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Geldmuseum Frankfurt : Das Goethehaus für tausend Millionen Mark

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Goethe und das liebe Geld - zu sehen in einer Ausstellung des Geldmuseums zu Johann Wolfgang von Goethe und seinen Werken. Bild: Hoang Le, Kien

Auf einen D-Mark-Schein hat es Goethe nie geschafft, obwohl es Entwürfe dafür gibt. In Frankfurt und der DDR zierte der Dichter hingegen einst die Zahlungsmittel.

          Das zeigt eine Schau im Geldmuseum.

          Wer 1923 einen Tausend-Millionen-Mark-Schein aus Frankfurt bekam, musste zusehen, dass er ihn schnell wieder loswurde. Die Hyperinflation nach dem Ersten Weltkrieg entwertete das Geld immer schneller, und was nach einer riesigen Summe klingt, war eigentlich wenig wert. Münzen waren damals Mangelware, Gold und Silber hatte die Reichsbank zur Kriegsfinanzierung gebraucht. Andere Münzmaterialien wie Kupfer, Zink und Nickel wurden für Waffen benötigt. Notgeld kam in Mode, Städte und Gemeinden brachten regional gültige Papierscheine in Umlauf - meist mit künstlerisch gestalteten Motiven, die für den jeweiligen Herausgeber standen.

          Der Tausend-Millionen-Mark-Schein aus Frankfurt zeigte auf der einen Seite das Goethehaus, auf der anderen ein Porträt des Dichters. Doch die Stadt am Main war bei weitem nicht die einzige Gemeinde, die Goethe für sich reklamierte, wie die Ausstellung „Goethe auf Geld“ belegt, die die Bundesbank aus Anlass der Goethe-Festwoche von Sonntag an bis Dezember in ihrem Geldmuseum zeigt. Jeder Ort, der in einem Werk oder im Leben des Künstlers eine Rolle spielte, hat das offenbar gerne auf seinen eigenen Notgeldscheinen gezeigt. Ein Zehn-Pfennig-Schein aus Schierke zeigt Faust und Mephisto auf dem Weg zum Brocken, ein Schein aus der Charlotte-Buff-Stadt Wetzlar Werther und die brotschneidende Lotte. Gleich mehrere Städtchen in Thüringen sahen sich als Schauplatz von „Hermann und Dorothea“ und wählten Szenen aus dem Epos für ihre Notgeldscheine, die schon bald nach ihrer Einführung, nicht zuletzt wegen der raschen Geldentwertung, eher Kunstwerke und Sammlerstücke als Zahlungsmittel waren.

          „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles“

          Durchaus selbstironisch wählten die Herausgeber des Notgeldes auch immer wieder die Geldschöpfung aus Faust II als Motiv für die Scheine oder auch Gretchens Zitat: „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach, wir Armen.“

          Die kleine Schau mit drei Stellwänden und gut 80 Ausstellungsstücken erzählt auch einiges über die deutsche Geschichte. Eine der ersten Münzen, die an Stelle eines Herrschers eine Geistesgröße ehrten, war die Gedenkmünze der Freien Stadt Frankfurt mit der Prägung „Zu Göthe’s hundertjähriger Geburtsfeier“ von 1849. Wert: ein Doppelgulden. Goethes 200.Geburtstag lag 1949 zeitlich genau zwischen der Gründung der Bundesrepublik und der Proklamation der DDR, so dass - nicht unumstritten - zwei Gedenkfeiern in Frankfurt und in Weimar ausgerichtet wurden.

          Der „Goethe-Fünfer“ erinnert an den großen Dichter

          Im selben Jahr wurden Entwürfe für die auszugebenden Geldscheine der Bank deutscher Länder gestaltet. Erst jetzt sind die Historiker der Bundesbank in ihrer Sammlung auf den Entwurf eines Hundert-Mark-Scheins mit einem Goethe-Porträt gestoßen, der in der Ausstellung erstmals zu sehen ist. In Umlauf kamen D-Mark-Scheine mit Goethe-Motiven aber nie. Die DDR zeigte hingegen von 1964 an sein Konterfei auf ihren Zwanzig-Mark-Noten. Auch mit Gedenkmünzen ehrte das SED-Regime den Dichter häufiger, als dies die Bundesrepublik tat.

          So schienen schon 1982 die Motive rar zu werden. Während in Westdeutschland ein „Goethe-Fünfer“ mit dem Porträt-Ausschnitt aus dem berühmten Tischbein-Gemälde an den 150.Todestag des Dichters erinnerte, wählte man im Osten zum gleichen Anlass Profaneres: Goethes Gartenhaus in Weimar.

          Öffnungszeiten

          Die Ausstellung „Goethe auf Geld“ ist von Sonntag an bis zum 9. Dezember im Frankfurter Geldmuseum, Wilhelm-Epstein-Straße 14, zu sehen. Samstags ist das Museum geschlossen, an den übrigen Wochentagen hat es von 10 bis 17 Uhr geöffnet, mittwochs bis 21 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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