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Gedenken des Pariser Anschlags : „Trauermarsch“ blockiert

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Gedränge um die richtige Form der Solidarität mit den Opfern von Paris: An der Frankfurter Hauptwache stießen die Gruppen aufeinander. Bild: Müller, Norbert

Der Opfer der Attentate in Paris haben auch mehrere hundert Menschen in Frankfurt gedacht. Es blieb nicht an allen Schauplätzen friedlich.

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          Rund 500 Demonstranten haben in der Frankfurter Innenstadt eine Mahnwache der Freien Wähler gestört, die zum Gedenken an die Opfer des Attentats auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und der getöteten Geiseln in einem Supermarkt zu einem sogenannten Trauermarsch aufgerufen hatten. Die Aktivisten, darunter Politiker der Linkspartei, Gewerkschafter und Linksautonome, bezeichneten jene, die sich dem Aufruf der Freien Wähler angeschlossen hatten, als „Heuchler“ und „geistige Brandstifter“. Fast zwei Stunden lang standen sich beide Gruppen an der Hauptwache gegenüber. Redner der Freien Wähler wurden lautstark daran gehindert, sich zu dem Anschlag in Paris zu äußern. Die Polizei zog schließlich eine lange Reihe von Beamten zwischen beide Lager, um Auseinandersetzungen zu verhindern. Mehrfach forderten die Beamten die Gegendemonstranten auf, den Weg frei zu machen für den „Trauermarsch“, worauf die Aktivisten jedoch nicht reagierten. Schließlich brachen die Freien Wähler ihre Veranstaltung ab.

          Mehrere Demonstranten, die dem Aufruf der Freien Wähler gefolgt waren, empörten sich darüber, als „Rechte“ und „Nazis“ beschimpft zu werden. Nach Ende der Kundgebung verließ der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Wolfgang Hübner, die Hauptwache unter Polizeischutz, gefolgt von etwa drei Dutzend Gegendemonstranten. Auf dem Weg zum Römer, in den sich Hübner schließlich zurückzog, kam es vereinzelt zum Gerangel zwischen linken Aktivisten und der Polizei. Hübner sagte, der Trauermarsch habe zwar nicht stattgefunden. „Wir gehen aber weg mit dem Bewusstsein, Flagge gezeigt zu haben.“

          Dem Hass ein Signal entgegensetzen

          Der Stadtverordnete der Linkspartei, Lothar Reininger, warf Hübner und seiner Partei vor, „sich die derzeitige Stimmung zunutze zu machen, um sich als Brandstifter zu betätigen“. Was die Freien Wähler eigentlich bezweckten, sei für jeden durchschaubar. Andere Gegendemonstranten warfen den Freien Wählern vor, mit dem Trauermarsch ein „Pegida in Frankfurt“ initiieren zu wollen. Die Freien Wähler kündigten weitere Veranstaltungen an.

          Am Mittag hatten sich vor dem Frankfurter Gewerkschaftshaus mehrere hundert Frauen und Männer eingefunden, um der Opfer der Terrorakte in Paris zu gedenken. Eingeladen hatte das Römerbergbündnis, in dem sich der DGB, die katholische und die evangelische Kirche, die jüdische Gemeinde und der Stadtjugendring für Toleranz engagieren. Man müsse diesem Hass und der gnadenlosen Gewalt ein Signal für Freiheit und Demokratie und vor allem auch ein Zeichen der Freundschaft mit Frankreich entgegensetzen, sagte Harald Fiedler, Chef des DGB-Frankfurt.

          Zu wenig Polizisten in Rhein-Main

          Zu den Teilnehmern sprach auch Bernadette Segol. Die Französin ist Generalsekretärin des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB) und war am Morgen auch die Hauptrednerin des traditionellen DGB-Neujahrsempfangs. Sie bedankte sich für das große Mitgefühl und die Solidarität, die Frankreich in diesen schweren Tagen erfahre, vor allem aus Deutschland, aber auch aus vielen anderen Ländern der Welt.

          Die Antwort auf die Anschläge von Paris, begangen von verführten Fanatikern, die Gott und die Religion als Rechtfertigung für Gewalt und Hass missbrauchten, müsse sein, die Freiheit, die Presse- und Meinungsfreiheit als Grundvoraussetzung der Demokratie entschlossen zu verteidigen. Manfred Moos, Medien-Fachbereichsleiter bei Verdi Hessen, sagte, man trauere um Journalisten und Polizisten, die die Verteidigung der Freiheit mit dem Leben bezahlt hätten. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) forderte, allen Gruppen und Strömungen Einhalt zu gebieten, die versuchten, mit Hilfe von Ideologie und Religion Hass zu schüren. Achim Knecht, evangelischer Stadtdekan von Frankfurt, forderte zum Gebet für die Opfer und deren Angehörige auf. Er sagte, es müsse nun verhindert werden, dass die Bluttat dazu missbraucht werde, Hass gegen Muslime zu schüren.

          Angesichts der gerade in Hessen nach den Anschlägen verschärften Sicherheitsvorkehrungen bemängelt die Gewerkschaft der Polizei, es fehlten, vor allem wegen der Aufgaben am Frankfurter Flughafen, mehr als 600 Beamte. Auf Dauer sei die innere Sicherheit so nicht zu gewährleisten. Wegen der Sparpolitik sei in den vergangenen Jahren die Zahl der Mitarbeiter bei der Bundespolizei, die den Flughafen sichert, nicht gestiegen.

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