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Festival „Africa Alive“ : Brückenschlagen ist leicht

  • -Aktualisiert am

Frankfurt meets Kongo: Gasandji begeistert das Publikum. Bild: Cabrera Rojas, Diana

Die Sängerin Gasandji eröffnet das Festival „Africa Alive“ mit einem Konzert in der Brotfabrik in Frankfurt. Das Publikum ist begeistert. Und das nicht nur wegen ihrer einladenden Melodien.

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          Als älteste Tochter einer auf gute Bildung bedachten Familie wurde Gasandji mit 14 Jahren aus der Demokratischen Republik Kongo in ein französisches Internat geschickt. Vom Jahr 2000 an nahm die Sängerin, mit deren Auftritt in der Frankfurter Brotfabrik am Sonntagabend, dem 26. Januar, das Festival „Africa Alive“ eröffnet wurde, Unterricht an einer Jazzschule in Paris. Sie sang in einem Gospelchor und spielte sechs Jahre später ihr erstes Album ein, bei dem ihr der erfolgreiche kongolesische Musiker Lokua Kanza zur Seite stand. So richtig in Fahrt kam ihre Karriere allerdings nicht. Einen weiteren Versuch startete sie mit neuen Partnern auf dem vor sieben Jahren veröffentlichten Album „Le sacre“. Geprägt von eingängigen Melodien, einem oft an Pop orientierten Sound und einigen originären Stilelementen etwa aus der Tradition der Pygmäen, schlug die Musik Brücken zwischen den Kontinenten. Dazu sang Gasandji mit beseelter Stimme auf Lingala und Französisch.

          Seitdem sind keine weiteren Platten erschienen, vor rund vier Jahren jedoch entstand ein neues, in der Umgebung von Bordeaux ansässiges Quartett. Auch weiterhin vereint Gasandji in ihren Songs unterschiedliche musikalische Einflüsse zu einem Mix, der vor allem europäische Ohren ansprechen dürfte. Doch hinterlässt sie nun den Eindruck, mehr bei sich selbst zu sein, nicht zuletzt durch eine äußerst herzliche und spielfreudige Bühnenpräsenz.

          Rockiger Jazz mit glockiger Klarheit

          „Wie geht’s?“, fragt sie in der Brotfabrik zur Begrüßung auf Deutsch und kichert, als hätte sie einen ganz besonders guten Witz gemacht. Ihre blendende Laune angesichts des ziemlich vollen Saales überträgt sich umgehend auf das Publikum. Gleichwohl beginnt der erste Song langsam, fast filigran. Gasandji zupft ein stoisches Arpeggio auf ihrer akustischen Nylonsaitengitarre, darüber spielt Marine Thibault ein Solo auf der Alt-Querflöte, gefolgt von einem ebenso ruhigen und kurzen Solo des E-Gitarristen Kired Dongala. Schließlich übernimmt die Sängerin die Führung, intoniert zunächst sanft, mit warmem Timbre und in mittleren Lagen. Nach einer guten Weile hebt sie zu Aufschwüngen an, klingt nun nachdrücklicher und kehliger, ohne ihre glockige Klarheit zu verlieren. Schließlich setzt der Perkussionist Jean Calvin Yugye ein und entfacht mit Schlägen auf ein Cajón sowie einer mit dem Fußpedal getretenen Kuhglocke einen Groove. Parallel dazu steigert das Quartett die Dynamik. Dongala wechselt vom Zupfen zu vehement angeschlagenen, fast rockigen Akkorden, Thibault holt in einem zweiten Solo weiter aus und lässt ihren Jazzhintergrund aufleuchten. Dann singt die Band eine repetitive Chorphrase, über die Gasandji spontane Vokal-Kreise zieht, in die sie scatähnliche Passagen einflicht.

          Begeisternde Kommunikation mit dem Publikum

          Sämtliche weiteren Stücke des Abends, unter ihnen vier von „Le Sacre“, folgen mehr oder weniger deutlich dem Muster des Auftaktsongs. Yugye raschelt, klopft, pocht und wummert meist minimalistisch vor sich hin, rückt dafür im zweiten Teil des Konzerts aber, ebenso wie für einige Momente Dongala, als kraftvoller Sänger ins Zentrum. Zunehmend erweist sich Thibault mit rhythmischen oder flirrenden sowie in Maßen abstrakten Querflöteneinsätzen als spannender Gegenpol zur Sängerin und Bandleaderin.

          Einige Melodien laden unmittelbar zum Mitsingen ein, das daher irgendwann auch zu hören ist. In einigen kurzen Ansagen formuliert Gasandji allgemeingültige und versöhnliche Aussagen, die zu ihrer positiven Energie passen und in Zeiten fortschreitender politischer Polarisierung sicher respektabel sind. Es wird viel improvisiert, dabei zielt die Band aber nicht auf Virtuosität, sondern legt vor allem Wert auf einen lebendigen und gefühlsbetonten Ausdruck sowie die Kommunikation mit dem Publikum. Entsprechend groß und anhaltend ist die Begeisterung in der Brotfabrik.

          „Africa Alive“

          Das Festival „Africa Alive“ findet bis zum 8. März in Frankfurt statt. Weitere Informationen zum Programm von Film bis Musik gibt es im Internet unter der Adresse www.africa-alive-festival.de.

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