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Manager vor Gericht : Machenschaften um Philipp-Pleite

Vergeblicher Protest: Mitarbeiter demonstrieren Ende Februar 2015 gegen die drohende Schließung der Hanauer Kleiderfabrik. Bild: Rainer Wohlfahrt

2015 ging die Hanauer Kleiderfabrik J. Philipp pleite. Vor Gericht geht es nun um mutmaßliche Insolvenzverschleppung. Auch die Absichten der letzten Eigentümer werden eine Rolle spielen.

          3 Min.

          Die Vorgänge um den Bankrott und die Schließung der Hanauer Kleiderfabrik J. Philipp im Jahr 2015 haben ein gerichtliches Nachspiel. Drei ehemalige Geschäftsführer der Firma im Alter zwischen 30 und 60 Jahren müssen sich am Dienstag vor dem Landgericht Hanau wegen des Vorwurfs der Insolvenzverschleppung verantworten. Die Angeklagten sollen sich zum Jahreswechsel 2014/2015 entschlossen haben, einen weiteren Geschäftsführer zu bestellen, um ihren Pflichten zur Anmeldung der Insolvenz und ihrer persönlichen Haftung zu entgehen, wirft die Justiz den Beschuldigten vor.

          Luise Glaser-Lotz
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Das Traditionsunternehmen J. Philipp sei zu diesem Zeitpunkt aus Sicht der Firmenleitung nicht mehr profitabel und insolvent gewesen, heißt es in der Anklage. Der neue Geschäftsführer sei von einem auf sogenannte Firmenbestattungen spezialisierten Unternehmen aus Berlin übernommen worden. Der zunächst mitangeklagte, „maßgeblich Verantwortliche“ sitzt am Dienstag aber nicht mit auf der Anklagebank, denn er befindet sich nach Angaben des Gerichts wegen anderer Strafsachen auf der Flucht. Dieser Mann soll im Auftrag der Berliner Firma als Geschäftsführer in den Hanauer Betrieb eingetreten sein. Danach soll er mit den drei Angeklagten darauf hingewirkt haben, den erforderlichen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu unterlassen. Stattdessen wurde ein Gesellschafterdarlehen in Höhe von 2,8 Millionen Euro an eine größere Textilvertriebsgruppe in Berlin zugeführt, heißt es. Diese Firma sei im Besitz von zwei der Angeklagten gewesen. Einen angemessenen Ausgleich habe es dafür nicht gegeben, so das Gericht. An die Textilvertriebsgruppe soll zudem der mehr als 200.000 Euro teure Maschinenpark der Hanauer Firma sowie der vorhandene Warenbestand unter Wert veräußert worden sein. Damit verschleierten die Angeklagten nach den gegen sie erhobenen Vorwürfen bewusst die Vermögenslage der in der Krise befindlichen Herrenkleiderfabrik vor einem Zugriff der Gläubiger.

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