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Verbindung nach Fulda : Vorentscheidung über ICE-Trasse rückt näher

Vor dem Ausbau: Bei Gelnhausen sollen Züge auf vier Gleisen fahren können. Bild: Dieter Rüchel

Seit zwei Jahren wird wieder an einer besseren Eisenbahnverbindung nach Fulda und Würzburg gearbeitet. Die Vorentscheidung über die künftige Trasse soll bis 2017 fallen.

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          Die Planungen für eine neue Eisenbahnstrecke von Frankfurt nach Fulda werden konkreter. Im Gespräch mit dieser Zeitung zeigte sich Klaus Vornhusen, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Hessen, optimistisch, dass bis 2017 eine Vorentscheidung über die künftige Trasse fallen wird. Sowohl die Planungsarbeiten wie auch die Bürgerbeteiligung seien gut angelaufen, führte Vornhusen weiter aus, der jedoch Hoffnungen auf einen baldigen Baubeginn dämpfte. Damit sei erst für das nächste Jahrzehnt zu rechnen.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Die Planungsarbeiten für die Verbindung waren schon einmal weit gediehen, ruhten dann jedoch mehr als ein Jahrzehnt. 2013 wurden sie wiederaufgenommen. Im vergangenen Jahr begann die Bürgerbeteiligung, die der Deutschen Bahn wie auch der hessischen Landesregierung nach den Erfahrungen mit dem Projekt Stuttgart 21 sehr wichtig ist. Inzwischen befassen sich Kommunalpolitiker und Verbandsvertreter gemeinsam mit Mitarbeitern der Deutschen Bahn in drei Arbeitsgruppen mit dem Vorhaben. Aus dem Staatskonzern heißt es, man denke ergebnisoffen, womit vor allem gemeint ist, man wolle nicht zwangsläufig eine Strecke quer durch den Spessart, die unter der Bezeichnung Mottgers-Spange - weil sie in Sinntal-Mottgers enden würde - bei den früheren Planungen heftigen Widerstand provoziert hatte.

          Heikle Frage nach der Trasse

          In den Arbeitsgruppen des Dialogforums, wie sich die Bürgerbeteiligung nennt, geht es zum einen um die Frage, wie die vorhandene Strecke zwischen Hanau und Gelnhausen auf vier Gleise erweitert werden soll, und zum anderen darum, wie die Strecke von Gelnhausen über Aschaffenburg nach Würzburg so ertüchtigt werden kann, dass dort mehr Züge fahren können als jetzt. Die dritte Arbeitsgruppe befasst sich mit der heikelsten Frage, der künftigen Trasse zwischen Gelnhausen und Fulda und der Möglichkeit eines Abzweigs nach Würzburg.

          Recht rasch zu einem Ergebnis gekommen ist die Arbeitsgruppe, die sich mit der Strecke von Gelnhausen nach Würzburg beschäftigt. Ihre Leistungsfähigkeit stiege schon durch die Beseitigung eines Bahnübergangs und das Aufstellen eines zusätzlichen Signals, heißt es. Beim dritten und vierten Gleis zwischen Hanau und Gelnhausen muss eine Vielzahl von Varianten gegeneinander abgewogen werden. Was schließlich die neue Trasse östlich von Gelnhausen angeht, sind die Vorarbeiten für ein Raumordnungsverfahren zu erledigen. In einem ersten Schritt soll untersucht werden, wo der Verlegung von Gleisen zum Beispiel Naturschutzgebiete oder Heilquellen im Weg stehen. Die Deutsche Bahn musste dafür angeben, in welchem Raum überhaupt untersucht werden soll. Zugleich legte sie ungefähre Grobkorridore fest, in denen die künftige Strecke verlaufen kann, um die Vorarbeiten einzugrenzen.

          Alle Lösungen sind umstritten

          Die Korridore zeigen, dass es grundsätzlich zwei Möglichkeiten gibt, zusätzliche Gleise Richtung Fulda zu verlegen: entweder entlang des Kinzigtals, durch das auch die jetzige, überlastete Strecke verläuft, oder quer durch den Spessart auf die Schnellfahrstrecke Hannover-Würzburg zu. In diesem Fall wäre auch ein Anschluss Richtung Würzburg möglich, nicht nur Richtung Fulda. Alle Lösungen sind umstritten, weil sie einen Eingriff in die Landschaft darstellen. Der Abzweig Richtung Würzburg wird zudem von der Region um Aschaffenburg bekämpft, weil man fürchtet, der dortige Hauptbahnhof werde dann vom Fernverkehr abgehängt.

          Vornhusen spricht von einer „spannenden Situation“, in die das Projekt geraten sei. Inzwischen liege für das Bauvorhaben Material in einer solchen Detailtiefe vor, wie er sie vor zwei Jahren für unmöglich gehalten habe. Nun müsse man noch den für das laufende Jahr angekündigten Bundesverkehrswegeplan abwarten, insbesondere die diesem Grundlagenwerk zugrundeliegenden Prognosen über das Verkehrsaufkommen für die Jahre bis 2030. Dann wird sich auch zeigen, ob die Ertüchtigung der vorhandenen Strecke von Hanau über Aschaffenburg nach Würzburg ausreicht, um das Verkehrsaufkommen zu bewältigen, oder ob es doch notwendig ist, zusätzlich eine Fahrmöglichkeit auch in diese Richtung über die Neubaustrecke zu schaffen.

          Unterschriften gegen Mottgers-Spange

          Zur Vorbereitung des Raumordnungsverfahrens hat das Regierungspräsidium für Donnerstag nächster Woche einen Termin in Gelnhausen angesetzt. Dann soll zwischen den Behörden und Verbänden abgestimmt werden, was im Einzelnen während einer Umwelt- und Raumverträglichkeitsstudie untersucht wird, die ihrerseits Grundlage für das Raumordnungsverfahren sein soll. Der Fachbegriff dafür nennt sich Scoping-Termin.

          Vor Weihnachten übergaben der CDU-Generalsekretär Peter Tauber, der im Bundestag den Main-Kinzig-Kreis vertritt, und der Bundestagsabgeordnete Alexander Hoffmann (CSU) aus dem Wahlkreis Main-Spessart dem Bundesverkehrsminister 10.700 Unterschriften gegen die Mottgers-Spange. Sie waren von der Initiative „Pro Spessart“ gesammelt worden.

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