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Geothermie : Erdwärme aus fast 800 Meter Tiefe

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Tiefenmesser: Steffen Schäfer vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie führt eine Messsonde für Gammastrahlung in ein 772,8 Meter tiefes Bohrloch ein. Die Tiefenbohrung ist abgeschlossen. Bild: dapd

Erstmals in Hessen ist für Geothermie so tief gebohrt worden. Ein Unternehmen will von September an seine Produktionshallen beheizen.

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          38 Grad in knapp 800 Meter Tiefe und eine hohe Wärmeleitfähigkeit: Die erste geothermische Tiefbohrung in Hessen hat günstige Ergebnisse erbracht, so dass von September an ein mittelständischer Betrieb im Groß-Umstädter Stadtteil Heubach Erdwärme aus großer Tiefe nutzen kann. So tief wurde in Hessen noch nicht gebohrt.

          Das Geothermieprojekt versorgt den neuen Produktionsstandort von Frenger Systemen BV, einem Hersteller von Deckenstrahlungsheizungen und Kühlungen für Industriegebäude und Sporthallen. Die Produktionshallen haben eine Größe von 6000 Quadratmetern, hinzu kommen Büroräume mit 1400 Quadratmetern. Das Unternehmen habe sich Wärme für 50 Jahre eingekauft, sagte gestern bei der Präsentation der geologischen Ergebnisse der Dezernatsleiter Rohstoffgeologie im Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie, Thomas Reischmann.

          Meist wird die Wärme für die Beheizung von Privathäusern genutzt

          Der Präsident des Landesamtes, Thomas Schmid sprach von einem „Meilenstein für eine nachhaltige und klimaschützende Energieversorgung“. Der Darmstädter Energieversorger HSE sieht bis zum Jahr 2020 in Südhessen ein Marktpotential von rund 150 vergleichbaren Geothermie-Anlagen. Eine Anlage wie in Heubach könne 25 bis 30 Einfamilienhäuser mit Wärme beliefern.

          Bisher nutzen Erdwärmesonden den flacheren Untergrund bis in eine Tiefe von 250 Metern. Meist wird die Wärme für die Beheizung von Privathäusern genutzt. Nach Angaben des Landesamtes wurden im Landkreis Darmstadt-Dieburg bisher mehr als 470 solche Anlagen in Betrieb genommen, in Hessen insgesamt mehr als 6300. In 25 Meter Tiefe liegt die Temperatur konstant bei zehn Grad, sie nimmt pro 100 Meter um drei Grad zu.

          Zijad Lemeš von der HSE bezifferte die Gesamtkosten des Pilotprojekts in Heubach auf 700.000 Euro. Das Hessische Umweltministerium übernimmt davon 40 Prozent und fördert zudem die Begleitforschung der Universitäten Kassel und Darmstadt sowie des Landesamtes für Umwelt und Geologie. Projektpartner der HSE sind neben Frenger der Heizsysteme- und Wärmepumpenspezialist Viessmann und die Bohr- und Brunnenbaugesellschaft H. Anger‘s Söhne. Vor allem die Geologen zeigten sich gestern begeistert über die Erkenntnisse, die sie nun aus den Bohrkernen aus einer Tiefe von bis zu 800 Metern gewinnen können.

          Große technische Herausforderung

          Die technischen Herausforderungen der Tiefenbohrung waren groß, das Gestein war oft härter als erwartet, und an einer Stelle in 320 Meter Tiefe wiederum so porös, dass es einbrach. Zwischen zwei und 50 Meter am Tag meiselte sich der Bohrer in die Erde. Das Loch wird nun mit zwei Rohren versehen. In einem geschlossenen System zirkuliert später Wasser, das sich im Erdreich auf 35 Grad erwärmt. Wärmepumpen heben die Temperatur dann auf das Niveau an, das für die Beheizung der Gebäude benötigt wird. Im Sommer ermöglichen acht oberflächennahe Sonden eine sogenannte passive Kühlung mit Wärmetauschern. Die Risiken, die bei der tiefen Geothermie sich ergeben, werden dem Landesamt zufolge vermieden: Wasser werde weder entnommen noch eingeleitet. Auch gebe es keine Probleme mit hochmineralisiertem Wasser aus großen Tiefen. Mit diesem geschlossenen System würden keine künstlichen Erdbeben erzeugt.

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