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Ökumene : Experten für gemeinsame Feier von Abendmahl und Eucharistie

Ort für Reformideen: Am Domplatz in Limburg haben die Religionswissenschaftler ihre Erkenntnisse vorgestellt. Bild: dpa

Wichtige Theologen haben jahrelang geprüft, ob katholische und evangelische Christen miteinander das Brot brechen dürfen. Ihr Votum ist eindeutig.

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          Eine Gruppe namhafter Religionswissenschaftler spricht sich dafür aus, dass katholische und evangelische Christen gemeinsam das Abendmahl und die Eucharistie feiern können. Nach zehnjähriger Studienarbeit betrachte man eine „wechselseitige Teilnahme als theologisch begründet“, heißt es in einem Papier des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen, das gestern in Limburg vorgestellt wurde. Eine Öffnung sei auch pastoral, also aus Gründen der Seelsorge, geboten, um konfessionsverschiedenen Familien eine gemeinsame Kommunion zu ermöglichen.

          Allerdings macht der Arbeitskreis in seinem Dokument mit dem Titel „Gemeinsam am Tisch des Herrn“ auch Vorgaben für eine gemeinsame Feier von Abendmahl und Eucharistie. So müssten die liturgischen Formen und Leitungen in der feiernden Gemeinde von den Gästen jeweils anerkannt werden, es gehe somit um eine „Praxis der Einladung zu bereits gelebten Traditionen“. Als „sakrales Band des Glaubens“ und als Voraussetzung für eine gemeinsame Feier gelte die Taufe. Im Abendmahl, das eines der wichtigsten Symbole der christlichen Religion ist, feiern Christen die Gegenwart Christi im Gottesdienst, indem sie Brot und Wein teilen.

          Keine neue Liturgie beabsichtigt

          Den Arbeitskreis gibt es seit 1946. Er hat es sich nach eigenen Worten zur Aufgabe gemacht, die Ökumene in Deutschland zu fördern, indem er dogmatische Streitfragen erörtert. Auf wissenschaftlicher Basis arbeitet er eigenständig, unterrichtet aber regelmäßig die katholische Deutsche Bischofskonferenz und den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland.

          Eine gemeinsame neue Form der eucharistischen Liturgie sei mit dem Votum allerdings nicht beabsichtigt, heben die Autoren hervor. Herausgeber sind Dorothea Sattler, Professorin und Leiterin des Ökumenischen Instituts an der Universität Münster, sowie Volker Leppin, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Tübingen. Die Vorsitzenden des Arbeitskreises kommen aus Hessen: Martin Hein, der Bischof der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck, und Georg Bätzing, der Bischof von Limburg.

          Das Votum stützt der Arbeitskreis nach eigenen Angaben auf bibeltheologische, historische, systematische und pastorale Argumentationen. So seien etwa Grund und Ziel von Abendmahl und Eucharistie identisch: „Wir feiern in österlicher Hoffnung das von Jesus Christus selbst gestiftete Gedächtnis seines erlösenden Lebens und Sterbens für uns in einer liturgischen Handlung, in der seine Gegenwart in der Kraft des Heiligen Geistes im verkündigten Wort und im Mahl erfahrbar und wirksam wird.“

          „Dann werde ich zurückfragen: Wie denn dann?“

          Bischof Bätzing teilte mit, er schließe sich dem Votum voll und ganz an. Er sehe darin „einen wichtigen und gangbaren Schritt auf dem Weg hin zu einer sichtbaren Einheit unserer beiden Kirchen“. Er hoffe, dass das Papier mit Blick auf den Kirchentag „zu einer solide begründeten und zugleich vorsichtig verantwortbaren Öffnung der bisherigen Praxis beiträgt“. Der Limburger Bischof ist 2021 Gastgeber für den Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt. Gläubige, die mehr Ökumene für unerlässlich halten, setzen viel Hoffnung in die Veranstaltung, die in knapp zwei Jahren stattfindet. Bätzing sagte: „Das Einzige, was ich mir in dem nun beginnenden Diskussionsprozess nicht vorstellen kann, ist ein apodiktisches: so nicht! Dann werde ich zurückfragen: Wie denn dann? Wie denn anders?“

          Der evangelische Theologe Leppin sagte, das Votum des Arbeitskreises basiere „auf einer so breiten biblischen und wissenschaftlichen Grundlage, dass sich die Argumentationslast gegenüber dem Gewohnten umkehrt: Wer etwas gegen die Abendmahlsgemeinschaft sagen will, braucht sehr starke Gründe.“ Bischof Hein sagte: sprach von einem „bahnbrechenden Dokument“.

          In der Führung der katholischen Kirche ist das Thema dennoch weiter hochumstritten. Im vergangenen Jahr hatten die deutschen Bischöfe mit einer Dreiviertelmehrheit vergleichsweise liberale Leitlinien beschlossen, die es nahelegten, nichtkatholische Ehepartner unter bestimmten Bedingungen zur Kommunion zuzulassen. Im Anschluss daran gab es einen teils heftigen Streit zwischen der Mehrheit und einer Minderheit der deutschen Bischöfe, die eine solche Öffnung nach wie vor ablehnen. Nach einer Entscheidung von Papst Franziskus und der Römischen Glaubenskongregation wurden die Leitlinien als unverbindliche Orientierungshilfe veröffentlicht.

          Der komplette Text des Arbeitskreises lässt sich im Internet unter www.uni-muenster.de finden.

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