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Gequälter Bonobo : Endlich Liebe statt Hiebe

  • -Aktualisiert am

Integrationsarbeit: Bili (rechts) und das Bonobo-Weibchen Muhdeblu kommen sich im Wuppertaler Zoo näher. Bild: dpa

Der viele Jahre im Frankfurter Zoo beheimatete Bonobo Bili wird nach und nach von seiner neuen Affengruppe im „Grünen Zoo“ in Wuppertal akzeptiert. Von einem Happy End soll dennoch nicht gesprochen werden.

          Der viele Jahre im Frankfurter Zoo beheimatete Bonobo Bili wird nach und nach von seiner neuen Affengruppe im „Grünen Zoo“ in Wuppertal akzeptiert. Nach Angaben des Tiergartens hat der Zwergschimpanse in den vergangenen Tagen mehrfach sexuellen Kontakt mit Artgenossen gehabt, ein Zeichen dafür, dass sich die zunächst spannungsgeladene Beziehung zwischen dem Neuankömmling und seiner Gruppe allmählich normalisiere.

          „Die Entwicklung ist gut“, sagt Andreas Haeser-Kalthoff, Sprecher des Wuppertaler Zoos. Mehrfach hätten andere Bonobos Bili schon gelaust, was ein Ausdruck gegenseitiger Zuneigung sei. „Aber das ist nur eine Momentaufnahme“, es könne immer wieder zu Rückschlägen bei der Integration des Affen kommen. Von einem „Happy End“ solle daher noch nicht gesprochen werden.

          Drohungen gegen Wuppertaler Zoo

          Im November war der Zwergschimpanse aus dem Frankfurter Zoo nach Wuppertal gebracht worden, um dort für Nachwuchs zu sorgen. Seitdem wurde er immer wieder von seinen Artgenossen attackiert. Sie bissen ihm Teile eines Ohres und eines Zehs ab. Die Bilder des verletzten Tiers machten im Internet die Runde. In den vergangenen Wochen haben rund 300.000 Menschen einen Aufruf an den Zoo unterschrieben, das Tier von seinen Peinigern zu trennen. Vor dem „Grünen Zoo“ demonstrierten an mehreren Wochenenden in Folge Tierfreunde für den Affen.

          Der öffentliche Unmut nahm für die Mitarbeiter des Wuppertaler Zoos bedrohliche Formen an. Es gingen an den Direktor persönlich adressierte Drohbriefe ein, eine Entwicklung, die Zoosprecher Heaser-Kalthoff „ziemlich erschreckend“ nennt. Vor zweieinhalb Wochen trennte der Zoo die Bonobogruppe und ließ seitdem stets nur ein oder zwei der Affen mit dem Neuling aus Frankfurt in ein Gehege. Nach Angaben des Zoos endeten die heftigen Attacken danach.

          Die Verbesserung der Stimmung im Bonobogehege setzt sich nun durch die sexuellen Kontakte fort. Bonobos sind zusammen mit den gemeinen Schimpansen die biologisch mit dem Menschen am engsten verwandte Primatenart. Sex dient ihnen nicht nur zur Fortpflanzung, sondern ist ebenso Teil der alltäglichen sozialen Interaktion, trägt zum Spannungsabbau bei und fungiert als Gegenleistung bei der Nahrungsabgabe.

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