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Kloster Eberbach : Eine Kiste Traubensaft zum Geburtstag des „Führers“

Wichtige historische Aufarbeitung: Welche Rolle spielte das Kloster während der Zeit des Nationalsozialismus? Bild: Michael Kretzer

Kloster Eberbach im Nationalsozialismus: Eine Studie erforscht eine dunkle Zeit. Die Nazibonzen kamen gern, bekamen aber nur einfachen Wein kredenzt.

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          Eine Zeitspanne von zwölf Jahren sind in der fast neun Jahrhunderte währenden Geschichte eines Klosters nicht mehr als ein Wimpernschlag. Wenn es aber um die Jahre zwischen 1933 und 1945 geht, dann kommt ihnen eine besondere Bedeutung zu. Für Kloster Eberbach im Rheingau gilt das umso mehr, als die Zeit zwischen der Gründung des Zisterzienserklosters im Jahr 1136 bis in die Zeit unmittelbar vor und nach der Säkularisierung und Aufhebung des Klosters schon recht gut erforscht ist.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Erst jetzt allerdings hat der Blick eines Historikers die Zeit des Nationalsozialismus in allen Facetten ausgeleuchtet. Mehr als 300 Seiten stark ist die Studie, die unter anderem der Rolle Eberbachs bei der Arisierung des Weinhandels, den Vorgängen auf dem benachbarten Eichberg und dem Einsatz von Kriegsgefangenen in den Weinbergen nachgeht. Eine Untersuchung, die „unerlässlich“ ist, wie Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in seinem Geleitwort schreibt.

          Ausgangspunkt des Forschungsprojektes war die „Wiederentdeckung“ eines Gästebuchs. Im „Goldenen Buch von Eberbach“ finden sich die Namen von hohen und höchsten Vertretern der NSDAP, ihrer Gliederungen wie SS und SA und des Staatsapparates. Aber auch die Namen von Opfern, deutschen Widerständlern und alliierten Befreiern.

          Akribische Recherche

          Aus Sicht der Stiftung versinnbildlicht das Gästebuch den bisweilen konfliktscheuen Umgang mit der deutschen Geschichte: Das Hakenkreuz und die Nazi-Symbole, die ursprünglich auf dem Buchdeckel prangten, wurden nach dem Krieg zur Unkenntlichkeit übermalt. Erst ultraviolettes Licht macht sie wieder sichtbar. „Ein Umgang mit der Vergangenheit, die unserem Anspruch an historischer Aufarbeitung nicht entspricht“, heißt es von Seiten der Stiftung, die aus eigener Initiative und dank Spenden die Aufarbeitung dieses Kapitels der Vergangenheit in Auftrag gegeben hatte.

          Hauptquelle für den promovierten Historiker Sebastian Koch waren die überlieferten Verwaltungsakten der Staatsweingüterverwaltung. Er hat überdies Zeitzeugen und Lokalhistoriker befragt, das Gästebuch und die Erinnerungsliteratur Eberbacher Gäste ausgewertet und Bildmaterial zusammengetragen. Archäologische Grabungen wurden genutzt, um nach möglichen Überresten ehemaliger Zwangsarbeiter-Baracken zu suchen. Spruchkammerakten aus der Zeit der Entnazifizierung wurden ebenfalls zu Rate gezogen.

          Der katholische und selbstbewusste Rheingau war kein einfaches Pflaster für die Nazis. Koch schreibt, dass es der nationalsozialistischen Bewegung erst sehr spät gelang, eine wirkliche Basis im Rheingau aufzubauen. Eine erste Ortsgruppe war erst im November 1928 gegründet worden. Noch im Dezember 1931 ging es in einem Rundschreiben der NSDAP darum, wie man in zehn Orten des Rheingaus endlich „Fuß fassen“ könne, um „mit der Zeit mit der Aufstellung eines Stützpunktes“ beginnen zu können. Eine Nazi-Bastion sieht anders aus.

          „In Dankbarkeit und Treue“

          Für den Rheingau konstatiert Koch für lange Zeit eine „kraftlose“ nationalsozialistische Bewegung. Die Kundgebungen waren mäßig besucht, die Wahlergebnisse fielen verglichen mit den gesamtdeutschen Werten schlecht aus. Bei der preußischen Landtagswahl vom 24. April 1932 schnitt die NSDAP in keinem anderen Kreis der Provinz Hessen-Nassau schlechter ab als im Rheingau. Von den 13 100 Bewohnern der Städte Eltville, Geisenheim und Rüdesheim bezogen im November 1931 gerade einmal 39 den Völkischen Beobachter und 35 das Nassauische Volksblatt.

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