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Gegen „Wildpinkler“ in Frankfurt : Mobiles Urinal oder City-Toilette

Toilettenmangel: An der Konstablerwache sorgen „Wildpinkler“ für Ärger Bild: Eilmes, Wolfgang

An der Konstablerwache sorgen „Wildpinkler“ für Ärger. Der Ortsbeirat überlegt, wie er diese Unsitte bekämpfen kann. Ein Urinal, das an den Seiten offen ist, halten nicht alle für die beste Lösung.

          Das Bedürfnis ist menschlich, doch wenn es in aller Eile befriedigt wird, gibt es oft Ärger: Findet sich keine öffentliche Toilette in der Nähe oder ist man zu bequem, sie aufzusuchen, wird in Frankfurt einfach auf die Straße uriniert. So verwandeln sich Hofeinfahrten, Hauseingänge und dunkle Winkel zum Leidwesen von Anwohnern und Ladeninhabern in stinkende Pinkelecken. Die Fraktionen des für die Innenstadt zuständigen Ortsbeirats 1 haben das Problem nun aufgegriffen.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          An der Nachtbusstation der Konstablerwache ist diese Art von Umweltverschmutzung nach Angaben der Ortsvertreter immer öfter zu beobachten: Dort fehlen Toiletten für Fahrgäste, die nach Mitternacht auf Busse warten, und Zecher, die noch unterwegs sind, wenn viele Lokale und ihre Sanitärräume schon geschlossen sind. Besonders schlimm sei die Situation an Wochenenden, hieß es. In zwei Anträgen haben die Fraktionen deshalb gefordert, Abhilfe zu schaffen.

          Preiswerte, robuste Kunststoffanlage

          Die Grünen fordern den Magistrat in einer Vorlage auf, ein mobiles Urinal an der Bus- und Straßenbahnhaltestelle Konstablerwache aufzustellen. Auf die saubere Möglichkeit, sich zu erleichtern, wenn es drängt, sollte sowohl an der Haltestelle mit Schildern hingewiesen werden als auch an den „Wildpinkler“- Ecken in der Umgebung. Bei dem vorgeschlagenen Urinal handele es sich um eine preiswerte, aber robuste Kunststoffanlage, die von vier Seiten offen zugänglich sei, also nur bedingt Sichtschutz biete. Das Modell werde beispielsweise in London verwendet. Es sei kein Wasseranschluss nötig, sondern nur ein Abfluss. Die Wartungskosten seien gering. Dass das Urinal keine Tür habe und so eine soziale Kontrolle erlaube, finden die Grünen gut. Missbrauch und Vandalismus könnten so verhindert werden.

          Der Antrag der Grünen fand eine breite Mehrheit; auch die SPD stimmte zu, äußerte aber Zweifel, ob ein mobiles Plastikurinal die richtige Lösung sei. Körperlich Behinderte und Frauen könnten es nicht nutzen. Vor allem aber würden offene Urinale, die kaum Sichtschutz böten, das Stadtbild verschandeln. Stattdessen spricht sich die SPD dafür aus, City-Toiletten aufzustellen. Dabei handelt es sich um geschlossene, ovale Pavillons mit Toiletten, die einen Selbstreinigungsmechanismus haben. Diese Lösung würde das Problem nachhaltig beseitigen, zumal diese Toiletten von allen Bürgern ohne Einschränkungen genutzt werden könnten. In Düsseldorf und in Wiesbaden hätten sie sich bewährt, sagten die Stadtteilpolitiker.

          Zudem böten die Modelle einen Kostenvorteil, weil sie Werbeflächen hätten, die vermietet werden könnten. Aufbau und Pflege der WCs könnten auch komplett an eine Firma für Stadtwerbung vergeben werden. Der Zeitpunkt dafür sei jetzt günstig, weil die Stadt den Hauptvertrag für Stadtwerbung derzeit neu ausgeschrieben habe. Der Antrag der Sozialdemokraten wurde ebenfalls angenommen - womit die Ortsvertreter signalisierten, dass sich die Fachämter zu der Angelegenheit äußern sollten.

          Pinkelecken trockenlegen

          Grundsätzlich ist das Thema für Stadtteilpolitiker nicht neu: Am Mainufer und im Bahnhofsviertel fehle es ebenso an öffentlichen Toiletten. Speziell für den Rotlichtbezirk fordert der Ortsbeirat seit Jahren eine Lösung: Nur durch öffentliche Pissoirs könnten die Pinkelecken dort trockengelegt werden, meinen die Ortsvertreter. Das Stadtplanungsamt hat sich der Sache angenommen, in einem Gestaltungswettbewerb wurde ein Urinal ausgewählt. Das Modell sieht lediglich ein S-förmig gebogenes Lochblech als Sichtschutz vor. Eine solche offene Anlage könnte nicht von Prostituierten und Drogenabhängigen zweckentfremdet werden.

          Wie aus dem Planungsdezernat verlautete, sollen noch in diesem Jahr erste Urinale im Bahnhofsviertel installiert werden. Das Geld dafür könne aus dem städtebaulichen Förderprogramm für das Quartier entnommen werden. Zur Konstablerwache äußerte sich der Sprecher des Dezernats zurückhaltend. Zum einen könne die Toilettenanlage in der B-Ebene genutzt werden, auch wenn sie nicht 24 Stunden geöffnet sei. Vor allem aber sprächen ästhetische Gesichtspunkte gegen eine Aufstellung von offenen Pissoirs.

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