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Ahmed Said aus Frankfurt : Wegen Demonstration in Kairo verhaftet

  • -Aktualisiert am

In Haft: Ahmed Said Bild: privat

Viele Jahre hat Ahmed Said in Frankfurt gelebt. Jetzt sitzt er aus politischen Gründen in einem ägyptischen Gefängnis. In Frankfurt versucht eine Unterstützergruppe auf Saids Schicksal aufmerksam zu machen.

          Im Juni 2013 hat Ahmed Said in Frankfurt noch für einen Regimewechsel in seiner Heimat protestiert. Er hielt die Muslimbrüder, die nach dem „Arabischen Frühling“ in Kairo an die Macht gekommen waren, für gefährlich. Damals wusste der heute 33 Jahre alte Said noch nicht, dass der General, der nach Entmachtung der Muslimbruderschaft in seiner ägyptischen Heimat das Präsidentenamt übernahm, für ihn persönlich viel gefährlicher werden würde. Jetzt sitzt Said aus politischen Gründen in einem ägyptischen Gefängnis, er wurde vermutlich gefoltert und kann nicht damit rechnen, einen fairen Prozess zu bekommen.

          In Frankfurt versucht eine Unterstützergruppe auf Saids Schicksal aufmerksam zu machen. „Ich bin wütend darüber, wie in Ägypten die grundlegenden Recht der Menschen mit Füßen getreten werden“, sagt ein Freund von Said. Der Ägypter hat in den vergangenen Jahren mit Unterbrechungen in Frankfurt gelebt. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sitzen 40.000 politische Gefangene in ägyptischen Gefängnissen. Um dazuzugehören, reicht es schon aus, mit zwei Dutzend anderer Menschen auf einer Brücke zu stehen und zu schweigen. Ahmed Sais hat das am 19. November getan, auf der Brücke des 6. Oktober in Kairo.

          Seine Familie sagt, Said sei gefoltert worden

          Er und seine Mitstreiter wollten auf die Repressionen unter Präsident Abd al Fattah al Sisi aufmerksam machen und auf die Rechte politischer Gefangener. Wenige Stunden später wurde Said in der Innenstadt von Kairo festgenommen. Mit 20 anderen kam er in eine 20 Quadratmeter große Zelle einer Polizeistation und wurde Berichten seiner Familie zufolge gefoltert. Ihm seien Stromstöße versetzt worden, auf seinem Körper habe man brennende Zigaretten ausgedrückt. Vor knapp zwei Wochen verurteilte ihn ein Schnellgericht zu zwei Jahren Haft. Sein Vergehen: Er hatte an einer Versammlung mit mehr als fünf Menschen teilgenommen und dadurch den öffentlichen Frieden gestört.

          So ist die Gesetzeslage im Ägypten von Präsident al Sisi. Ein Land, in dem Ahmed Said schon lange politisch aktiv ist. Als Arzt unterstützte er 2011 die weltweit gekannt gewordenen Demonstrationen auf dem Tahir-Platz gegen den amtierenden Präsidenten Husni Mubarak. Er versorgte die Protestierenden, die während der Straßenschlachten mit der Polizei auf und um den zentralen Platz in Kairo verletzt worden sind. Im Februar 2013 kam Said nach Frankfurt, er arbeitete als Gastarzt in der Abteilung für Gefäßchirurgie der Uniklinik. Er lebt zwischenzeitlich wieder in Ägypten, zog aber Ende 2014 wieder nach Frankfurt. Hier will er mit seiner deutschen Verlobten auch in Zukunft leben. Unter anderem wegen der Hochzeitsvorbereitung flog er im Herbst 2015 wieder nach Kairo, kurz darauf wurde er festgenommen.

          Viele setzen sich für Said ein - bisher ohne Erfolg

          Saids Freunde in Frankfurt und seine Familie in Ägypten haben keinen regelmäßigen Kontakt ins Gefängnis. Vor knapp zehn Tagen hat Said einen Brief aus seiner Haft schreiben können. Die Zeilen klingen kämpferisch. „Ich werde ein Gefangener bleiben, selbst wenn ich draußen wäre“, schreibt er darin, und dass er seine Überzeugungen nicht aufgeben werde, um schneller freizukommen. Berichten zufolge ist Said vor einigen Tagen in den Hungerstreik getreten.

          Für Menschenrechtsorganisationen ist die Verhaftung Saids Teil der anhaltenden staatlichen Repressionen in Ägypten. Unter anderem fordert die ägyptische Kommission für Rechte und Freiheit die sofortige Freilassung von Said und den anderen bei der Mahnwache in Kairo Festgenommenen. Auch der Frankfurter Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour (Die Grünen) hat sich wegen seines Falls zusammen mit einer Parteikollegen schon an die ägyptische Botschaft in Berlin gewandt – bisher ohne Erfolg.

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