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Geheimes Papier : Passivbauten machen Feuerwehrleute krank

Trockene Luft: Die Feuerwache in Frankfurt-Niederrad ist Ende 2010 in Passivbauweise fertiggestellt worden Bild: Wonge Bergmann

Ein geheimes Papier belegt, dass die sehr trockene Luft in Passivhaus-Wachen in Frankfurt die Gesundheit belastet. Der Befund soll verschwiegen werden.

          Die für städtische Gebäude in Frankfurt verpflichtende Passivhausbauweise hat die Gesundheit zahlreicher Feuerwehrleute in drei neuen Wachen gefährdet. Das geht aus einer nicht veröffentlichten Magistratsvorlage zum Bau einer vierten Wache nahe Gateway Gardens am Flughafen hervor. Darin heißt es, in den drei bestehenden Feuerwachen habe der arbeitsmedizinische Dienst „erhebliche gesundheitliche Belastungen des Einsatzpersonals festgestellt“. Sie resultierten aus der zu trockenen Luft in solchen Gebäuden. Eine Langzeitmessung im vergangenen Winter habe einen Wert von weniger als 30 Prozent relativer Luftfeuchte ergeben. Damit seien „die wissenschaftlich empfohlenen Richtwerte zum Teil deutlich unterschritten“ worden.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Welcher Art die Erkrankungen sind, geht aus der Vorlage von Feuerwehrdezernent Markus Frank (CDU) nicht hervor. Fachleute berichten, dass vor allem im Winter die Nasenschleimhäute durch die sehr trockene Luft angegriffen werden können. Häufige Erkältungen seien eine Folge. In den Feuerwachen mit den oft großen Räumen ist es zudem offenbar besonders schwierig, die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. In der Vorlage heißt es dazu: „Versuche, dieses Problem durch technische Modifikationen in der Steuerung der Lüftungsanlagen und dann durch das Aufstellen von Zimmerpflanzen in Verbindung mit Zimmerbrunnen zu lösen, waren nicht erfolgreich.“

          Stattdessen seien andere Lösungen nötig, um die Gesundheit der Feuerwehrleute in den drei schon nach Passivbauweise errichteten Wachen in Niederrad, Nied und Rödelheim zu schonen, zum Beispiel „Befeuchtung und Klimatisierung“. Doch verursachten diese Lösungen „einen deutlich höheren Energiebedarf und konterkarieren damit die Ziele der Passivhausbauweise“.

          Deshalb soll für die geplante rund 4,2 Millionen Euro teure vierte Wache am Flughafen laut der Magistratsvorlage „der Bau-Standard des Passivhauses nicht in vollem Umfang umgesetzt“ werden. So würden nur die absolut notwendigen, innen liegenden Räume und die Küche mit Hilfe einer Anlage be- und entlüftet. Verzichtet werde ferner auf ein Wärmedämmverbundsystem. Stattdessen werde „eine zweischalige Bauweise mit innen liegender Dämmung“ ausgeführt.

          Brisant an der Vorlage ist, dass die schwarz-grüne Koalition den entscheidenden Passus zur Gesundheitsgefährdung der Feuerwehrleute zu verschweigen versucht. In einer Sitzung des Magistrats am vergangenen Freitag wurden deshalb nach Informationen dieser Zeitung „Austauschseiten zur Vorlage“ beschlossen. So wird in dem heute erscheinenden Papier der Abschnitt samt den Ergebnissen des arbeitsmedizinischen Dienstes gestrichen.

          Statt des Absatzes findet sich nun lediglich der kurze Hinweis, beim Betrieb der Wachen habe sich gezeigt, dass die Bauweise „aus arbeitsmedizinischer Sicht“ für die speziellen Arbeitsbedingungen einer Feuerwache „nur bedingt geeignet“ sei. Zu den Bedingungen zählten die großen Hallentore und „hohe interne Wärmelasten“ im 24-Stunden-Betrieb.

          Anscheinend haben darauf vor allem die Grünen gedrungen. Auf ihr Betreiben hin errichtet die Stadt seit Jahren eigene Gebäude nur noch im Passivhausstandard. Als Begründung führen die Grünen an, dass sich die zunächst teurere Bauweise langfristig auszahlen werde, weil der Energieverbrauch und die Energiekosten sehr gering seien.

          Die Berufsfeuerwehr hat nach eigenen Angaben etwa 900 städtische Feuerwehrbeamte. Sie tun in zwölf Feuer- und Rettungswachen im Stadtgebiet Dienst.

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