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75 Jahre Hessen : Land mit tiefen Wurzeln

Mit dem Löwen im Bunde (im Bild eine Installation des hessischen Wappentiers vom Künstler Ottmar Hörl aus dem Jahr 2007): Hessen wird 75 Jahre alt. Bild: Wolfgang Eilmes

Am Samstag jährt sich die Gründung des Bundeslandes zum 75. Mal. Zuzug und Landflucht werden zur Herausforderung der Zukunft.

          4 Min.

          Wie begegnet man Hessen? An Hessen führt kein Weg vorbei, wie es die Schilder an der Autobahn zu Recht sagen. Man muss schon lange suchen, um eine Nord-Süd-Verbindung zu finden, die nicht durch Hessen führt. Aber in der Nacht, auf der Fahrt in den Urlaub im Süden, lernt das Kind aus Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen auf dem Rücksitz das Bundesland nicht kennen. Die Lichter des Flughafens werden registriert; schon ist in man in Bayern. Halt, so geht das nicht, sagt der Vater, der in Marburg studiert hat, – und legt dort einen Stopp ein: Beeindruckend steil geht es bergauf in der Stadt, das behält man in Erinnerung, aber eben doch mehr, viel mehr. Luther war da, ganz viel Geschichte gibt es zu erkunden. Marburg besitzt mit der 1527 gegründeten Philipps-Universität die älteste noch existierende protestantisch gegründete Universität der Welt, die auch heute noch durch ihre Bauwerke und das Studentenleben das Stadtbild prägt.

          Die Wiege Hessens, hier ist sie zu finden. Denn im hessisch-thüringischen Erbfolgekrieg von 1247 bis 1264 wurde die Unabhängigkeit Hessens erstritten. Ohne das, was einst in Marburg passierte, sähe das hessische Landeswappen anders aus. Der Vater hatte das richtige Reiseziel ausgesucht.

          Dann die Freundin kennengelernt, in Düsseldorf zwar, aber sie ist in Korbach geboren, in Marienhagen bei Vöhl aufgewachsen, oft auch bei den anderen Großeltern in Ober-Werbe. Jetzt muss auch der Hesse schon etwas länger auf die Landkarte schauen: Waren Sie schon einmal am Edersee? Zweck der Talsperre ist in erster Linie die Wasserbereitstellung für die Bundeswasserstraßen Oberweser und Mittellandkanal; entstanden ist mit der Hilfe des Stausees eine sehenswerte Landschaft, gekrönt von Schloss Waldeck, das auf einer Burganlage aus dem 11. Jahrhundert gründet. Jetzt ist dort oben ein tolles Hotel zu finden; Übernachtung dringend empfohlen. Aber Achtung: Wer von Frankfurt aus beides, also Marburg und Edersee auf einen Schlag erfahren will, kommt auf der Strecke an so vielen Radarfallen vorbei wie sonst wohl nirgendwo. Doch wer erst einmal da ist, der hat es gut. Bei den Großeltern machten früher immer Holländer Urlaub, inzwischen kommen viel weniger Gäste – und das ist schade. Denn Deutschland ist nur an wenigen Stellen so schön, paart sich der See hier doch mit einem ganz besonderen Wald zum Nationalpark Kellerwald-Edersee.

          Zuwachs birgt Chancen und Risiken

          Das heutige Bundesland Hessen wird zwar erst 75 Jahre jung; doch zeigt schon dieser kurze Ausflug durch die eigene und die Landesgeschichte, dass das Land auf viel tieferen Wurzeln ruht. Der Hesse ist offen für Neues. Mit Durchreisenden kennt man sich seit jeher aus, wer hier mit Hessen Freundschaften schließt, will nicht mehr weg. Das ist keine Behauptung, das ist eine Tatsache. Die Bevölkerung in Hessen, derzeit sind es gut 6,2 Millionen Menschen, wird bis zum Jahr 2040 weiter wachsen. Und sie wird sich neu verteilen. In den Städten wie Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Kassel wird es immer voller – in einigen ländlichen Regionen hingegen immer leerer.

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          Das zeigt eine Modellrechnung zur Bevölkerungsentwicklung, die das Hessische Statistische Landesamt vor einiger Zeit veröffentlicht hat. Der Prognose zufolge würden in rund 20 Jahren 6,35 Millionen Männer und Frauen in Hessen leben, das sind rund 80.000 mehr als 2018. Den höchsten Bevölkerungszuwachs wird es laut der Modellrechnung in Frankfurt geben. Bis 2040 soll die größte hessische Stadt noch mal um 15,7 Prozent wachsen. Aus 750.000 würden damit in nur zwei Jahrzehnten 870.000 werden. Wer durch den Stadtteil Riedberg geht oder die Europa-Allee in der Stadt entlangläuft, ahnt, was ein solcher Zuwachs an Chancen mit sich bringt und an Risiken. Stadtplaner können genial sein oder kolossal daneben greifen; die Menschen können viele neue Ideen ins Land bringen, aber auch Schwierigkeiten haben, sich zu integrieren.

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