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Portemonnaie vergessen : Ohne Geld in einer fremden Stadt

Geld vergessen, was nun? Wer im Parkhaus steht und sein Ticket nicht bezahlen kann, drückt die Ruftaste am Automaten, um Hilfe zu erhalten. Bild: Amadeus Waldner

Wer sein Portemonnaie vergessen hat, steht vor einem Problem. Welche Möglichkeiten gibt es, um aus der Klemme herauszukommen? Helfen Internet und Smartphone?

          3 Min.

          Der Schreck ist groß: Da will man schnell etwas in der nächsten Großstadt erledigen, fährt mit dem Auto ins Parkhaus und stellt dann im Geschäft fest, dass das Portemonnaie noch zu Hause auf dem Tisch liegt. Was nun? Um die gewünschten Dinge zu erledigen und wieder aus dem Parkhaus herauszukommen, wird Geld benötigt. Am besten Bargeld. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Wen könnte man darum bitten, wenn die Bekannten alle weit weg sind, und man niemand Fremdes auf der Straße anbetteln möchte?

          Ingrid Karb
          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Fein raus ist, wer in seinen Taschen eine Bank- oder Kreditkarte mit sich führt. Mit einer Pin-Nummer kann an jedem Geldautomaten Bargeld geholt werden, wofür unter Umständen eine Gebühr von einigen Euro anfällt. Darüberhinaus akzeptieren die meisten Läden die Kartenzahlung. Hierfür wird oftmals nur die Unterschrift benötigt - gut für diejenigen, die sich die vielen vierstelligen Nummern einfach nicht merken können. Einige Geschäfte zahlen ab einem gewissen Umsatzbetrag sogar Bargeld aus. Nicht zuletzt steht in vielen Parkhäusern auch schon ein Kassenautomat, an dem die Kartenzahlung möglich ist.

          Die Bank will schon einmal den Ausweis sehen

          Allerdings bewahren viele Menschen ihre Karten im Portemonnaie auf - und müssen eine andere Lösung finden. In Geldangelegenheiten wendet man sich meist vertrauensvoll an eine Bank. Aber nicht an eine x-beliebige, wie der erste Versuch zeigt: Ohne Geldkarte lässt sich in einem Kreditinstitut, bei dem man kein Konto hat, nichts erreichen. Doch die Hausbank, in der die Mitarbeiter den Kunden noch persönlich kennen, ist nicht in der Nähe. Um sich in einer anderen Filiale zu legitimieren, benötigt man einen Ausweis. Liegt der Personalausweis oder Reisepass vor, können die Mitarbeiter in der Regel das dazugehörige Konto im Computer ermitteln und - meist gegen Gebühr - Geld auszahlen.

          Das gilt aber nur für Großbanken wie zum Beispiel Deutsche Bank und Commerzbank, die in ganz Deutschland vertreten sind. Für Kunden von Genossenschaftsbanken wird es dagegen schwierig, weil es sich meist um regionale Unternehmen handelt. Mitglieder der Volksbank Darmstadt zum Beispiel werden in einer Volksbankfiliale in Frankfurt oder Mannheim wie fremde Kunden behandelt. Die Mitarbeiter können nicht auf die Daten des anderen Unternehmens zugreifen und deshalb nicht weiterhelfen.

          Kann das Smartphone helfen?

          Dafür liegen die Volksbanken bei einer technologischen Entwicklung vorne: Geldabheben per App. Mit „VR-mobile Cash“ können Smartphone-Besitzer ohne Geldkarte an einigen Automaten Scheine abheben; zur Identifikation erhalten sie eine Transaktionsnummer aufs Handy geschickt. Die in Karlsruhe entwickelte App wird allerdings erst von Volksbanken im Süden Baden-Württembergs eingesetzt. In der Rhein-Neckar- oder der Rhein-Main-Region planen Institute wie die Volksbank Darmstadt oder die Sparda Bank Hessen ein solches Angebot einzuführen, Sprecher nennen aber keine konkreten Termine. Ad hoc können sich Kunden ohnehin nicht für den Dienst entscheiden, weil der notwendige Freischaltcode zunächst per Post verschickt wird.

