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Nachtlokal : Good old Music

Gepflegte Alt-Grüne, ruhig gewordene Ex-Revoluzzer und klassische Nordendler mittleren Alters bestimmen das Bild in der „Zappbar“. Dazu die Songs von Jimi Hendrix und Janis Joplin und frisch gezapftes Guinness und Kölsch.

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          Seit Stunden prasselt der Regen auf die Glauburgstraße. So kalt ist es gar nicht mehr, der Winter scheint erledigt zu sein. Ungemütlich ist es aber trotzdem. Wer kann, bleibt zu Hause oder huscht in die nächste Kneipe. Ein paar Schritte von der Kreuzung entfernt brennt noch Licht. „Zappbar“ heißt der Laden - und wer ihn betritt, wird zum Zeitreisenden.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Tresen wird geraucht. Wie damals, als noch niemand gefragt hat, ob das nun ungesund oder sonstwas ist. Rauchen gehörte einfach dazu, am besten Selbstgedrehte - und dazu die Songs von Jimi Hendrix und Janis Joplin. Die kommen auch hier aus den Lautsprechern, aber in bester CD-Qualität und ohne nerviges Knistern und Knacken. Zwischen den tiefen Lungenzügen trinken die Gäste frisch gezapftes Guinness und Kölsch. Ab und zu lacht jemand, in der Ecke schweigt einer vor sich hin. Und raucht natürlich.

          Preise wie in den Siebzigern

          „Good old Music“ steht in großen Lettern an einer Wand. Und zu hören ist in der „Zappbar“ tatsächlich nichts anderes - eine Wohltat angesichts des profillosen Gedudels, das einem andernorts um die Ohren gehauen wird. Der Schankraum hängt voller Poster, Bilder und Plattencover von Jethro Tull, Rolling Stones, Pink Floyd, Deep Purple, The Who, Yes, Iron Butterfly und natürlich dem namengebenden Frank Zappa, der an der Tür zu den Toiletten mit der berühmten Aufnahme fast lebensgroß verewigt ist, auf der er die Hosen heruntergelassen hat. Disco, Punk oder Hip-Hop haben hier keine Chance.

          Doch eine Hippie-Hölle alter Schule ist die „Zappbar“ nicht. Keine jugendlichen Kiffer mit langen Haaren und filzigen Bärten, eher gepflegte Alt-Grüne und ruhig gewordene Ex-Revoluzzer und klassische Nordendler mittleren Alters bestimmen das Bild. Dazu verbreiten das dunkle Holzmobiliar, die vertäfelten Wände und die pastellfarbenden Bezüge der großen Eckbänke ein seltsames Mischambiente aus Eckkneipe und Partykeller.

          Das einzige, was außer der Musik wirklich fast wie aus den frühen Siebzigern wirkt, sind die Preise: Ob Bier, Ebbelwei, Sekt, Wein oder einer der vielen vorrätigen Whiskeys, „Zappbar“-Wirt Ralph Göllner meint es gut mit seinen Gästen. Dazu singt Jim Morrison seinen „Roadhouse Blues“. Und draußen regnet es noch immer.

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