawalnyj : „Putin ist ein Dieb!“

          Zehntausende Menschen protestieren am Samstag gegen den russischen Staatspräsidenten und für die Freilassung Alexej Nawalnyjs. Die Staatsmacht geht hart gegen die friedlichen Demonstranten vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.