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Gersfeld : Singender Pfarrer spielt fast 100.000 Euro Spenden ein

  • Aktualisiert am

Musiker: Friedhelm Dauner. Bild: dpa

Auch die elfte Musik-CD mit dem Bibel-Pop des Geistlichen ist ein Erfolg. Fast 100.000 Euro Spenden sind zusammengekommen.

          Katholische Pfarrer gelten in der breiten Öffentlichkeit wohl nicht als die größten Entertainer unter der Sonne. Der singende und musizierende Pfarrer Friedhelm Dauner sticht deshalb aus dem Berufsstand heraus. Der Geistliche aus dem osthessischen Gersfeld ist im Namen des Herrn im Musikgeschäft unterwegs – und als Spendensammler fleißig. Sein Talent und seine Vorliebe stellt er in den Dienst von karitativen Projekten.

          Der 68 Jahre alte Pfarrer Dauner, seit 27Jahren in Gersfeld, ist ein humorvoller Rheinländer aus Leverkusen, der gern lacht. Er erzählt auch gern Witze über die Konkurrenz zwischen Kölnern und Düsseldorfern. Noch besser aber macht er Musik. In 18 Jahren Musikkarriere hat er bereits zehn CDs herausgebracht. Im Oktober ist sein elftes Album unter dem Titel „In der Tiefe“ erschienen. Auflage: zunächst 3000 Stück.

          „Mit Musik kann man viele Menschen ansprechen“

          Die Einnahmen aus den Verkäufen – bislang rund 92.000 Euro für alle Alben – steckt er sich aber nicht in die Tasche oder investiert sie in die Anschaffung einer luxuriösen Badewanne. Er spende für ein Jugendzentrum in Bolivien, sagt er. Mit den Erlösen aus seinem aktuellen Album wird er die Schallmauer von 100.000 Euro an Spenden durchbrechen. „Ich hätte nie gedacht, dass das alles so erfolgreich wird“, sagt er.

          Das Bistum Fulda findet Dauners Engagement toll. „Mit Musik kann man viele Menschen ansprechen. Bei Hardrockern wird ihm das in seinem Fall zwar wohl nicht gelingen“, sagt Bistumssprecher Christof Ohnesorge. „Aber es ist schön, wenn der Pfarrer so vielleicht Menschen anspricht, die der Kirche nicht so nah stehen.“ Pfarrer Dauners ruhiger Bibel-Pop orientiert sich an religiösen Inhalten und geht in eine spirituelle Richtung. „Die Texte sind wie Predigten, nur auf musikalische, unterhaltsame und berührende Weise.

          Dreizehn Lieder und zwölf Meditationen

          Manche hören die Lieder, wenn sie Mut schöpfen wollen oder Trost brauchen bei Schicksalsschlägen“, erklärt der singende Pfarrer seinen Stil und seinen Anwendungsbereich. Für die etwas feuriger orientierten Gemüter hat er auch Texte mit Rumba- oder Reggae-Rhythmus wie etwa im Song „Ihr seid das Salz dieser Erde.

          Auf der CD sind dreizehn Lieder und zwölf Meditationen. Die Meditationen sind kurze, gesprochene Einschübe – geistliche Worte und Anregungen. Unter den dreizehn Lieder befinden sich fünf Eigenkompositionen. Seine Liedtexte findet er in Büchern. Zahlreiche Zeilen stammen aus der Feder von Detlev Block, einem evangelischen Pfarrer im Ruhestand und Lyriker. Damit es nicht zu angestaubt zugeht, nimmt er auch Anleihen bei Udo Jürgens, Bob Dylan oder Schlagerstar Florian Silbereisen.

          Bischof hatte verboten, dass der Geistliche auftritt

          „Die Texte dürfen aber nicht zu schmalzig sein. Das mag ich nicht.“ Dauner hat Musik einfach im Blut. „Ich singe bei Pfarrfesten, auch mal Andrea Berg, schnappe mir das Mikro und gehe zu den Zuschauern.“ Er gibt Konzerte – „alles ehrenamtlich, es gibt nur Fahrgeld“ – und tritt beim örtlichen Fußballverein auf. „Wenn die Leute mich wollen, komme ich.“ Zugang zum Singen bekam er durch seine musikalische Familie. „Ich habe immer gern gesungen. Als Kind hatte ich eine Stimme wie Heintje – glasklar. Da haben viele gestaunt.“

          Gestaunt hat, gelinde gesagt, auch der frühere Fuldaer Bischof Adolf Bolte. Er habe Dauner verboten, in einer Tanzmusik-Gruppe aufzutreten. Mittlerweile komme die Musik aber gut an beim Bistum Fulda. „Bischof Heinz-Josef Algermissen befürwortet, dass ich Musik mache. Ich bekomme positive Resonanz“, berichtet Dauner. Er findet: „Die Musik spricht womöglich Leute an, die längst mit der Kirche abgeschlossen haben. Musik transportiert die Botschaft auch viel besser.“ Dauner bekommt sogar Fan-Post. Während er im Wohnzimmer des Pfarrhauses sitzt und seinen Dackel krault, blättert er in den Zuschriften. Sie füllen eine ganze Mappe. Eine Pflegeheimmitarbeiterin schrieb ihm: Sie sei zu Tränen gerührt gewesen, als sie „Ich bin bei dir...“ gehört habe. Putzig fand er die Rückmeldung eines 13 Jahre alten Jungen aus Frankfurt: Vor Klassenarbeiten sei er immer so nervös gewesen, berichtete ihm der Junge. Seitdem die Mutter ihm ein paar Lieder zur Beruhigung vorspiele, schreibe er auch bessere Noten.

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