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Geistige Reinigung : Keine Fastenzeit to go

Fastenzeit: mehr als nur eine kurze Selbstoptimierung Bild: dpa

Die wahre Bedeutung der Fastenzeit wird im rasanten Alltag zunehmend verdrängt. Denn für eine innere Einkehr muss man sich auch Zeit nehmen können.

          Wer mit dem Zeitgeist gehen will, geht manchmal zu weit. Dass die katholische Stadtkirche in Frankfurt heute im Innenhof von Liebfrauen eiligen Passanten ein „Aschenkreuz to go“ auf die Stirn wischen will, ist so ein Fall. Die Idee, dieses Symbol geistiger Reinigung und Vergänglichkeit zu Beginn der Fastenzeit in Hochgeschwindigkeit unter die Leute zu bringen, ist nicht gut, sondern höchstens gut gemeint.

          Wenn die Fastenzeit noch eine Bedeutung haben soll, müsste es darum gehen, sich bis Ostern etwas bewusst zu machen, etwas bewusst zu tun, etwas bewusst zu lassen. Innere Einkehr braucht Zeit und verträgt sich nicht mit einer To-go-Mentalität.

          Moralisch einwandfreie Selbstoptimierung

          Kaum geistreicher sind die Aufrufe, in den nächsten 40 Tagen auf das Auto zu verzichten. Am besten stammen die noch von Betrieben des öffentlichen Nahverkehrs. Solche Aktionen entspringen dem herrschenden Geist moralisch einwandfreier Selbstoptimierung, mit dem Grundgedanken katholischer Fasten- und evangelischer Passionszeit haben sie wenig zu tun. Wo Verzicht auf Alkohol, Fleisch und Verbrennungsmotor gepredigt wird, müssen die Kirchen darauf achten, nicht zu Hilfskräften hochemotionaler Ersatzreligionen wie Klimaschutz und korrekter Ernährung zu werden.

          Intellektuell aufregender ist es da, sich mit der diesjährigen Aktion der Evangelischen Kirche in Deutschland zu beschäftigen. Sie heißt „Mal ehrlich! Sieben Wochen ohne Lügen“ und ist mehr als einen Gedanken wert. Wann lügen wir? Warum lügen wir? Gibt es gute Lügen? Was ist Wahrheit? Und was steht dazu in der Bibel? Im Interview gibt der Frankfurter Stadtdekan Achim Knecht Antworten auf solche Fragen.

          Wahrheit und Lüge

          Wahrheit und Lüge – dieses Paar rührt an den Kern unseres Zusammenlebens. Es umreißt ein Thema, über das sich jede Diskussion lohnt. Nicht nur in der Fastenzeit, aber auch und gerade in den Tagen bis zum Osterfest am 21. April. Denn dann steht unweigerlich die Frage im Raum, ob die Auferstehung Christi Wahrheit ist. Oder wenigstens des Glaubens wert.

          Im besten Fall gelingt es Christen, über ein solches Thema zur Ruhe zu kommen, sich auf das zu besinnen, was wirklich wichtig ist. Sich Zeit zu nehmen für ein stilles Gebet – für einen kranken Verwandten, eine Freundin in schwerer See, einen überraschend verstorbenen Kollegen. Die Frage nach Gottes Existenz muss jeder für sich klären. Die nächsten 40 Tage sind die richtige Zeit für das Ringen um eine Antwort.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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