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Gastronomie Start-up : Schön gescheitert

Vierte Filiale in Hamburg

Um das Wachstum zu finanzieren, suchen sie Investoren. Im Februar 2017 soll die Finanzierung für eine sechsstellige Summe zum Abschluss gebracht werden. Es ist der Wendepunkt in der Geschichte. 18 Stunden vor dem Termin sagt der Hauptinvestor, für die Gründerinnen völlig unerwartet, ab. Drei Viertel der Gesamtsumme für die beiden neuen Geschäfte fehlten. Der Umbau für das Lokal in Hamburg lief bereits. Aber das Kapital fehlte.

„Plötzlich hatten wir das Momentum nicht mehr auf unserer Seite“, sagt Bozoukova. Sie sprachen mit drei Dutzend Investoren, bekamen gutes Feedback, aber: kein weiteres Geld. „Plötzlich wollten alle abwarten, ob der Laden in Hamburg gut anläuft“, erinnert sich Rümmele. Die Banken zögerten. Start-ups haben es ohnehin schwerer, an Kredite zu kommen. Aber in der Gastro-Branche? „Ein Doppelkreuz“, sagte Bozoukova. Heißt so viel wie: keine Chance.

Kurz darauf gewannen sie einen Preis und damit die Chance, in der begehrten Hamburger Europa-Passage eine weitere Dependance, ihre vierte, zu eröffnen. Sie griffen zu. Eine Fehlentscheidung mit fatalen Folgen. Die Miete und der Preiskampf in dem Hamburger Einkaufszentrum, die Kosten für die Lokale in Frankfurt und den Umbau des anderen Objekts in der Hamburger Hafenstadt: „Wir hatten eigentlich kein Umsatz-, wir hatten ein Kostenproblem“, fasst Rümmele zusammen.

Die beiden ehemaligen Jung-Unternehmerinnen auf einer Veranstaltung der Goethe-Universität am 13. Juni. Ihr Scheitern soll anderen Interessierten eine Hilfe sein.

Nur zwei Tage nach der Eröffnung Ende September gingen Mieten und Löhne vom Konto der Frauen ab. „Wir standen mit dem Rücken zur Wand.“ Einige Monate kämpften sie noch darum, die Insolvenz abzuwenden. „Wir wollten es mit einem positiven Twist zu Ende bringen“, sagt Bozoukova. Doch kurz vor dem Ende des Jahres sei noch die verspätete, aber noch nicht verjährte Schlussrechnung des Generalunternehmers für den Umbau des ersten Lokals in Frankfurt hereingeflattert.

Anfang 2018 kommt die Insolvenz

„Wir hatten zuvor nur eine Zwischenrechnung bekommen, die Kosten waren aber jetzt doppelt so hoch als geplant.“ Im Februar 2018 meldeten sie Insolvenz an. Nach wie vor sind die beiden Frauen überzeugt davon, dass ihre Idee das Zeug dazu hatte, am Markt dauerhaft Erfolg zu haben, dass sie aber an schlechten Ratgebern, unglücklichen Umständen und auch der ein oder anderen falschen Einschätzung gescheitert sind.

Ein Video zeigt die beiden im Dezember 2017, wie sie ein Schild auf der Tür zu ihrem ersten Geschäft von „Open“ auf „Closed“ umdrehen. Seitdem ist What the Food Geschichte. Doch die Geschichte selbst ist damit nicht am Ende angekommen. Das Video ist der Kern eines neuen Projekts, das Rümmele und Bozoukova starten und bei dem sie die Erfahrungen ihrer Berg- und Talfahrt an andere Gründer weitergeben wollen.

Derzeit sammeln sie auf der Crowdfunding-Plattform „Kickstarter“ Geld für ein Buch ein. Der Titel: „We fucked up, so you don’t have to“. Was sie erlebt haben, soll anderen erspart bleiben. „Wir haben zu viel auf Experten und zu wenig auf unser Bauchgefühl gehört“, nennt Rümmele einen der Ratschläge, den sie geben wollen. Ein anderer: Alles dauert länger und wird teurer, als man denkt.

Neben dem Buch sind die jungen Frauen an weiteren Projekten dran. Sie wollen aber nicht mehr nur auf eine Karte setzen, sondern sich breiter aufstellen. Und: Zurück in einen Konzern gehen sie nicht. „Wir haben unheimlich viel gelernt und nichts von alldem bereut.“ Und ihre Freundschaft? „Hat gelitten, natürlich“, sagen beide, schließlich haben sie vier Jahre lang, wie sie sagen, nur noch über „What the Food“ geredet. Gehalten hat die Freundschaft aber. Und jetzt? Reden sie öfter wieder nur über das Leben.

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