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Gernsheimer Rheinhafen : Von Südhessen nach Rotterdam

  • -Aktualisiert am
Im Schwebezustand: Containerverladung im Gernsheimer Rheinhafen.
          3 Min.

          In dem kleinen Hafen in Gernsheim herrscht Hochbetrieb. Der Containerfrachter Alexandra ist nach einer Woche Fahrt von den niederländischen Häfen Rotterdam und Antwerpen zurück. Die Ladung, die das Schiff mitgebracht hat, ist bereits am Morgen gelöscht worden. Zwei Stapler fahren auf dem Gelände herum und positionieren die Container mit neuer Ladung näher an der Kaimauer, damit der grüne, 31 Meter hohe Kran sie in den Schiffsbauch hieven kann. Am Abend sollen bis zu vier Containerschichten in dem Schiff gestapelt sein, dann geht es nach Rotterdam.

          An diesem Tag wird das Schiff aber nicht vollbeladen. „Niedrigwasser ist schlecht fürs Geschäft“, sagt Velimir Krušlin von der Gernsheimer Umschlags- und Terminalbetriebsgesellschaft. Seit zehn Jahren arbeitet er im Hafen, und seit 2006 führt er die Geschäfte. Wenn der Rhein zu wenig Wasser führt, muss das Schiff auch weniger Fracht mitnehmen. Vollbeladen haben 336 Container in dem Frachter Platz.

          Kein Gewusel wie an anderen Häfen

          In dem kleinen Rheinhafen türmen sich die genormten Container für die Verschiffung. Spielzeug, Kleidung und Fliesen werden von hier in die großen holländischen Welthäfen geschickt. Es herrscht geschäftiges Treiben, und doch fehlen das Gewusel und die Hektik, wie es sie an großen Häfen gibt. Die Ruhe sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Hafen brummt, auch wenn hier alles kleiner ist. Gerade einmal drei eigene Schiffe legen die Woche an, die im Linienverkehr zwischen Gernsheim und den niederländischen Häfen pendeln. Etwa genauso viele Fremdschiffe kommen wöchentlich dazu. Für die südhessische Region ist der Hafen ein wichtiger Standortfaktor. Das Gernsheimer Merck-Werk ist nicht weit und verschifft von hier seine Produkte. Speditionen verteilen die Waren weiter. Auch Heizöl und Diesel werden hier verladen. Der Shell-Konzern hat eine kleine Dependance im Hafen.

          Seit mehr als 100 Jahren gibt es den Hafen in Gernsheim, der Hessens einziger Rheinhafen ist. Seine Bedeutung war in der Vergangenheit größer, als Darmstadt noch seinen Koksbedarf für die Winterzeit mit Hilfe des kleinen Hafens deckte. Als das Koks nicht mehr gebraucht wurde, lag der Hafen lange brach. Die historische Verbindung zu Darmstadt ist noch über die städtische Minderheitsbeteiligung von 16 Prozent an der Gernsheimer Hafengesellschaft geblieben. Jeweils zwei Prozent gehören der Gemeinde Gernsheim und dem Kreis Groß-Gerau. 80 Prozent der Anteile hält das Baustoffunternehmen Waibel. In den neunziger Jahren haben die Gesellschafter den Hafen wieder flott und profitabel gemacht.

          „Wir platzen seit Jahren aus allen Nähten“

          Jetzt soll er ausgebaut werden. „Wir platzen seit Jahren aus allen Nähten“, sagt Geschäftsführer Krušlin. Für 4,2 Millionen Euro haben die Betreiber den Hafen vom Land gekauft, bisher wurde das Gelände gepachtet. 20 Millionen Euro sollen in den Ausbau gesteckt werden. Der Bund und das Land fördern das Projekt. Eine längere Kaimauer und ein breiteres Hafenbecken sollen die Kapazität erhöhen. Jetzt könnten 600 Container am Tag verladen werden, in Zukunft könnten es dreimal so viele sein, sagt Krušlin. Eine neue bewegliche Containerbrücke soll dafür sorgen, dass bis zu drei Schiffe gleichzeitig gelöscht und beladen werden können. Bisher schaffen die Hafenarbeiter Krušlin zufolge mit Mühe eineinhalb Schiffe gleichzeitig.

          Eine Fläche zur Lagerung von Gefahrgut kommt hinzu, wodurch der Hafen konkurrenzfähiger mit Häfen in Mainz, Mannheim und Frankfurt sei, sagt Krušlin. Der Bedarf für die Verladung von Gefahrgut sei hoch. Unternehmen wie Merck seien auf solch ein Angebot angewiesen. Die mit Unkraut überwucherten Gleise sollen in den nächsten Jahren durch zwei neue ersetzt werden und den Hafen an die Bahnstrecke Mannheim-Frankfurt anbinden. Mit dem Ausbau werden auch Arbeitsplätze geschaffen. Heute arbeiten 30 Angestellte direkt für die Hafengesellschaft, mit den Beschäftigten der Speditionen sind es zusammen etwa 100 Menschen, die vom Hafenbetrieb leben. In Zukunft könnten es doppelt so viele sein, prognostiziert Krušlin.

          Gernsheim überzeugt mit Effizienz und Pünktlichkeit

          Der Ausbau bei laufendem Betrieb sei eine Herausforderung und könne mehrere Jahre dauern, schätzt der Geschäftsführer. Im Herbst sollen die Arbeiten beginnen. Auch wenn der Hafen größer wird, er bleibt im Vergleich zu vielen Konkurrenten klein. Der Ausbau werde daran nicht viel ändern, sagt Krušlin. Im Wettbewerb mit anderen Häfen überzeuge Gernsheim mit Effizienz und Pünktlichkeit. „Wir wollen nicht der Größte sein, sondern der Beste.“

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