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Kunstsupermarkt : Gemälde aus der Grabbelkiste

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Erschwinglich: Der Kunstsupermarkt ist ein Forum vor allem für jüngere und unbekannte Künstler, die Werke günstig anbieten Bild: Wolfgang Eilmes

Die Geschäftsidee feierte einst in Marburg Premiere, hat sich selbst auf Sylt etabliert und ist auch am Main vertreten. Im Frankfurter Kunstsupermarkt gibt es Originalwerke zu erschwinglichen Preisen.

          Der Spanier kostet 59 Euro. Eine Frau mit Perlenohrringen und beigem Mantel hat ihn aus der Kiste gezogen und mustert ihn. „Was meinst du, Schatz?“, fragt sie ihren Begleiter - einen Mann im grauen Anzug und mit strenger Brille. Der schaut auf das Preisschild des Gemäldes und verzieht das Gesicht. „Bisschen teuer“, sagt er. „Ach, ich finde den Stil schön“, antwortet die Frau. „Und auch noch aus Spanien.“ Dann holt sie ein Gemälde aus einer anderen Kiste. Grüne Striche mit einem Hauch von Sonnenuntergang. Der Mann schaut ihr über die Schulter und nickt. „Das wäre doch schön für das Gästezimmer“, meint er. „Eher fürs Treppenhaus“, findet die Frau. Schließlich zieht sie ein kleines Aquarell hervor. „Na?“ - „Ja, ganz schön“, antwortet der Mann. Doch die Frau hat es schon zurückgestellt.

          Von Ende November bis Januar ist im „My Zeil“-Einkaufszentrum der Kunstsupermarkt geöffnet. Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle und kleine Plastiken gibt es dort zu kaufen. Am Freitag wurde der Laden mit einer Vernissage eröffnet. Originalwerke von Künstlern aus aller Welt. Ihre Schöpfungen stehen in kleinen roten Kisten - die Bilder mit Plastikfolie umwickelt, fertig zum Mitnehmen. Auf Wunsch gibt es den passenden Rahmen dazu. Vorne an den Grabbelkisten hängen die Biographien der Künstler.

          Sprungbrett für junge Künstler

          Die meisten sind jung und eher unbekannt; andere haben schon in renommierten Häusern ausgestellt. Im Kunstsupermarkt kosten ihre Werke zwischen 59 und 330 Euro. Im Vergleich mit einer Galerie sind das Discounter-Preise. „Der Kunstsupermarkt spielt mit der Einrichtung und den günstigen Preisen eines Supermarktes“, heißt es auf der Internetseite. Man wolle aber nicht nur Schnäppchenjäger und Sammler begeistern, sondern auch diejenigen, die sich sonst nicht mit Kunst befassten oder selten eine Galerie beträten, heißt es.

          „Kann ich Ihnen helfen?“, fragt eine Verkäuferin das Ehepaar. „Ja, wir suchen was Rustikales, so wie das vom Spanier.“ „Vom Spanier?“, fragt die Verkäuferin. „Ja“, antwortet die Frau. „Nur kleiner, wir hängen uns sonst zu.“ Die Verkäuferin zeigt auf ein rotes Acrylgemälde mit Quadraten und schwarzen Strichen. „So etwas in die Richtung?“ - „Nee, das ist too much“, sagt die Frau. Der Mann schaut auf seine Uhr und seufzt.

          Premiere einst in Marburg

          Der erste Kunstsupermarkt entstand 1998 in Marburg. Mittlerweile gibt es Ableger von Sylt bis Wien. Die meisten öffnen nur zur Weihnachtszeit. Die günstige Kunst ist dann besonders beliebt. „Eine echte Alternative zum traditionellen Kunsthandel“, steht auf der Internetseite. Kunst schaffe in der privaten Umgebung und am Arbeitsplatz eine „individuelle, anregende Atmosphäre“.

          Das Ehepaar hat sich für zwei Gemälde entschieden. Der Spanier muss zurück in die Kiste. „279 Euro macht das dann bitte“, sagt die Verkäuferin. Der Mann zückt zähneknirschend seine Bankkarte und tippt die Pin ein.

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