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Wohnungen in Offenbach : 8,5 Millionen Euro für Goethe-Viertel

Ganz schön schnell: Die Häuser im Inneren des Quartiers stehen bereits. Bild: Cornelia Sick

Bezahlbare Wohnungen sind im Ballungsraum rar. Das betrifft sogar Offenbach. Mit geförderten Wohnungen will das Land Hessen die Not lindern.

          Vor sechs Monaten lag gerade einmal die Bodenplatte. Wie das Goethequartier im Offenbacher Norden einmal aussehen würde, konnte man sich nur mit Hilfe von Computersimulationen vorstellen. Inzwischen sind die Ideen der Planer schon in Beton gegossen, die Rohbauten mit bis zu sieben Geschossen in unmittelbarer Nähe des Kaiserlei beinahe fertig.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Am Gründonnerstag übergab der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) auf der Baustelle zwischen der Blockrandbebauung und den sieben im Innern des Areals entstandenen Mietshäusern den Bescheid des Landes an die Baugesellschaft Nassauische Heimstätte über 8,5 Millionen Euro besonders günstiger Kredite. Damit fördert das Land 83 der insgesamt 327 Wohnungen. Besonders an diesem geförderten Wohnraum ist nicht nur, dass er mit einer Quadratmetermiete von 6,90 Euro bis 8,80 Euro auch für Menschen mit geringerem Einkommen noch bezahlbar ist. Die Wohnungen sind zudem überwiegend barrierefrei.

          Überhaupt ist das Gesamtpaket des Goetheareals genau so, wie es Al-Wazir für ideal hält: eine Mischung aus Mietwohnungen für normal- oder auch etwas besser verdienende Menschen, aber auch für solche Familien, die sich eine schöne Neubauwohnung in so gefragter Lage nicht ohne Hilfe leisten könnten. Und dazu gibt es noch Quartiere, die speziell auf die Bedürfnisse von alten Menschen und solchen mit Handycap zugeschnitten sind.

          Einfallsreiche Nutzung des knappen Raumes

          Abermals zeigte sich Al-Wazir über die einfallsreiche Nutzung des auch in Offenbach knappen Raumes: Die Außenflächen der Kindertagesstätte, die im Komplex untergebracht ist, haben die Planer findig auf das Dach des Supermarktes gesetzt, der zur Berliner Straße hin ebenerdig die Nahversorgung der Bewohner dieses und der angrenzenden Areale verbessern soll. Es sei das Ziel der Landesregierung, dass jede und jeder in Hessen eine seinen wirtschaftlichen Verhältnissen angemessene Wohnung bekommen könne, äußerte Al-Wazir. Um das zu schaffen, werde die Landesregierung „das umfassendste Maßnahmenpaket auflegen, das es in Hessen je gegeben hat“. Bis zum Jahr 2024 werde das Land 2,2 Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau bereitstellen. Das entspreche rund 22.000 Wohnungen für 66.000 Menschen.

          Al-Wazir zufolge will Hessen den Bestand der Nassauischen Heimstätte von derzeit 60.000 Wohnungen auf mindestens 75.000 Wohnungen anwachsen lassen. Hessen könne froh sein, dass es mit der Nassauischen Heimstätte eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft besitze, mit der solche Projekte überhaupt zu realisieren seien. Am Projekt Goethequartier beteiligt sich die Stadt Offenbach mit rund 600.000 Euro.

          Thomas Hain, einer von zwei Geschäftsführern der Nassauischen Heimstätte, hob hervor, dass die Wohnungsbaugesellschaft auf gutem Wege sei, das ambitionierte Neubauprogramm für rund 5000 Wohnungen in Hessen fertigzustellen. Alle Grundstücke für die geplanten Projekte seien im eigenen Bestand. Allein in Offenbach baut die Nassauische Heimstätte rund zwanzig Prozent dieser neuen Wohnungen.

          Bezugsfertig bis 2022

          Das Projekt am Goethering profitiert unter anderem von dem Programm „Mittlere Einkommen“, das das Land Hessen aufgelegt hat, weil inzwischen längst nicht mehr nur Menschen mit geringen Einkommen Schwierigkeiten haben, im Ballungsraum Rhein-Main eine bezahlbare Wohnung zu finden, sondern eben auch solche mit mittleren Einkommen. Die Wohnhäuser sind allesamt als KfW-70-Effizienzhäuser konzipiert und sollen per Fernwärme versorgt werden.

          Das Volumen des Gesamtprojekts ist in der Vergangenheit mit einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag beziffert worden. Entwickelt hat es die Wohnkompanie Rhein-Main, eine Tochter der Zech Gruppe. Der Bau selbst liegt in der Hand der Züblin AG, die als Generalunternehmer fungiert. Für Erscheinungsbild und Zuschnitt ist das Architektur-Büro Landes & Partner aus Frankfurt verantwortlich. Das rund 1,8 Hektar große Areal war über Jahrzehnte eine Brache, nachdem die Deutsche Bahn dort ein Materiallager unterhalten hatte. Davor war hier die Collet & Engelhard Maschinenfabrik GmbH ansässig, die – wie viele andere Offenbacher Industriebetriebe – nicht überlebte.

          Eigentlich soll das neue Viertel 2022 bezugsfertig sein. Bei der Grundsteinlegung im Spätsommer vergangenen Jahres hatte es allerdings geheißen, die Arbeiten liefen erheblich schneller als geplant, weshalb man das Projekt womöglich schon erheblich früher abschließen könne. Auch am Donnerstag war davon die Rede, dass die Zusammenarbeit auf der riesigen Baustelle an der Schnittstelle zwischen Offenbach und Frankfurt sehr gut laufe. Ein neuer, früherer Termin für den Abschluss des Projekts wurde dennoch nicht verkündet.

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