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Frank Wolff : Der mit dem Cello tanzt

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Jetzt, mit 75 Jahren, wird er demnächst sogar mit dem Weltstar Sting gemeinsam auftreten. In einer Fernsehshow. In das Programm eingefädelt hat ihn Otto Waalkes, der Komiker. Getroffen haben sich Otto und Wolff im vergangenen Sommer auf der Party zum 80. Geburtstag des Frankfurter Satirikers Pit Knorr, eines der Köpfe der Neuen Frankfurter Schule. Er kennt Wolff aus der Zeit des Neuen Frankfurter Schulorchesters, wie der Cellist und seine Mitstreiter ihr Frankfurter Schulorchester nannten, nachdem sie eine künstlerische Zusammenarbeit mit Knorr, Robert Gernhardt und anderen Großelchen der Neuen Frankfurter Schule begonnen hatten. Diese alte Titanic-Truppe hatte Otto regelmäßig Gags für seine Filme und Bühnenproduktionen geliefert. Otto war auf Knorrs Geburtstagsparty so angetan von Wolffs Cello-Kunststücken, dass er ihn umgehend zur besagten Show mit Sting vermittelte.

Inspiriert von Jimi Hendrix

An dieser Stelle muss man einen anderen Weltstar erwähnen, den Gitarristen Jimi Hendrix. Dessen Musik hat Wolff einst wie ein Blitzschlag getroffen, vor allem Hendrix’ Interpretation der amerikanischen Nationalhymne „The Star Spangeld Banner“ auf dem legendären Woodstock-Festival im August 1969. Sie hat Wolff später inspiriert zu seiner Version der deutschen Nationalhymne – die sein künstlerisches Markenzeichen wurde. Er hat sie zum Beispiel beim Festakt „Helgoland 100 Jahre deutsch“ 1990 auf der Nordseeinsel gespielt. Der amerikanische Botschafter hat das Konzert unter Protest verlassen, weil Wolff an Jimi Hendrix erinnerte. Bundespräsident Richard von Weizsäcker dagegen hat Wolffs Version des Deutschlandliedes interessiert gelauscht und sich danach freundlich mit dem Musiker ausgetauscht.

Eines ist dem Mann mit dem Cello indes nicht gelungen. Wolff konnte seine 2005 an Krebs gestorbene Lebensgefährtin und Musikpartnerin Anne Bärenz nicht wie einst Orpheus, sein Bruder im Geiste, aus dem Totenreich zurücksingen. Das war wahrscheinlich das größte Unglück in Wolffs bewegtem Leben. Jetzt, da er 75 Jahre alte wird, hat er sich damit abgefunden, dass der Tod immer wieder in seinem Freundeskreis zuschlägt. Er hat eine Haltung dazu gefunden: „Der Tod ist nicht schlimm, schwer ist nur das Sterben.“

Ein ungenießbarer Mix gemischt zu einem Göttertrank

Doch daran soll bei der Geburtstagsfeier in der Paulskirche am Freitag nicht gedacht werden. Wolff wird aus Berlin, wohin er vor einiger Zeit nach einer schweren Krankheit der dort lebenden Kinder und Enkel wegen umgezogen ist, in seine wahre Heimatstadt Frankfurt anreisen und wird wieder die Rolle des „Stadtstreichers“ übernehmen. So hat ihn Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) damals genannt, als sie ihn im Kaisersaal mit der Goethe-Plakette ehrte. Dabei ist eigentlich Bach Wolffs Gott. Oder zumindest einer seiner Götter. Bach und Jimi Hendrix, diesen scheinbar ungenießbaren Mix wird Wolff wieder einmal zu einem Göttertrank mischen. Einen Tag nach seinem Geburtstag.

An seinem Ehrentag am 28. August wird Wolff dagegen um 12.05 Uhr das Radio anschalten und auf hr2-Kultur der Sendung „Doppelkopf“ lauschen, in der er Daniella Baumeister Fragen zu seinem Leben, seiner Kunst und seinen Hoffnungen beantwortet.

Der Eintritt zum Konzert des Stalburg Trios mit Inrgid El Sigai, Markus Neumeyer und Frank Wolff am Samstag, 29. August, 16 Uhr in der Paulskirche ist frei. 200 Besucher können teilnehmen, die ersten 200 Gäste dürfen in die Paulskirche.

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