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Gemieteter Lagerraum : Wenn es zu Hause zu eng wird

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Vor den Türen herrscht penible Ordnung, dahinter mitunter privates Chaos: Blick in einen Flur von MyPlace in Frankfurt Bild: von Siebenthal, Jakob

Das Geschäft mit Lagerraum für Berufswechsler, Künstler oder Kleingewerbler beginnt sich auch in Deutschland zu entwickeln. Ein Blick hinter sonst gut verschlossene Türen.

          „Deswegen rauche ich zwei Schachteln am Tag“, sagt Gülhayat Kaya und schaut auf den Aschenbecher vor der Eingangstür. Darin liegen zwei lange dünne Zigaretten, von denen sie höchstens je zwei Züge genommen hat. Im kleinen Empfangsraum von „Main-Lager“ klingelt ständig das Telefon. Für inzwischen etwa 500 Kunden fungiert Kaya als Telefonzentrale, Sicherheitsdienst und Paketannahmestelle in einem. In Ruhe rauchen kann sie nur selten.

          Dreieinhalb Jahre ist es her, dass sie einen kleinen Auftrag ihres damaligen Familienbetriebs für Trockenbau und Abrissarbeiten zur Renovierung des ehemaligen Commerzbankgebäudes an der Mainzer Landstraße erhielt. Der neue Eigentümer bot ihr dort einen Fulltime-Job ganz anderer Art. Inzwischen wohnt sie sogar in dem Komplex, denn das Geschäft mit Unterstellplätzen verlangt, dass sie ständig erreichbar ist. Seit einem halben Jahr ist auch ihr Sohn eingebunden. „Das ist ganz gut so, da kann ich wenigstens ab und zu mal Urlaub machen.“ Beide haben die „Hausmeisterwohnungen“ bezogen.

          Streusalz, Wein und Heizungsmontage

          So gut wie jeder brauche Unterstellplätze, gerade in einer Stadt wie Frankfurt, wo die Mieten hoch seien, sagt Kaya. 60 Euro monatlich kostet der kleinste Raum: zwei Quadratmeter. Die Kundschaft reicht von Musikern, die ihre Instrumente lagern, über Berufstätige und Studenten, die für ein oder zwei Jahre ins Ausland gehen, bis hin zur Stadt Frankfurt, deren Winterdienst Streusalz im „Main-Lager“ deponiert. „In den Obergeschossen haben wir auch Büroräume, da hat sich zum Beispiel ein Heizungsmonteur eingemietet, dessen Werkstatt beherbergen wir im Erdgeschoss.“ Sogar ein Weinkeller ist eingerichtet.

          Das Geschäft mit den Mietlagern ist in Deutschland noch vergleichsweise klein. Martin Gerhardus, Chef des deutschen Marktführers „My Place“, geht von insgesamt etwa 1700 Standorten in Europa aus, der deutsche Markt nimmt mit etwa 80 noch eine bescheidene Rolle ein. Auf die Idee zu den Mietlagern ist der Gründer eher zufällig gestoßen. Ein Freund habe ihn auf den wachsenden Geschäftszweig hingewiesen, den es in den Vereinigten Staaten schon seit den sechziger Jahren gibt. „Da bin ich ein paar Wochen rübergeflogen, um mir das mal anzuschauen. Das Konzept hat mich überzeugt, also habe ich die Firma gegründet.“ Inzwischen ist das 15 Jahre her, und das Geschäft prosperiert.

          Stauraum für den „Antiquitäten-Freak“

          Eine Filiale ist in Frankfurt-Bockenheim, gut angebunden direkt zwischen A 66 und A 648. Walter Bauer nutzt das Angebot ausgiebig. Der Rentner stellt sich als „Antiquitäten-Freak“ vor. Da in seinem kleinen Häuschen im Frankfurter Westen längst nicht mehr alle seine Sammlerstücke unterkamen, beschloss er 2007, zusätzlichen Stauraum zu mieten. Besonders stolz ist der ehemalige Informatiker auf seine Fahrkartenautomaten. Über zehn Maschinen hat er gesammelt, teilweise mehr als 100 Jahre alt. Als er die Wohnung seiner verstorbenen Mutter nicht übernahm, mussten die irgendwo unterkommen.

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