          In Zeiten, in denen sich Einkäufe und Bankgeschäfte schnell und unkompliziert vom Sofa aus erledigen lassen, sollte es nicht so schwer sein, an Geld zu kommen, könnten Menschen in misslichen Situationen meinen. Es müsste doch möglich sein, Geld über das Internet zu transferieren und sich auszahlen zu lassen. Bei Volksbank und Sparkasse wird am Schalter sogleich abgewinkt. Das sei nicht möglich, heißt es dort. Im Internet finden sich jedoch einige Anbieter von Geldtransfers wie Western Union oder Reise-Bank. Warum nicht die bei Gastarbeitern und Urlaubern beliebten Dienste nutzen? In einer Filiale am Frankfurter Hauptbahnhof tritt Ernüchterung ein: Für die Auszahlung der 50 Euro, für deren Anweisung fünf Euro Gebühren anfallen, wird neben einer Transaktionsnummer auch ein amtlicher Ausweis benötigt. Wie bei anderen Geldinstituten werden nur Personalausweis und Reisepass anerkannt und nicht der Führerschein. Steckt der Personalausweis wie in diesem Fall im vergessenen Portemonnaie, gibt es kein Geld.

          Eine Lösung mit Gutschein

          Es gibt noch andere Bezahldienste im Internet, zum Beispiel Paypal. Wem könnte man Geld per E-Mail anweisen, der es einem dann auszahlt? Der Mitarbeiter im Internetcafé geht darauf genauso wenig ein wie die Rezeptionistin an einer Hotelrezeption. Nach Schilderung der misslichen Lage und der Frage „Könnte ich Ihnen Geld per Paypal oder Sofortüberweisung schicken, und Sie zahlen es mir aus?“ machen die Angesprochenen regelrecht die Schotten dicht.

          Bleiben noch die Geschäftshäuser. Vielleicht könnte man etwas im Internet bestellen und bezahlen, aber im Geschäft abholen? Wenn man es dann wieder zurückgäbe, erhielte man Geld. Doch leider gibt es bei den großen Handelsketten unterschiedliche Vertriebswege. Die Waren werden meist vom Online-Handel ins Ladengeschäft gebracht und nicht aus dessen Bestand genommen. Das führt dazu, dass die Sachen nicht sofort verfügbar sind, sondern erst am nächsten Tag. Zufällig findet sich in der Tasche aber der Gutschein einer Buchhandlung. Das ist doch so gut wie Bargeld, denkt sich der Kunde. Eine Barauszahlung des Guthabens sei nicht möglich, heißt es an der Kasse. Geht also auch nicht.

          Allerdings sind die Mitarbeiter sehr hilfsbereit. Nach Schilderung der Lage zeigen sie zwei Möglichkeiten auf: Ein anderer Kunde könnte einem das Geld geben, wenn man für ihn mit dem Gutschein zahlte, oder man kaufe etwas und gebe es dann wieder zurück. Dann könne man ausnahmsweise Bargeld auszahlen, statt den Betrag auf die Gutscheinkarte zurückzubuchen. Gesagt, getan - und ab ins Parkhaus zum Bezahlen. Und fürs nächste Mal wird sogleich ein Geldschein im Auto versteckt.

          Im Parkhaus wird keiner gefangen gehalten

          Im Parkhaus wird keiner gefangen gehalten Wer sein Geld vergessen hat, kommt trotzdem aus dem Parkhaus heraus. „Bei uns wird niemand gefangen gehalten“, sagt Michael Bachmann, Geschäftsführer der Parkhaus Betriebsgesellschaft in Frankfurt. Allerdings kann man aus den 27 Parkhäusern des Unternehmens nicht innerhalb einer kurzen Frist ohne Gebühr wieder herausfahren, wie das bei einigen anderen Anbietern der Fall ist. Bei allen Parkhausbetreibern müssen sich Kunden, die ihr Ticket nicht bezahlen können, bei einem Mitarbeiter melden. Wenn niemand in der Kassenzone anwesend ist, erreicht man rund um die Uhr Mitarbeiter in der Leitwarte. Dies geschieht über Funk, indem man die Ruftaste am Automaten drückt. Die Mitarbeiter kommen dann ins Parkhaus und nehmen die Daten des Betroffenen auf. Benötigt werden Name, Adresse und nach Möglichkeit die Nummer des Personalausweises. Aufgenommen werden aber auch Daten des Fahrzeugs, über die sich der Halter zweifelsfrei ermitteln lässt. Der Kunde unterschreibt eine Verpflichtungserklärung, erhält ein Ausfahrticket und später eine Rechnung mit der Post. Dafür fällt zusätzlich zur Parkgebühr eine Bearbeitungsgebühr von rund zehn Euro an.

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