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Geothermie in Hessen : Erdwärme für die Energiewende

  • -Aktualisiert am

Tiefgründig: Probebohrungen wie vor gut zwei Jahren im südhessischen Heubach sollen in Trebur zum Erfolg führen. Bild: Marcus Kaufhold

Bei Trebur soll Hessens erstes Geothermie-Kraftwerk entstehen. Die Bohrungen gehen 4000 Meter tief. Weitere Standorte sind im Gespräch.

          Vorausgesetzt, dass man bei den Probebohrungen in bis zu 4000 Meter Tiefe fündig wird, dürfte Hessens erstes Geothermie-Kraftwerk vermutlich 2017 auf einem Grundstück östlich von Trebur errichtet werden. Die Vertreter der Überlandwerk Groß-Gerau (ÜWG) GmbH, die zu 95 Prozent zum Konzern der Stadtwerke Mainz AG gehört, erhielten die Genehmigungen für zwei Bohrungen und damit verbundene Pumpversuche auf einem Gelände an der Gemarkungsgrenze zwischen Trebur und Nauheim.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Dort hoffen die Verantwortlichen des 40 bis 50 Millionen Euro teuren Projekts Unterwasserströme mit einer Temperatur von 160 bis 180 Grad Celsius anzuzapfen. Mit Hilfe dieses Energielieferanten ließe sich oberirdisch eine Turbine zur Stromerzeugung betreiben und noch dazu Wärme zum Beheizen von bis zu 400 Privathäusern oder Firmen abzweigen.

          Auf „Hauruck“-Verfahren verzichtet

          Von einem Meilenstein für das vor acht Jahren gemeinsam mit dem Landkreis Groß-Gerau und der Gemeinde Trebur begonnene Projekts sprach ÜWG-Geschäftsführer und Stadtwerke-Vorstand Detlev Höhne, nachdem ihm Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid die Genehmigungsunterlagen ausgehändigt hatte. Daraufhin wurde das Bauschild „Erdwärme. Da steh’ ich drauf“ feierlich enthüllt.

          Weil man kein „Hauruck-Verfahren“ wollte, sondern bei diesem komplizierten Thema von Anfang an auf eine umfassende Information und Beteiligung der Bürger gesetzt habe, „konnte uns der Vorlauf in diesem Fall gar nicht lange genug dauern“, sagte Höhne. „Als kommunales Unternehmen wollen wir nur dort investieren, wo wir willkommen sind – und wo es sich lohnt.“

          Nachbar-Kreis hat ähnliches Projekt verworfen

          Beim geplanten Geothermie-Kraftwerk, das nicht mit dem umstrittenen Fracking zu vergleichen sei, habe man „noch dazu unentgeltlich“ vom Know-how der Bürger profitiert, die sich mit ihren Fragen und Bedenken frühzeitig bei dem Vorhaben eingebracht hätten. Unter anderem wurde deshalb ein eigener Beirat gegründet und eine Liste mit gut 30 vom Investor zu erfüllenden Bürgerforderungen erstellt. Dazu gehört unter anderem, dass die ÜWG eine Versicherung mit Beweislastumkehr abschließt, so dass bei potentiellen Schäden nicht der betroffene Hausbesitzer, sondern die Versicherung gefordert ist, der Sache auf den Grund zu gehen.

          Ausgang ungewiss: Mit Messungen hatte im Taunus die Suche nach einem Standort für Geothermie 2009 begonnen.

          Dass die Nachbarn aus dem Main-Taunus-Kreis ein vergleichbares Erdwärme-Projekt gerade verworfen haben, weil es ihnen zu wenig wirtschaftlichen Gewinn verspreche und zu viele unkalkulierbare Risiken in sich berge, tat der kleinen Feierstunde auf dem Schottergrundstück bei Trebur keinen Abbruch. Offenbar sei in diesem Fall nicht ausreichend informiert und womöglich auch nicht genug mit den Bürgern diskutiert worden, so der vorherrschende Tenor derjenigen, die im Kreis Groß-Gerau den Bau eines Geothermie-Kraftwerks befürworten.

          Strom für 21.000 Einwohner

          Bis 2020 wolle man etwa 30 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien decken, sagte Landrat Thomas Will (SPD). „Die Nutzung der Erdwärme kann da eine wichtige Rolle spielen.“ Ebendeshalb sind in dem vom Oberrheingraben geprägten Kreis weitere fünf Standorte ausgemacht worden, an denen man wohl ebenfalls mit Hilfe von Rohren mit einem Durchmesser zwischen 20 und 80 Zentimeter Warmwasser fördern könnte – wenn das Pilotprojekt bei Trebur erfolgreich ist. Dort sollen in Zukunft jährlich rund 25 Millionen Kilowattstunden Ökostrom erzeugt werden, womit man rechnerisch rund 21.000 Bewohner des Kreises versorgen könnte.

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