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Geld abheben im Ausland : Mehr Sicherheit, weniger Komfort

Geld gegen Karte? Die Regeln für das Abheben von Geld mit EC-Karte sind strenger geworden. Bild: dpa

Kunden der Deutschen Bank können mit der EC-Karte in New York nur noch nach Rücksprache mit ihrem Bankberater Geld abheben. Auch andere Kreditinstitute schränken die Möglichkeiten ihrer EC-Karten ein.

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          Kunden der Wiesbadener Volksbank, die in den Vereinigten Staaten Geld abheben wollen, müssen dafür seit Anfang des Jahres eine Kreditkarte haben. Mit der EC-Karte, mit der das bis dato immer funktioniert hat, kommen Kunden jetzt nur noch innerhalb der Europäischen Union sowie in der Schweiz und der Türkei problemlos an Bargeld.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das soll der Sicherheit der Kunden dienen, sagt der Vorstandsvorsitzende Erwin Deuser. Drei-, viermal habe das Kreditinstitut allein in den vergangenen Monaten Skimming-Attacken verzeichnet: Betrüger hatten die Lesegeräte in Filialen manipuliert und so die Kontozugangsdaten von den Magnetstreifen der EC-Karten abgelesen. Über Kameras hatten sie die Pin-Nummern erspäht. In den Vereinigten Staaten oder in Mexiko hätten dann Komplizen Fälschungen erstellt und unbefugt Geld von den Konten der Kunden abgehoben. In einigen Fällen seien bis zu 400 Kunden betroffen gewesen, erzählt Deuser. Zwar sei der Schaden jeweils von der R+V-Versicherung ersetzt worden, aber jedes Mal seien zusätzliche Kosten und Arbeit entstanden.

          Chipsystem nicht überall eingeführt

          Eine ganze Reihe von Banken hat zuletzt die Möglichkeiten der EC-Karten ihrer Kunden, die inzwischen offiziell Girocards heißen, beschnitten. Bei der Postbank ist das Abheben im Ausland gar nicht mehr möglich. Die Deutsche Bank hat ähnlich wie jetzt die Volksbank schon vor einem Jahr die Karten ausgetauscht. Die neuen funktionieren nun standardmäßig über einen Chip statt über den Magnetstreifen. Der soll schwieriger auszuspähen sein. Innerhalb des Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums, kurz Sepa genannt, müssen seit Anfang 2011 alle Geldautomaten mit Chip-Lesegeräten ausgestattet sein. Das nahm die Deutsche Bank zum Anlass, die Karten all ihrer Kunden zu erneuern.

          Das Problem ist nur, dass in vielen ferneren Ländern das Chipsystem nicht flächendeckend eingeführt ist. So müssen Deutsche-Bank-Kunden, die nach New York, Rio oder Tokio fahren, nun vorher bei ihrem Bankberater Bescheid sagen, wenn sie dort auch mit der EC-Karte an Bargeld kommen wollen. Dann wird der Magnetstreifen, der nach wie vor auf der Karte vorhanden ist, für einen gewissen Zeitraum für Abhebungen in dem Land freigeschaltet. Auch wer zu spät daran denkt, kann noch aus dem Ausland eine Hotline anrufen und nach Beantwortung weniger Fragen die Sperre aufheben, wie eine Sprecherin der Bank versichert. Eine solche individuelle Freischaltung ist auch bei der Wiesbadener Volksbank noch möglich. Von der Deutschen Bank heißt es, seit der Umstellung seien die Skimmingfälle deutlich zurückgegangen.

          Kartenlesegeräte an der Tür entfernt

          Doch nicht alle Kreditinstitute sehen das Bedürfnis, ihre Kunden auf diese Weise vor Skimming-Attacken zu schützen. Bei den Sparkassen in der Region etwa hält man am bisherigen System fest. Man müsse abwägen zwischen der zusätzlichen Sicherheit und dem Umstand für die Kunden, sagt ein Sprecher der Frankfurter Sparkasse und nutzt ein deutliches Bild: „Natürlich kann man seine Haustür auch zumauern, damit kein Einbrecher mehr hereinkommt.“ Auch die Naspa und die Taunus-Sparkasse haben den Verfügungsrahmen im Ausland nicht zusätzlich eingeschränkt, ebenso wenig die Frankfurter Volksbank. „In unserem Haus gab es bisher keine Skimming-Fälle“, sagt ein Sprecher der Volksbank. „Daher wollen wir unseren Kunden auch weiter den Komfort, im Ausland Geld abzuheben, ermöglichen.“ Ähnlich argumentiert der Sprecher der Taunus-Sparkasse. Auch hier seien keine Fälle bekannt, in denen Unbefugte im Ausland Geld abgehoben hätten. An deutschen Automaten könnten die Kunden daher wie gehabt 2000 Euro am Tag abheben, im Ausland 500 Euro. Er weist aber darauf hin, dass Kunden jederzeit selbst den Verfügungsrahmen im Ausland beschränken könnten, wenn sie sich vor Daten-Missbrauch im Ausland fürchten.

          Einen eigenen Weg beschreitet die Sparda-Bank Hessen. Das Haus mit Sitz am Frankfurter Güterplatz will das Geldabheben im Ausland vom zweiten Quartal an, also im Frühsommer, beschränken, untersagt es aber nicht vollständig. Statt die Karten auszutauschen, wird dann der Verfügungsrahmen in Ländern außerhalb der EU sowie der Schweiz und der Türkei heruntergesetzt, wie ein Sprecher der Bank erläutert. Während bislang die Kunden mit der EC-Karte in fernen Ländern wie in Deutschland auch 1000 Euro am Tag abheben können, werden sie dann an fremdländischen Automaten nur noch 100 Euro am Tag erhalten. Allerdings haben auch Sparda-Bank-Kunden nach Angaben des Sprechers die Möglichkeit, die Summe vor der Reise hochzusetzen.

          Einen ganz anderen Schutz gegen Skimming-Betrüger hat sich die Naspa kürzlich ausgedacht. Seit August werden nach und nach die Kartenlesegeräte an den Eingängen zu den Filialen entfernt. Diese werden besonders gern von Betrügern durch eigene Lesegeräte ausgetauscht. Fortan bleiben die Türen offen.

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