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Sorgerechtsstreit : Wille des Kindes nicht stets ausschlaggebend

Der Kampf um das Sorgerecht kann zum erbitterten Streit eskalieren. Wie viel zählt der Wille der Kinder? Bild: dpa

Im Sorgerechtsstreit kämpft ein Vater darum, seine Kinder häufiger sehen zu können. Doch wie wichtig ist dem Gericht dabei, was der Nachwuchs möchte?

          Der Wille eines Kindes, wo es nach der Trennung seiner Eltern leben will, ist nur ein Gesichtspunkt, wenn es darum geht, zu entscheiden, was das Beste für ihn ist. Diesen Grundsatz hat das Oberlandesgericht in einem Beschluss bekräftigt. Es bestätigte damit das Urteil des Familiengerichts in erster Instanz, wonach in dem zu entscheidenden Fall die drei Kinder weiterhin besser bei der Mutter aufgehoben seien.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Vater hatte, zwei Jahre nachdem die Frau mit den drei kleinen Kindern aus dem Haus ausgezogen war, das Sorgerecht beantragt. Zumindest wollte er aber erreichen, dass die Kinder im wöchentlichen Wechsel bei ihm leben könnten. In mehreren Anhörungen hatten die Kinder diesen Wunsch geäußert.

          Vater will Entscheidung anfechten

          Ein vom Gericht eingeschalteter Sachverständiger stellte zwar eine starke emotionale Bindung an den Vater fest, kam aber zu dem Schluss, dass sich die Kinder diesen Willen „nicht autonom“ gebildet hätten. Vielmehr sei es ihnen unbewusst darum gegangen, den Bedürfnissen ihres Vaters zu entsprechen. Diesem aber falle es schwer, zwischen dem zu unterscheiden, was er wolle, und dem, was für seine Kinder gut sei, heißt es sinngemäß in dem Beschluss. Das Gericht folgte dem Sachverständigen auch darin, dass die Kinder zum Vater tendierten, weil sie in dessen Haus und Garten bessere Möglichkeiten zum Spielen sähen.

          Insgesamt hielten die Richter es im Sinne des Kindeswohls nicht für gerechtfertigt, die ursprüngliche Entscheidung zum Sorge- und Umgangsrecht nachträglich zu ändern. Sie verwiesen auf die Haltung des Gesetzgebers, dass dazu triftige Gründe erforderlich seien.

          Die vom Familiengericht zugebilligte Möglichkeit, mit seinen Kindern alle 14 Tage ein verlängertes Wochenende in seinem Haus zu verbringen, reichte dem Kläger nicht aus. Er will den Beschluss des Oberlandesgerichts beim Bundesgerichtshof anfechten. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Falles hat das Oberlandesgericht diese Möglichkeit zugelassen.

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