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Hausmeister einer Uni : Das Schwert im Spind war ein Fall für die Polizei

Multitalente: Kenan Isovski (links) und sein Kollege Silvio Zingone kümmern sich an der Goethe-Uni um falsch geparkte Fahrräder und tropfende Wasserhähne. Bild: Bäuml, Lucas

Früher hieß der Uni-Hausmeister Pedell, heute nennt er sich Objektbetreuer. Kenan Isovski sieht in der Uni Frankfurt nach dem Rechten – und erlebt manchmal Skurriles.

          Schon erstaunlich, was manche Leute unter akademischem Rüstzeug verstehen. In einem Spind auf dem Westend-Campus der Goethe-Uni wurde einmal ein großes Schwert gefunden, wie Kenan Isovski erzählt. „Das haben wir der Polizei übergeben.“ Der anonyme Militariafreund muss im übrigen kein Angehöriger der Universität gewesen sein: Ein Teil der Schließfächer kann nämlich auch von Externen benutzt werden. Zum Verriegeln genügt ein selbstgewählter Pin-Code.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Vermutung, kriminelle Nichtakademiker nutzten die frei zugänglichen Spinde als Waffen- und Drogenlager, tritt Isovski aber sogleich entgegen. Von dem Schwert abgesehen, hätten er und seine Kollegen in den Fächern noch nichts gefunden, was Anlass zu Besorgnis gegeben habe. Zu den im Wortsinne anrüchigen Inhalten, die nach überlanger Verweildauer vom Reinigungspersonal zu entfernen sind, zählen Bananen und Butterbrote. Vergleichsweise angenehm für die Uni-Mitarbeiter gestaltet sich die Zwangsleerung, wenn ein Sportsfreund in dem Depot seinen Tennisschläger vergessen hat.

          Ordnungshüter der Hochschule

          Für solch eine Zweckentfremdung von universitärem Stauraum würde Isovski niemanden ausschimpfen. Zwar ist er das, was man in früheren Jahrhunderten einen Pedell genannt hat: Hausmeister und in gewissem Sinn Ordnungshüter der Hochschule. Doch im Dienstleistungszeitalter hat sich der häufig verhasste Karzer-Verwalter zum Servicemanager gewandelt, der Lehrenden und Lernenden ihren Aufenthalt auf dem Campus so angenehm wie möglich machen möchte. Selbst der Begriff Hausmeister ist inzwischen verpönt. Isovski und seine Kollegen nennen sich Objektbetreuer; er selbst ist als Gruppenleiter für 15Mitarbeiter zuständig.

          Morgens zwischen sechs und sieben Uhr inspizieren die Betreuer Wege, Flure und Unterrichtsräume in den Uni-Gebäuden, um das zu erfüllen, was im Amtsdeutsch „Verkehrssicherungspflicht“ heißt. Sie haben auch Schlüssel für die Büros, aber die betreten sie normalerweise nicht. Der Rest des Arbeitstags ist wenig vorhersehbar – und gerade die Abwechslung schätzt Isovski an seinem Job. Hier ist eine verstopfte Toilette zu reparieren, da eines der 2500Schließfächer zu richten, dort ein loser Türgriff nachzuziehen. Bisweilen wird der Mann auch zum Gästebetreuer. Neulich durfte Isovski den Filmemacher Sönke Wortmann über den Westend-Campus führen: Der Regisseur will dort demnächst drehen und war von der „Location“ angeblich sehr angetan.

          Einen Großteil der technischen Arbeiten können die Objektbetreuer selbst erledigen, denn alle sind ausgebildete Handwerker. Isovski, ursprünglich Gas- und Wasserinstallateur, hat sich zum Objektmanager fortgebildet und darf als Gruppenleiter auch auswärtige Dienstleister auswählen. Denn einen Schreiner zum Beispiel hat er ebenso wenig in seinem Team wie Spezialisten für die empfindlichen Sonnenschutz-Jalousien.

          Hilfe für Studenten

          Von Pannen und Defekten erfährt der Hausmeistertrupp häufig über das uni-interne Servicetelefon. Oft bitten aber auch Studenten direkt um Hilfe. Ein Klassiker ist dabei die vergessene Pin für das Schließfach. Mit diesem Problem werden die Objektbetreuer besonders oft in Prüfungszeiten konfrontiert. „Nach sechs, acht Stunden in der Bibliothek sind die Leute durch den Wind“, sagt einer von Isovskis Kollegen. Andere verlieren bei der Hetze von Hörsaal zu Hörsaal den Schlüssel ihres Fahrradschlosses. Dann greift der Hausmeister zur Flex oder zum Bolzenschneider. Natürlich erst, nachdem er sich den Ausweis des Fahrradbesitzers hat zeigen lassen.

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