https://www.faz.net/-gzg-9tkdm

Georg Ringsgwandl : Andacht und Radau

Ein Herbst in Hessen: Georg Ringsgwandls Album wurde in der Alten Schule in Stephanshausen aufgenommen. Bild: BR/Paul-Georg Busse

Liedermacher und Kabarettist Georg Ringsgwandl kommt in die Alte Oper nach Frankfurt. Im Rheingau hat er für sein Album „Andacht und Radau“ einige seiner bekannten Lieder zum ersten Mal aufgenommen.

          2 Min.

          In Stephanshausen im schönen Rheingau sagen sich selbst Fuchs und Hase nur leise „gute Nacht“, ist es doch dort geradezu andächtig ruhig. Ausgerechnet ein Ingelheimer, also jemand von der „ebsch Seit“, wie ein Rheingauer indigniert bemerken würde, kam allerdings im vergangenen Jahr auf die Idee, dass sich Stephanshausen auch als Ort eignen würde, um dort ein wenig Radau zu veranstalten. Dies natürlich einigermaßen gesittet in geschlossenen Räumen, und zwar in der Alten Schule. Die beherbergt seit dem Jahr 2011 ein kleines Musiktheater, in dem der Gitarrist Daniel Stelter, besagter Ingelheimer, auch schon aufgetreten ist. Und weil ihm der Raum geeignet schien, dort auch ein Album aufzunehmen, schlug er die Alte Schule seinem Chef und dessen Produzenten als Aufnahmeort vor, weshalb es gekommen ist, dass im Oktober 2018 in einem kleinen Rheingau-Örtchen ein durch und durch bayerisches Mannsbild sein Album einspielte: Georg Ringsgwandl.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Liedermacher, Kabarettist und frühere Oberarzt erinnert sich im Gespräch mit dieser Zeitung gern an den Ausflug ins Hessische: „Es waren richtige schöne Herbsttage, und zwischen den Aufnahmen konnte man draußen in der Sonne seinen Kaffee trinken.“ Der Frankfurter Produzent Parviz Mir-Ali, mit dem Ringsgwandl schon länger zusammenarbeitet, hatte den kleinen Konzertsaal in dem früheren Schulgebäude für die Aufnahmen eingerichtet und so die Grundlage für die nötige Klangatmosphäre geschaffen. „Ein jedes Album hat ja Atmosphäre, doch ist die immer anders, was auch mit den Musikern zu tun hat, mit denen man spielt“, sagt Ringsgwandl, der bei den Aufnahmen zu seinem beziehungsreich betitelten Album „Andacht und Radau“ mit Ausnahme von Stelter nicht mit seiner Stammband, sondern mit zwei Gastmusikern arbeitete, dem Darmstädter Schlagzeuger Mario Garruccio, der schon für Edo Zanki, Gregor Meyle oder Sarah Connor trommelte, sowie dem Münchner Bassisten und Keyboarder Mario Schönhofer, der einige Jahre lang bei LaBrassBanda spielte.

          Bekannt für schrille Live-Auftritte

          Binnen vier Tagen nahmen Ringsgwandl und seine Musiker die zwölf Songs des Albums auf, von denen Liebhaber der schrillen Live-Auftritte des mittlerweile 71 Jahre alten Sängers und Gitarristen einige kennen dürften. Lieder wie „Mein Hund wird falsch ernährt“, „Deppert“, „Reiß de Hüttn weg“ oder „I wui net Skifahrn, aber I muaß“ gehören schon lange zu Ringsgwandls Repertoire, waren aber nicht auf Tonträgern erhältlich, weil sie zwischen Plattenaufnahmen entstanden waren und so nur den Weg ins Programm gefunden hatten. Die Zusammenstellung ist also ein Best-of der etwas anderen Art, ergänzt um zwei ganz neue Lieder, von denen „Digitales Proletariat“ sogar „binnen drei, vier Stunden an einem der Rheingauer Vormittage entstanden war“, wie sich Ringsgwandl erinnert, dem alle in Stephanshausen eingespielten Lieder wie neu vorkamen. „Mit neuen Musikern ändert sich die Stilistik eines Songs, und es entsteht etwas Neues“, ist er überzeugt.

          Dieser Tage dürften also bei jedem Auftritt neue Lieder erklingen, ist Ringsgwandl doch wieder mit seiner eigentlichen Band unterwegs, um zwei Stunden lang den Spagat zwischen Andacht und Radau zu meistern.

          GEORG RINGSGWANDL

          23. November, 20 Uhr, Frankfurt, Alte Oper

          Weitere Themen

          „Danke, Marie“

          Trauer um Roxette-Star Fredriksson : „Danke, Marie“

          An ihrer Stimme kam in den neunziger Jahren niemand vorbei, sie war das Gesicht von Roxette: Marie Fredriksson ist früh gestorben – die Trauer bei den Fans ist groß. Und auch ihr Band-Partner nimmt Abschied von einer ganz besonderen Freundin.

          Topmeldungen

          Freie Fahrt? Auf Deutschlands Autobahnen wartet die „größte Verwaltungsreform seit Jahrzehnten“.

          Autobahnen : Besser als Google Maps

          Bald übernimmt der Bund Planung, Bau und Betrieb der Autobahnen. Anfang 2020 beginnt ein erster Härtetest: Eine Verwaltung, die sich Jahrzehnte eingespielt hat, wird durcheinandergewirbelt. Wird alles klappen?
          Die Dividenden ersetzen die Zinsen nicht.

          Die Vermögensfrage : Die Dividende ist nicht der neue Zins

          In Zeiten abgeschaffter Zinsen werden neue Anlagemöglichkeiten gesucht und gefunden: die Dividende. Ein guter Tausch? Dividendentitel können ein attraktiver Bestandteil der eigenen Aktienanlagestrategie sein, den Zins aber ersetzen sie nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.