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Geplantes Techno-Museum : Sinnvolles Engagement

Frankfurter Legende: Techno-DJ Sven Väth wurde in den achtziger Jahren zu einer internationalen Größe. Bild: dpa

Dem Museum of Modern Electronic Music fehlt die öffentliche Förderung. Die braucht es aber dringend: Das Museum institutionalisiert nicht nur ein bedeutendes Musikphänomen, sondern wertet auch die Innenstadt mit einem Kulturzentrum auf.

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          Wer demnächst einen Ausflug nach Paris unternimmt, wird vielleicht auch der Philharmonie de Paris einen Besuch abstatten. Dort zeigt das Musée de la musique bis August die Ausstellung „Electro: De Kraftwerk à Daft Punk“, eine Schau, die der elektronischen Musik gewidmet ist. In der Geschichte dieses Musikstils war die französische Metropole eine wichtige Station, doch können dies einige deutsche Städte ebenfalls von sich behaupten, Köln etwa, Berlin gewiss und Frankfurt erst recht. Hier wäre die Ausstellung, ergänzt um Regionalia, vermutlich ein Renner und könnte sogar ein neues Museum gebührend eröffnen.

          Doch ob es dieses Museum of Modern Electronic Music in Frankfurt jemals geben wird, ist derzeit wieder fraglich. Dabei wollten die Initiatoren des privaten Museumsprojekts, denen von der Stadt die Räume des früheren Kindermuseums an der Hauptwache mietfrei zur Verfügung gestellt werden, eigentlich im September zumindest provisorisch den Betrieb beginnen. Ohne öffentliche Förderung wohlgemerkt, sieht der Betreiberverein doch vor, dass sich das gern verkürzt Techno-Museum genannte Haus selbst trägt.

          Falsch kalkulierte Kosten

          Allerdings sind wohl die Umbaukosten falsch kalkuliert worden und hat sich auch ein Sanierungsstau seitens des städtischen Gebäudeverwalters gezeigt, weshalb die potentiellen Museumsbetreiber nun mit der Bitte um eine Anschubfinanzierung in Höhe von 500.000 Euro an die Stadt herangetreten sind. Einen solchen Betrag hat allerdings kein Dezernat mal eben so zu verteilen. Auch ist längst noch nicht geklärt, ob mit dieser Summe allein tatsächlich der Weg für den Betrieb des Museums geebnet wäre.

          Sollten eine ernsthafte Überprüfung des Wirtschaftsplans und eine Analyse der Umbau- und Sanierungskosten allerdings ergeben, dass mit der einmaligen Bereitstellung öffentlichen Geldes das Museum etabliert werden kann, wäre ein Engagement der Stadt sinnvoll. Sie würde nicht nur ein bedeutendes Musikphänomen der jüngeren Popgeschichte, das zudem eng mit dem Namen der Stadt verbunden ist, institutionalisieren, sondern auch eine der unansehnlichsten Räume in der Innenstadt mit einem Kulturzentrum aufwerten, das sich den Plänen nach nicht nur museal, sondern vielmehr als pulsierender Ort inszenieren will. Dass sich zu diesem Zweck die hiesige Techno-Szene zusammenrauft und privates Geld akquiriert, sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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