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Geigerin Katharina Wildermuth : Erst unbeschwert, dann eisern und danach ein Star?

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Ganz vertieft ins Hier und Jetzt: Katharina Wildermuth studiert inzwischen an der Frankfurter Musikhochschule. Spätere Karriere nicht ausgeschlossen. Bild: Fricke, Helmut

Vor gut zweieinhalb Jahren wollten wir wissen, wie so eine Künstlerkarriere beginnt und wie sie sich entwickelt. Heute fragen wir nach, wie es ihr und der Karriere geht.

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          Solche Karrieren liebt die Öffentlichkeit. Wie jene von Julia Fischer, einer der markantesten Erscheinungen unter den jungen Geigerinnen auf internationalen Konzertpodien. Die Münchner Künstlerin mit slowakischen Wurzeln gewann im Alter von elf Jahren den Yehudi-Menuhin-Wettbewerb, gab ein Jahr später in Wien mit dem Beethoven-Konzert ihr Debüt und wurde mit dreiundzwanzig, da andere Talente erst über ihre Laufbahn nachzudenken beginnen, Professorin an der Frankfurter Musikhochschule; als jüngste seinerzeit in Deutschland. Das war vor sechs Jahren, und damals schien es, als würden die Julia Fischers überall nur so wie Pilze aus dem Bühnenboden schießen. Auf einmal war von Lisa Batiashvili und Hilary Hahn die Rede, von Chloë Hanslip und Alina Pogotskina, Sarah Chang, Baiba Skride, Janine Jansen. Alle jung, alle schön, alle hochbegabt: ein Medienereignis.

          Die Phalanx schien immer größer zu werden und auch das Staunen über so viel Talent in einem solchen Alter. Wie kann jemand mit zwölf Jahren schon den knorrigen Beethoven verstehen und angemessen interpretieren? Wie schafft man es als Teenager, Bachs Solo-Sonaten und Partiten - den Mount Everest der Violinliteratur - ohne Sauerstoffmaske zu bezwingen und unbeschadet in die musikalische Wirklichkeit zurückzukehren? Dass neben großer Begabung auch glückliche Umstände, Disziplin und nochmals Disziplin, vor allem aber Fleiß dazu gehören - der Komponist Jaques Ibert sprach nicht umsonst von einem Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration als Mischungsverhältnis für geniale Taten -, war viel zu prosaisch für die Öffentlichkeit, als dass man sich mit einer solchen Erklärung begnügen wollte.

          Das Fräuleinwunder

          Julia Fischer ist heute achtundzwanzig Jahre alt und eine etablierte Künstlerin. Glücklicherweise für sie hat sich die Hysterie um ihre Person gelegt. Wer heute ihre Konzerte besucht, weiß, dass er einer außergewöhnlichen Künstlerin begegnet und ist möglicherweise nicht mehr so sehr fasziniert von Äußerlichkeiten. Und wer ihre Vita ein wenig genauer studiert, wird feststellen, dass auch ihre hohe Kunst nicht vom Himmel gefallen ist, dass sie bei ihrem frühen Debüt - wie alle großen Musiker - schon Hunderte Auftritte im engeren Familienkreis, bei privaten Festen, halboffiziellen Vorspielen absolviert hat, um das zu bekommen, was unabdingbar für die Solo-Karriere ist: Bühnentauglichkeit, Sicherheit im öffentlichen Auftreten, Unbeirrbarkeit durch äußere Umstände, Konzentration auf sich selbst und die Kunst.

          So etwas lernt jeder Musikstudent in zahllosen internen Vorspielen, auch wenn dann kein Jascha Heifetz oder Gidon Kremer aus ihm wird. Aber um herauszufinden, wie aus einem begabten Musiker ein gefeierter Solist wird, ein Konzertmeister, Kammermusiker oder Tuttigeiger, dafür lohnt sich der Blick auf die Lebenswege angehender Künstler allemal. Nicht zuletzt auch, um das Fräuleinwunder unter den aktuellen Geigerinnen ein wenig zurechtzurücken: als Medienereignis eben.

          Neben der Schule geübt

          Katharina Wildermuth ist eine jener jungen Geigerinnen, die nicht wie Julia Fischer schon mit zehn wussten, was sie mit zwanzig sein werden. Sie ist eine hochbegabte Musikerin, ein junges Mädchen, das wunderbar Geige spielt, aber auch noch an andere Dinge denkt als ans Üben. Als wir sie im Sommer 2009 im Norden Frankfurts besuchten, Geige spielen hörten und nach ihren Zielen befragten, war sie ein unbeschwerter Teenager mit musikalischen Ambitionen, aus einem guten Elternhaus, Waldorf-Schülerin, die durchaus die beschriebene Phalanx von jungen, talentierten Geigerinnen eines Tages würde verlängern können.

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